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Hart umkämpfter Markt Viele ETFs sind für die Anbieter ein Verlustgeschäft

Blackrock-Hauptsitz in New York
Blackrock-Hauptsitz in New York: Die Tochtergesellschaft iShares ist einer der weltweit größten Anbieter von börsengehandelten Indexfonds. | Foto: Imago Images / Levine-Roberts

ETFs sind Fonds, die an der Börse gehandelt werden. Sie bilden meist einen bestimmten Index nach, wie zum Beispiel den Dax oder den S&P 500. Damit ermöglichen sie Anlegern, einfach, kostengünstig und breit gestreut zu investieren. Diese Eigenschaften machen ETFs zu einem attraktiven Produkt für viele Anleger, sowohl für Privatpersonen als auch für institutionelle Investoren. Laut der Deutschen Bundesbank entfiel Ende 2022 ein globales Vermögen von rund 9 Billionen US-Dollar auf ETFs. Das entspricht einem Anteil von etwa 20 Prozent am gesamten Fondsvermögen.

Preiskampf: Wie die Anbieter von ETFs um Marktanteile kämpfen

Doch mehr Angebot bedeutet auch mehr Konkurrenz. Die Anbieter von ETFs müssen sich von ihren Mitbewerbern abheben, um die Aufmerksamkeit und das Geld der Anleger zu gewinnen. Der anhaltende Wettbewerb unter den Vermögensverwaltern hat die Gewinnmargen erheblich geschmälert, wie eine kürzlich veröffentlichte Studie der Citigroup aufzeigt.

Citigroup-Studie zeigt: Fast die Hälfte der ETFs operiert im Verlust

Laut den Experten der Citigroup haben zwischen einem Drittel und der Hälfte der über 3.300 in den USA gelisteten ETFs Schwierigkeiten, ihre jährlichen Betriebskosten zu decken. Diese Einschätzung basiert auf der Annahme, dass diese Fonds durchschnittliche Fixkosten von 200.000 bis 350.000 US-Dollar sowie variable Kosten von bis zu 0,075 Prozent haben. Dieses Dilemma ist das Ergebnis eines anhaltenden Gebührenwettbewerbs innerhalb der Branche. Die Kostenquoten von ETFs sind in verschiedenen Anlageklassen gesunken, da Emittenten in einem hart umkämpften Marktumfeld miteinander konkurrieren. Prominente Akteure wie Blackrock, Vanguard und State Street Global Advisors haben diesen Trend maßgeblich vorangetrieben. Während diese Entwicklung für Anleger, die diese Produkte kaufen, von Vorteil ist, stellt sie für die Vermögensverwalter, die diese Fonds betreuen, eine Herausforderung dar. Die Citigroup-Analysten fassen zusammen:

„Der ETF-Markt ist weitgehend gesättigt.“

 

Anleger profitieren von sinkenden ETF-Gebühren

Obwohl der Wettbewerb für ETF-Anbieter zunehmend härter wird, profitieren langfristig orientierte Anleger von den sinkenden Gebühren. In den USA ist es inzwischen keine Seltenheit, dass Anleger weniger als 0,1 Prozent an laufenden Kosten für einen relevanten passiven ETF zahlen. Im September senkte der US-Vermögensverwalter Schwab Asset Management die Gesamtkostenquote (TER) für alle seine festverzinslichen ETFs auf 0,03 Prozent. Im August senkte State Street die Kosten für den 19 Milliarden US-Dollar schweren SPDR Portfolio S&P 500 ETF sogar auf nur noch 0,02 Prozent und unterbot damit ähnliche Anlageprodukte von Blackrock und Vanguard. In Deutschland startete Invesco kürzlich mit einem neuen Welt-ETF: Mit einer jährlichen Gebühr von 0,15 Prozent sei der Invesco FTSE World ETF günstiger als vergleichbare europäische ETFs, heißt es von dem Vermögensverwalter.

