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Versicherungswirtschaft bildet mehr Azubis aus

Zum sechsten Mal führten der Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV) und das Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV) ihre Ausbildungsumfrage 2009 unter mehr als 80 Unternehmen der Branche durch. Ergebnis: Die Auszubildenden-Quote - der Anteil der Azubis an der Gesamtzahl aller Beschäftigten - stieg im Jahr 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 auf 6,8 Prozent. Auch die absolute Zahl der Auszubildenden stieg bei den befragten Unternehmen, die laut BWV für 82 Prozent der Gesamtbranche stehen. Demnach waren dort 2008 insgesamt 12.300 Azubis in der Ausbildung, ein Plus von knapp 10 Prozent (2007: 11.200).

Von allen Ausbildungswegen entfielen dabei knapp drei Viertel auf die „klassische“ Ausbildung innerhalb der Unternehmen. Rund 8 Prozent aller Auszubildenden belegten ein ausbildungsintegriertes beziehungsweise duales Studium. 19,5 Prozent der Ausbildungsplätze wurden von den Unternehmen in Versicherungsagenturen finanziert.

Rekrutierung via Internet

Um geeignete Kandidaten für ihre Ausbildungsplätze zu rekrutieren, nutzen knapp 95 Prozent der befragten Versicherungsunternehmen das Internet. Fast 80 Prozent schalten Anzeigen in regionalen Printmedien und rund 70 Prozent präsentieren sich auf Job- und Ausbildungsmessen.

Fast alle – 94,9 Prozent – melden darüber hinaus offene Stellen an die Arbeitsagenturen. Private Vermittlungsagenturen werden im Gegensatz hierzu deutlich seltener zur Rekrutierung eingesetzt (3,8 Prozent).

Knapp 18 Prozent der Versicherungsunternehmen haben spezielle Angebote für Jugendliche, die noch nicht in vollem Maße über die erforderliche Ausbildungsbefähigung verfügen. Dazu zählen vor allem Schüler- und
Langzeitpraktika.

Wo es beim Nachwuchs hapert

Ausbildungshemmnisse sehen die befragten Unternehmen in den Kernfächern Deutsch, Englisch und Mathematik sowie im sprachlichen Ausdruck. Zudem wird  vielen Bewerbern mangelnde Flexibilität sowie mangelnde Motivation, Konzentration und Ausbildungsreife bescheinigt.

Häufig scheinen sich die Bewerber vor dem Bewerbungsgespräch nicht ausreichend über den Ausbildungsberuf zu informieren, so die Unternehmen. Einige Unternehmen bemerken darüber hinaus einen Bewerberrückgang aufgrund der demografischen Entwicklung, aber auch aufgrund eines zunehmend negativen Images der Finanz- und damit auch der Versicherungsbranche.

Immerhin: „Im Durchschnitt bewerben sich 16,9 Damen und Herrn auf eine Ausbildungsstelle“, so Josef Beutelmann, Vorstandschef des BWV, der darin anders als in anderen Branchen eine „noch“ durchaus erfreuliche Bewerberquote sieht. Dennoch ist die Suche nach geeigneten Auszubildenden schwierig, längst nicht jede ausgeschriebene Stelle kann besetzt werden. Im Jahr 2008 blieben – wie im Vorjahr – 6,0 Prozent der angebotenen Ausbildungsplätze unbesetzt. Mitte Juli 2009 waren noch 10,3 Prozent der Ausbildungsplätze für das aktuelle Ausbildungsjahr vakant. Gründe dafür sind in erster Linie die unzureichende Qualität der Bewerber, die fehlende Eignung für den Außendienst und die regional schlechte Bewerbersituation. 6,2 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse werden abgebrochen – in mehr als 60 Prozent der Fälle noch innerhalb der Probezeit. Als Gründe für ein nicht angetretenes beziehungsweise abgebrochenes Ausbildungsverhältnis geben die Unternehmen vor allem die Aufnahme eines Studiums sowie die Aufnahme eines anderweitigen Ausbildungsplatzes an.

75 Prozent der Azubis werden übernommen

Beendet ein Auszubildender seine Ausbildung in einem Versicherungsunternehmen, so wird er laut Umfrage in der Regel auch übernommen. Rund 99 Prozent der Auszubildenden haben im Jahr 2008 ihre Abschlussprüfung bestanden. Fast drei Viertel davon wurden übernommen. Von den Ausgebildeten, die das Unternehmen verlassen haben, konnten rund 30 Prozent für den selbständigen Außendienst (Paragraf 84 HGB) gewonnen werden.

Das Fazit der befragten Versicherer zum 2006 eingeführten Berufsbild „Kaufmann für Versicherungen und Finanzen“ ist eher positiv. Die neue Grundausbildung sollte die Vertriebs- und Handlungsorientierung des Vermittlernachwuchses stärker ausbauen. Im Sommer 2009 hat der erste Ausbildungsjahrgang die 3-jährige Ausbildung vollständig durchlaufen. 65 Prozent sind mit dem neuen Berufsbild, insbesondere mit der Vertriebsorientierung zufrieden.

35 Prozent sehen noch Verbesserungsbedarf oder haben Schwierigkeiten mit der Umsetzung. Eine große Herausforderung stellt der neue mündliche Prüfungsteil „fallbezogenes Fachgespräch“ dar. Kritisch wird darüber hinaus die Überschneidung der Wahlbausteine gesehen. Vielfach wird auch ein erhöhter Organisationsaufwand als Grund für Unzufriedenheit angeführt.

Für die Ausbildungsumfrage wurden mehr als 80 Versicherungsgesellschaften im Sommer 2009 befragt. Die Auswertung steht unter auf der Website des BWV zum Download zur Verfügung.

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