Globale Fondsmanager über die USA „Viel mehr als nur Bleib-zu-Hause-Aktien“
Brent Puff: Im historischen Vergleich stimmt es, dass viele traditionelle Bewertungsmaßstäbe für Aktien teuer sind. Das ist nicht nur ein US-amerikanisches Phänomen. Diese Realität ist eine Folge der rekordtiefen Zinssätze, der durch Covid plötzlich gedrückten Gewinne und des Technologiesektors, der das Bewertungsniveau nach oben verzerrt. Bestimmte Teile des Technologiesektors enthalten heute eindeutig sehr hohe Wachstumserwartungen für die Zukunft und sind daher anfällig für jede Enttäuschung. Diese Aktien sind auch überdurchschnittlich anfällig für höhere Zinssätze, die ihre Bewertungsmultiplikatoren schneller zusammenfallen lassen würden als in anderen Sektoren. Wir sind nach wie vor von unseren Investitionen im Technologiesektor überzeugt, haben aber in den letzten Quartalen Gewinne mitgenommen.
Didier Saint-Georges: Es ist sicherlich an der Zeit zu prüfen, ob jede Aktie im Portfolio es verdient, gehalten zu werden. Da die viel erhofften übergroßen fiskalischen Anreize nun mindestens zwei Jahre lang beiseitegelegt wurden und die Zinssätze nicht viel weiter sinken können, müssen die Bewertungen durch ein verlässliches Gewinnwachstum gestützt werden. Es wird ein Bottom-up-Markt. Einige Aktien haben sicherlich überhöhte Bewertungen erreicht, insbesondere weil sie sehr in Mode gekommen sind. Umgekehrt wird das Gewinnwachstumspotenzial einiger Unternehmen unserer Meinung nach immer noch unterschätzt, auch im Technologiebereich. Einige von ihnen sind viel mehr als nur Bleib-zu-Hause-Aktien und damit angesichts ihrer Wachstumsmöglichkeiten nicht zu teuer.
Johan Swahn: Der S&P 500 wird bei der auf die kommenden zwölf Monate ausgerichteten Konsensprognose mit einem KGV von 22 gehandelt. Noch wichtiger ist, dass die Bewertungsdiskrepanz auf dem US-Markt so groß ist wie schon lange nicht mehr. Die Pandemie hat dazu geführt, dass von Covid-19 negativ betroffene Aktien sehr kostengünstig geworden sind, während Aktien, die von Covid-19 profitieren, sehr teuer geworden sind. Wir gehen davon aus, dass sich ein Teil davon im kommenden Jahr umkehren wird, da neue Impfstoffe auf den Markt kommen. Daher erwarten wir viele interessante Möglichkeiten für billige Aktien in verschiedenen Branchen.
Wird Biden wie angekündigt die großen Hightech-Unternehmen, die sogenannten FAAAMs (für Facebook, Apple, Amazon, Alphabet, Microsoft), stärker regulieren?
Shaunak Mazumder: Ja, es wird wahrscheinlich eine gewisse Regulierung oder zumindest erhöhten Druck geben. Drastische Maßnahmen sind jedoch angesichts der Situation im Senat unwahrscheinlich. Es ist nun Aufgabe der FAAAMs, Dinge bei sich zu ändern, somit Risiken zu senken, und enger mit den Regierungen zusammenzuarbeiten. Sie müssen sicherstellen, dass sie nicht als schlecht für Gesellschaft und Verbraucher betrachtet werden.
