Uwe Zimmer (Gastautor)Lesedauer: 3 Minuten

Vermögensverwalter Uwe Zimmer Warum Pessimismus an der Börse nichts bringt

Börse in Frankfurt
Börse in Frankfurt: Warum Aktienkurse sinken, ist nicht immer leicht erklärbar. | Foto: Imago Images / Jan Huebner

Die Börse legt gerade eine Sommerpause ein. Gründe dafür gibt es viele, doch nur wenige sind tragfähig. Da ist die gerade gefundene Einigung der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) auf eine deutlich höhere Öl-Produktionsmenge. Rund 2 Prozent mehr wollen die Öl-Staaten fördern. Den Ölpreis wird das nach unten drücken, manchen Abnehmer aber sehr freuen. Die Argumentation für den schlechten Einfluss auf die Kurse ist sehr umständlich: Steigende Ölpreise haben die Inflation am Laufen gehalten, sinkende werden die Verbraucherpreise jetzt fallen lassen. Was wiederum die Notenbanken dazu veranlasst, doch nicht die Zinsen zu erhöhen oder die Erhöhung, die sich viele offenbar wünschen, nach hinten zu verschieben. Langfristig wird das der Konjunktur gut tun und für steigende Gewinne sorgen.

Damit zum zweiten Punkt, der Inflation. Die Preise steigen, vor allem Rohstoffe haben sich stark verteuert. Dazu kommt, dass die Lieferketten noch immer unter den Langzeitfolgen der Pandemie leiden. Nicht alles ist wiederhergestellt, Chips sind Mangelware, Container teuer. Das alles lässt die Kosten für Unternehmen in die Höhe schnellen. Auf der anderen Seite treffen die höheren Kosten für Produkte oft auf einen sehr aufnahmefähigen Markt. Die Menschen haben während der Pandemie weniger ausgegeben, Geld ist vorhanden. Die Unternehmen können also höhere Preise durchsetzen. Das treibt vielleicht auch wieder die Inflation. Zunächst aber ermöglicht es gute Gewinne.

Da sind wir bei den Unternehmensgewinnen. Die waren in den vergangenen Jahren durchaus stattlich, was die Kurse antrieb. Getragen von einer weltweit gut laufenden Konjunktur konnten die Unternehmen sich Polster anlegen, um auch eine mögliche Abkühlung der Konjunktur durchzustehen. Diese allerdings wurden zumindest zum Teil aufgebraucht bei manchen durch die Folgen der Pandemie. Andere wiederum schütteten lieber aus, als vorzusorgen. Und wieder andere wie etwa Amazon haben so viel verdient, dass es ihnen egal sein kann, wie die Konjunktur läuft – sie stehen immer auf der Gewinnerseite. Möglich also, dass die Zeit der durchweg hohen Gewinne vorbei ist. Sicher aber ist, dass vielem Unternehmen jetzt so viel investiert haben, dass in den kommenden Jahren geerntet werden kann.

Neben diesen so oft genannten gibt es auch weitere Gründe für Pessimismus: die geopolitische Lage ist nicht sehr stabil, Russland, China und die USA rangeln immer offener, in manchen Teilen der Welt drohen bewaffnete Konflikte zu eskalieren, etwa in Myanmar. In anderen Teilen der Welt kommt die Delta-Variante des Corona-Virus jetzt erst, aber dafür mit Macht an. Überschwemmungen in Europa, Hitze und Waldbrände in den USA, Olympische Spiele, die niemand vor Ort will: all das drückt auf die Stimmung. Und ja, auch die Börsen lassen sich davon mitreißen. Doch ehrlich gesagt: niedrige Ölpreise, kaum Inflation, deshalb wahrscheinlich keine Zinserhöhung und zumindest gute Unternehmensgewinne: die Realität sieht gar nicht schlecht aus. Zumindest ist für Pessimismus wenig Raum.

Uwe Zimmer
Foto: Z-Invest

Über den Autor: Uwe Zimmer ist Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Z-Invest.

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