Die Strategie der Vermögensverwalter: Mehr aktiv verwaltete ETFs mit höheren Kosten

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Trotz der Verwaltung von Milliarden von Dollar kann es schwierig sein, mit nur wenigen Basispunkten einen signifikanten Gewinn zu erzielen. „In einer reifen Branche gibt es immer Möglichkeiten, Gewinne zu erzielen, aber der Erfolg ist nicht unbedingt garantiert“, zitiert Bloomberg den Citigroup-Analysten Scott Chronert. „Typischerweise haben Strategien mit höheren Gebühren einen größeren Anteil an der Deckung ihrer Betriebskosten oder generieren höhere Gebühren für ihren Emittenten.“ Tatsächlich zeigen Untersuchungen von Bloomberg Intelligence, dass ETFs mit einer Kostenquote von weniger als 0,1 Prozent zwar 60 Prozent des Gesamtvermögens der Branche ausmachen, aber nur 19 Prozent zu den geschätzten Erträgen beitragen. Im Gegensatz dazu erwirtschaften ETFs mit einer Kostenquote von mindestens 0,5 Prozent rund 30 Prozent der Brancheneinnahmen, machen aber nur 8 Prozent des in ETFs investierten Vermögens aus.

 

Zukunft: Wie die Anbieter von ETFs neue Einnahmequellen suchen

Um dem Preiskampf zu entkommen und ihre Gewinne zu steigern, suchen ETF-Anbieter nach neuen Wegen, ihre Kunden zu bedienen. „Für die meisten ETF-Emittenten ist die Einführung innovativer Produkte wie thematische Fonds oder aktiv verwaltete ETFs mit höheren Gebühren notwendig, um mögliche Verluste bei anderen Angeboten auszugleichen“, erläutert Athanasios Psarofagis von Bloomberg Intelligence. Aktive oder alternative ETF-Mischungen zielen darauf ab, im Vergleich zu passiven ETFs im Zeitverlauf höhere Renditen zu erzielen oder das Risiko zu verringern, indem sie verschiedene Anlagestrategien verfolgen, die sich von den zugrunde liegenden Indizes unterscheiden.

Die Nachfrage nach aktiv verwalteten ETFs ist in den vergangenen Jahren gestiegen, insbesondere in den Bereichen Anleihen, thematische Aktien und Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG). ETF-Anbieter versuchen, diese Trends zu nutzen, um neue Kunden zu gewinnen und ihre Margen zu erhöhen.

Einige Beispiele für alternative oder aktiv gemanagte ETF sind:

  • Nachhaltige Strategien: Aktive ETFs können gezielt in Unternehmen investieren, die ökologische, soziale und ethische Kriterien erfüllen. Der Xtrackers MSCI World ESG ETF (Kostenquote: 0,23 Prozent p.a.) filtert und gewichtet den MSCI World Index nach ESG-Faktoren.
  • Smart-Beta-Strategien: Aktive ETFs können alternative Gewichtungsmethoden anwenden, die nicht nur auf der Marktkapitalisierung basieren, sondern auch auf anderen Faktoren wie Volatilität, Dividenden oder Qualität. Ein Beispiel ist der Ossiam Shiller Barclays CAPE US Sector Value ETF (Kostenquote: 0,75 Prozent p.a.), der US-Sektoren nach dem zyklisch bereinigten Kurs-Gewinn-Verhältnis (CAPE) auswählt und gewichtet.
  • Sektorbezogen oder regional: Aktive ETFs können sich auf bestimmte Branchen oder Regionen konzentrieren, die besondere Wachstumschancen oder Risiken bieten. Ein Beispiel ist der Amundi MSCI India ETF (Kostenquote: 0,85 Prozent p.a.), der in indische Aktien investiert.
  • Spezialisierte Investmentansätze: Aktive ETFs können auch andere spezifische Strategien verfolgen, die sich von den gängigen Indizes unterscheiden. Ein Beispiel ist der im vergangenen Jahr aufgelegte Frankfurter Ucits Modern Value ETF (Kostenquote: 1,14 Prozent p.a.)

Fazit: ETFs sind ein lukrativer Markt mit harter Konkurrenz

ETFs spielen eine wichtige Rolle auf den globalen Finanzmärkten. Sie bieten Anlegern zahlreiche Vorteile, darunter kostengünstige Anlagemöglichkeiten, eine transparente Preisgestaltung und eine breite Diversifikation. Für ETF-Anbieter ist der Markt jedoch alles andere als einfach. Ein intensiver Wettbewerb um Marktanteile führt zu schrumpfenden Gewinnmargen. Vor diesem Hintergrund sehen sich die meisten ETF-Emittenten gezwungen, innovative Produkte wie Themenfonds oder aktiv gemanagte ETFs mit höheren Gebühren einzuführen, um mögliche Verluste bei anderen Angeboten im Portfolio auszugleichen. 

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