Straßenszene in New York Foto: imago images / ZUMA Wire

Vermögensverwalter über US-Wahl

Viel Lärm um nichts

In den USA steht die Präsidentenwahl an. Oft wird beschworen, dass sie entscheidend, schicksalhaft, richtungsweisend sein wird, das Leben von Milliarden Menschen beeinflussen wird. Das ist nicht richtig. US-Wahlen sind eine große Show, sie machen viel Lärm und Getöse.

Und ja, es ist nicht immer business as usual. Eine Wahl kann die Politik der Vereinigten Staaten ändern, kann Kriege und Krisen wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher machen. Aber es ist eine weitgehend geordnet ablaufende demokratische Wahl – verglichen mit anderen auf dieser Welt. Und die USA sind die immer noch stärkste Wirtschaftsnation. Das liegt auch an Donald Trump. Er hat es mit seinem gewaltigen Ego, seinen Eskapaden und seinen Deals in vier Jahren nicht geschafft, die USA zu ruinieren. Auch wenn das immer wieder so gesehen wird – die USA stehen nicht ganz desaströs da.

Nicht ganz, denn das Bild der USA heute ist eines, das Trump gleicht: Glänzend, lackiert und geschminkt, aber ohne Substanz. Beziehungsweise mit einer Substanz, die zum Teil verfällt wie die Infrastruktur der US-Städte und zum anderen Teil verpfändet ist an die Zukunft. Die Schuldenlast ist gewaltig.

Die Börse freut das. Und natürlich ist es nicht so schwer, mit gewaltigen Mengen geborgten Geldes ein Feuerwerk an der Börse zu entfachen. Zumal wenn sich ein Präsident auch noch die US-Notenbank Fed untertan macht und deren gewaltige Ressourcen zusätzlich mobilisiert. Und wenn dann auch noch Corona eine passende Entschuldigung bietet, um noch mehr Schulden zu machen und noch mehr Geld auszugeben: Kein Wunder, dass sich die Börsianer freuen.

Nun wird gewählt. Aus Trumps Sicht ist es die wichtigste, größte, superlativste Wahl der Welt und aller Zeiten. Nun ja, das kann er so sehen. Die Realität ist eine andere. Die Wahl in den USA ist wichtig für die Welt, sie wird wahrgenommen und ihr Ausgang auch durchaus interessiert beobachtet. Regierungen stellen sich mit Szenarien darauf ein, die US-Bürger befürchten zum Wahltag Schlimmes. Die Börsen aber haben das Ereignis bereits abgehakt.

Demokratische Präsidenten waren im Schnitt besser für die Börse als republikanische. Ein Trump, der Schulden macht wie ein Demokrat aber Steuern senkt wie ein Republikaner, der war ein Glücksfall. Auch Trump müsste in einer zweiten Amtszeit zurückstecken. All das Geld muss gerechtfertigt werden. Und das größte Kapital der Fed, ihre Unabhängigkeit, ist auch nicht beliebig zu beleihen. Gut möglich also, dass nach der Wahl bei beiden Ausgängen das Gleiche ansteht: Konsolidierung.

Die Börsianer haben sich darauf bereits vorbereitet. Gewinne sind gesichert, die Portfolios robust aufgestellt. Ihnen wird die Wahl keine Kopfschmerzen bereiten. Das wird sie nur denjenigen, die immer noch denken, alles wäre offen und die Wahl wäre wichtig.

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