Verstärkung bei unruhiger Währungspolitik

SNB stellt Ex-Schwimmerin ein

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Andréa Maechler, die zurzeit noch für den Internationalen Währungsfonds arbeitet und ab dem 1. Juli über die Devisenreserven der Notenbank wachen wird, ist eine der 100 besten Schweizer Schwimmerinnen aller Zeiten. Ihr Umzug nach Zürich findet in einer entscheidenden Zeit für die SNB statt, nur Monate nachdem die Zentralbank einen Tsunami an den Märkten ausgelöst hatte, indem sie ihren Frankendeckel aufgab.

Maechlers Biografie ähnelt der des ehemaligen SNB-Präsidenten Philipp Hildebrand. Beide haben an der Universität von Toronto und am Genfer Hochschulinstitut für Internationale Studien und Entwicklung studiert. Und sie haben sogar zwei gemeinsame Schwimmtrainer.

“Es ist sehr interessant, dass sie den gleichen Weg gegangen sind”, sagt Byron MacDonald, der seit 1978 Schwimmtrainer an der Universität Toronto ist und der die beiden späteren Zentralbanker trainiert hat. Maechler habe sich durch besonderes Arbeitsethos hervorgetan, sagt er. “Was immer sie erreichen wollte, sie hat hart dafür gearbeitet - und die Männerwelt hat sie nicht eingeschüchtert.”

Maechler, deren Berufung ins SNB-Direktorium im Dezember bekanntgegeben wurde, als der Deckel von 1,20 Franken je Euro noch galt, schreibt mit ihrem Eintritt in die mehr als ein Jahrhundert alte Institution Geschichte. Sie wird die erste Frau im dreiköpfigen Direktorium. Am 19. März trifft die von Präsident Thomas Jordan geleitete SNB ihre nächste Zinsentscheidung.

Maechler wird das III. Departement der SNB leiten, das unter anderem für die Devisenreserven der Notenbank im Wert von einer halben Billion Dollar zuständig ist. Rund ein Drittel der SNB-Mitarbeiter sind Frauen, unter den 43 Managern in Maechlers zukünftigem Bereich gibt es laut SNB-Website nur eine.

Maechler wurde 1969 geboren und wuchs in der französischen Schweiz auf. Sie ist stellvertretende Leiterin des Bereichs “Global Markets Analysis” beim IWF. Zuvor arbeitete sie bei der OECD und beim Europäischen Ausschuss für Systemrisiken ESRB.

Ihre Erfahrung in der Kapitalmarktanalyse und der Risikobewertung wird sich für die Leitung des III. Departements als nützlich erweisen. Die Position umfasst auch die Verantwortung für ein Team, das Devisenmarktinterventionen durchführt. Seit Aufgabe des Frankendeckels haben SNB-Angehörige mehrfach erklärt, die Zentralbank werde nötigenfalls intervenieren. Am Markt wurde spekuliert, dass die Institution diese Ankündigung wahrmachen könnte.

Wie Maechler hat auch Hildebrand seine SNB-Karriere im III. Departement begonnen. Zuvor hatte er für einen Hedgefonds und für zwei Privatbanken gearbeitet. Unter seiner Leitung als Präsident wurde der Frankendeckel 2011 eingeführt.

Im Schwimmverein Geneve Natation 1885, wo Hildebrand und Maechler früher trainierten, erinnert sich der pensionierte Coach Anthony Ulrich an beide Schwimmer. “Sie haben beide einen starken Erfolgswillen”, sagt er. “Beide sind sehr offen, mehrsprachig und kommunikativ.” Maechler, die für diesen Artikel kein Interview geben wollte, war 1986 Schweizer Meisterin in den Disziplinen 200 Meter Schmetterling und 200 Meter Lagenschwimmen. “Sie hat sich Ziele gesetzt und hart daran gearbeitet, sie zu erreichen”, sagt Ulrich.

Bekommt die SNB also einen neuen Hildebrand, der seinerzeit mit den rechten Politikern der Schweiz in Konflikt geraten war wegen seiner Art, die sie als angelsächsisch und selbstdarstellerisch empfanden?

Man solle aus der Biografie nicht zu viel herauslesen, meint Janwillem Acket, Chefvolkswirt bei der Julius Bär Group in Zürich. Maechler habe einen sehr guten Ruf, sagt er. Das III. Departement sei schwierig angesichts der Frankenstärke, aber sie habe ein gutes Team.

Falls die sportliche Vergangenheit doch eine Rolle spielt, dürfte sich Maechler bei der SNB ebenso wie beim IWF in ihrem Element fühlen: SNB-Präsident Jordan hat in seiner Jugend Wasserball gespielt, IWF-Chefin Christine Lagarde war Synchronschwimmerin.

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