Darf sich über hohe Zuflüsse freuen: Fondsmanager und DWS-Urgestein Klaus Kaldemorgen. | © DWS Foto: DWS

Vertriebsmaßnahmen

Warum dem DWS Concept Kaldemorgen so viel Geld zufloss

Nicht wenige Marktbeobachter werden sich verwundert die Augen reiben. Denn in der Absatzstatistik des Branchenverbands BVI fürs 4. Quartal liegt der DWS Concept Kaldemorgen (ISIN: LU0599946893) ganz vorn. Demnach sammelte er netto rund 2 Milliarden Euro ein (die Hitparade der bestverkauften Fonds finden Sie hier).

Sicherlich ist das zum einen der guten Leistung von Fondsmanager und Namensgeber Klaus Kaldemorgen geschuldet. Er hat die Kurve gekriegt und zieht Anleger somit nach einer längeren Schwächephase wieder auf seine Seite. Das ist aber nicht der Hauptgrund.

Denn Zahlen aus der Datenbank Morningstar Direct zeigen, dass Kaldemorgens Fonds allein im November 1,43 Milliarden Euro zuflossen. Und das lässt sich nicht einmal mit der Anziehungskraft guter Wertentwicklung erklären.

Des Rätsels Lösung ist die Garantiefondsserie DWS Flexpension, die die DWS im November vom Markt nahm und auszahlte. 2,56 Milliarden Euro kamen laut Morningstar auf die Art zusammen. „Der Fondsgigant DWS hat seine Flexpension-Strategie zu Grabe getragen und den Concept Kaldemorgen proaktiv als alternatives Investment-Tool vorgeschlagen“, stellten schon die Kollegen von Institutional Money fest. Auch DWS-Investmentspezialist Hendrik Liebold empfahl im Gespräch mit Asscompact den Kaldemorgen-Fonds als direkte Alternative.

Inhaltlich ist dem auch nicht zu widersprechen. Durch das hart gesunkene Zinsniveau sind Garantiefonds quasi tot. Denn sie leisten die Garantie aus fest kalkulierbaren Zinsen, der Rest des Geldes darf dadurch etwas risikofreudiger arbeiten. Doch Zinsen sind nun nicht mehr da, weshalb die Entscheidung der DWS auf der Hand liegt. Der Concept Kaldemorgen enthält keine ausdrückliche Garantie – die würde ja auch nicht funktionieren – allerdings soll er den Verlust pro Jahr auf maximal 10 Prozent begrenzen. Das ist ein guter und zeitgemäßer Kompromiss.

Die Flexpension-Fonds lagen hauptsächlich in fondsgebundenen Versicherungen. Wie sehr deren Anbieter nun dem DWS-Tipp folgten und das Geld in den Kaldemorgen-Fonds schichteten, ist unmöglich im Detail herauszufinden. Selbst die DWS hat laut eigener Auskunft keine genauen Zahlen dazu.

Ein Pro-Beispiel ist die Stuttgarter Versicherung. Sie schichtete automatisch am 12. November alle Flexpension-Guthaben in den Concept Kaldemorgen um, wenn der Kunde nicht ausdrücklich widersprach und einen anderen Fonds wählte. Anders der Konkurrent Swisslife: Er holte sich das Geld ins eigene Haus, indem er als Alternative den Mischfonds Swiss Life Prudent R auswählte. Und so hatte jeder seinen eigenen Ansatz, mit dem Problem umzugehen. Was auch die Differenz zwischen dem rückgezahlten Flexpension-Geld und dem Zufluss in den Kaldemorgen-Fonds erklärt. Ein bisschen Schwund ist eben immer.

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