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Versicherungsvertrieb

Cyber-Policen sind ein Fall für Berater

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Mit der zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaft steigen die Gefahren durch IT-Sicherheitslücken. Angriffe durch Hacker oder per Malware verursachen den Verlust oder Diebstahl von Daten und können die hauseigenen Computersysteme lahmlegen. Andererseits müssen Unternehmen immer öfter Strafen zahlen, weil sie den Regeln zum Datenschutz verstoßen.

Als Lösung für diese Probleme offerieren Versicherer Cyber-Policen. Diese setzen decken nicht finanzielle Schäden ab, sondern bieten auch fachliche Hilfe im Krisenfall. Gegen den allgemeinen Abwärtstrend im deutschen Schaden-/Unfallgeschäft erwarten Branchenexperten in diesem Marktsegment Wachstum: Cyber könnte womöglich Kfz als volumenstärkste Sparte ablösen.

Die Zukunft der Cyber-Policen

Hubert Becker, Instinctif Partners

Wie sich der Markt für Cyber-Versicherungen künftig entwickeln dürfte, untersuchte jetzt die Kölner Ratingagentur Assekurata gemeinsam mit dem internationalen Kommunikations- und Krisenberater Instinctif Partners. Dabei ging es um die Voraussetzungen für Markterfolg, die größten Marktrisiken und die Rolle von Versicherern im Geschäftsfeld Cyber-Policen.

Befragt wurden dafür zwischen Mai und Juli 38 Anbieter von Cyber-Versicherungen in Deutschland sowie sieben Groß- beziehungsweise Spezialmakler, die in diesem Marktsegment aktiv sind. Ihre insgesamt 33 vollständig beziehungsweise teilweise ausgefüllten Fragebögen mit Antworten gingen in die aktuelle veröffentlichte Studie „Quo vadis Cyber-Insurance?“ ein.

Cyber ist Beratungsgeschäft

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Der Studie zufolge sehen die Anbieter von Cyber-Policen nur im Privatkundensegment mehrheitlich Chancen für einen digitalen Direktvertrieb. Knapp 60 Prozent der Anbieter sind der Meinung, dieser Vertriebsweg sei gut geeignet. Bei der Zielgruppe KMU/Gewerbe sind nur rund 25 Prozent dieser Ansicht. Im Industriesegment besteht Einigkeit, dass ein digitaler Vertriebsweg ungeeignet ist.

„Dieses Ergebnis korrespondiert mit der Einschätzung, dass Cyber-Produkte vor allem über spezialisierte Vertriebspartner zu platzieren sind“, sagt Hubert Becker von Instinctif Partners. „Mit Blick auf die hauseigenen Vertriebe der Versicherer ergibt sich daraus der Bedarf, diese über typische Krisenszenarien aufzuklären und für die nötigen Maßnahmen zu sensibilisieren, damit sie beim Kunden kompetent auftreten können.“

Noch geringer Reifegrad

Reiner Will, Assekurata

„Der Reifegrad der Bedingungswerke in der Cyber-Versicherung ist noch gering“, erklärt Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will. „Das liegt offenbar an den jeweils adressierten Kundengruppen, aber eben auch an der noch geringen Erfahrung hinsichtlich der Kundenbedürfnisse und der Schadenfälle.“ Nur rund 46 Prozent der befragten Unternehmen orientierten sich ganz oder größtenteils an den GDV-Musterbedingungen.

Zugleich glaubt nur ein Drittel der Anbieter, dass die internen Modelle zur Schadenkalkulation ausreichend sind. Dementsprechend herrscht Unsicherheit hinsichtlich der Prämien. Weniger als die Hälfte der Versicherer hält die gegenwärtigen Prämien in der Cyber-Versicherung für langfristig auskömmlich. Besser bewertet sind die Deckungskonzepte: Deren Qualität halten mehr als 80 Prozent der Befragten für marktkonform.

Partner im Ökosystem Cyber

Um vollumfänglichen Service bei Cyber-Krisen zu bieten, brauchen die Versicherer weitere Partner. „Eine rein monetäre Schadendeckung reicht in der Cyber-Versicherung nicht aus“, sagt Becker, der Unternehmen bei Cyber-Krisen berät. „Wenn die Krise da ist, erwarten die Kunden Hilfe bei der Wiederherstellung der IT, in Rechtsfragen und bei der Kommunikation mit ihren Kunden.“

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Deshalb binden bereits viele Versicherer Dienstleister ein, die im Krisenfall mit ihrer Expertise unterstützen. „Vor allem bei KMU fehlen oft eigene Kapazitäten und es gibt auch keine festen Dienstleister, auf die sie sofort zurückgreifen können. Dann wird die Unterstützung aus dem Netzwerk des Versicherers gerne angenommen“, so der Krisenexperte weiter.

Die Zahl der verfügbaren Cyber-Spezialisten beurteilt der Markt unterschiedlich. Etwa die Hälfte der Befragten bewertet die relevante Anbieterzahl als eher gering oder gering. Dies gilt vor allem für Anbieter in IT-Forensik. Dagegen wird die Qualität der Dienstleister recht hoch eingeschätzt. Mutmaßlich wegen der umfangreicheren Erfahrungen schneiden insbesondere die IT-Dienstleister gut ab. Etwa 15 Prozent sehen eine eher geringe Qualität in der Rechtsberatung, 35 Prozent in der Kommunikationsunterstützung.

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