Themen-Experte
Eine dynamische Strategie für die Asset-Allokation

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Eine dynamische Strategie für die Asset-Allokation

Der Airbus Beluga, das größte Frachtflugzeug der Welt Foto: imago images / Marius Schwarz

Konjunkturausblick 2021

Vertrauen ist gut, ein ausgewogenes Depot ist besser

Joachim Fels, Pimco-Chefvolkswirt

Auf dem Weg der Erholung dürfte die Weltwirtschaft 2021 ein gutes Stück vorankommen –insbesondere in der zweiten Jahreshälfte. Allerdings ist das erwartete Wachstum an den Märkten bereits weitgehend eingepreist. Darüber hinaus sollten Anleger verschiedene makroökonomische Risiken beachten. Diese erfordern einen umsichtigen Portfolioaufbau, um auf erneut zunehmende Schwankungen an den Finanzmärkten vorbereitet zu sein.

Nach einem massiven Rückgang der Wirtschaftstätigkeit 2020 dürften die Produktion und die Nachfrage dieses Jahr in aller Welt wieder kräftig anziehen. Unserer Einschätzung nach wird die aktuelle erneute Schwäche großer Volkswirtschaften infolge von Lockdown-Maßnahmen etwa ab dem zweiten Quartal einem beschleunigten Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) weichen – angetrieben durch den großflächigeren Beginn der Impfungen und die anhaltende fiskal- und geldpolitische Unterstützung. Ausgehend von einem niedrigen Niveau sollte das weltweite BIP-Wachstum 2021 so hoch ausfallen wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr.

Andrew Balls, Chief Investment Officer bei Pimco

Die Verbraucherpreisinflation wird im Lauf des Jahres vermutlich nur moderat anziehen und in allen großen Volkswirtschaften generell unter den Zielvorgaben der Zentralbanken bleiben.

Leitzinsen dürften niedrig bleiben – oder sogar weiter sinken

Die Notenbanken dürften die Kreditkosten niedrig halten, um eine Fortsetzung der expansiven Fiskalpolitik über mehrere Jahre zu ermöglichen. Dafür werden sie die Leitzinsen in absehbarer Zukunft wohl auf ihrem aktuellen Niveau halten; in einigen Ländern könnten sie sogar weiter sinken. Auch eine Fortsetzung der Aufkäufe von Vermögenswerten über das gesamte Jahr und wohl weit darüber hinaus ist wahrscheinlich.

Ein ausschlaggebender Faktor für unseren Konjunkturausblick bleibt die Fiskalpolitik. Es ist davon auszugehen, dass die meisten Regierungen die Einkommen der privaten Haushalte weiterhin über Transferzahlungen unterstützen und Unternehmen mit Darlehensgarantien, Beihilfen und Steuerentlastungen unter die Arme greifen.

Die Risiken: Abnehmende Fiskalpolitik, sparende Chinesen und wirtschaftliche Narben

Aus der hohen Bedeutung der Fiskalpolitik für den Konjunkturaufschwung resultiert eines der Hauptrisiken: Eine beginnende Abnahme der Bemühungen und ein zurückhaltender Kurs der Regierungen in diesem Bereich würde die erwartete Belebung der Wirtschaft erheblich gefährden – vor allem in der zweiten Jahreshälfte und mehr noch im Jahr 2022.

Daneben erwarten wir, dass sich China im weiteren Jahresverlauf wieder stärker dem Schuldenabbau zuwenden wird, da das Land mit einer starken Wachstumsdynamik ins Jahr 2021 gestartet ist. Dabei besteht die Gefahr einer zu restriktiven Politik, die das Wachstum stärker belasten könnte als erwartet.

Die größte Unsicherheit für die Wirtschaftsaussichten geht aus unserer Sicht von den möglichen Folgen einer wirtschaftlichen Narbenbildung aus. Diese könnte eine schnelle Rückkehr der Verbraucherausgaben sowie der unternehmerischen Investitions- und Personalentscheidungen auf das Niveau von vor der Pandemie bremsen oder sogar ganz verhindern könnten.

Für Investoren gilt daher: Optimistisch bleiben – die Risiken aber nicht außer Acht lassen und das Depot entsprechend aufstellen.

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