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50 Versicherer im Ranking „Viele Kunden wünschen sich Fondspolicen und Nachhaltigkeit“

Das nachhaltige Wohnquartier „Parkside Berlin“ wurde im Juli 2021 fertiggestellt
Das nachhaltige Wohnquartier „Parkside Berlin“ wurde im Juli 2021 fertiggestellt: Seit diesem Monat können Kunden der Versicherung „Pangaea Life Invest“ auch den neuen Sachwerte-Fonds „Blue Living“ besparen, der nur in nachhaltige Wohnimmobilien investiert. | Foto: Versicherungsgruppe die Bayerische
Carsten Zielke, Zielke Research Consult

Carsten Zielke und sein Team haben wieder Nachhaltigkeitsberichte deutscher Versicherer bewertet. In sogenannten Corporate-Social-Responsibility- (CSR-) Berichten müssen börsennotierte Firmen und alle Finanzinstitute mit mehr als 500 Mitarbeitern darlegen, inwiefern sie nachhaltig wirtschaften. Die Berichte umfassen die drei Nachhaltigkeitsaspekte Environment, Social und Governance (ESG), also Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung. Die CSR-Labels für transparentes ESG-Engagement hat der Software-Anbieter Morgen & Morgen bereits in sein Produkt M&M Office aufgenommen, mit dem Versicherungsmakler Tarife vergleichen können. Auch das ist laut Zielke „wichtig, damit Berater ihrer Pflicht nachkommen können, zu nachhaltigen Policen zu beraten“.

50 Versicherer berichten über Nachhaltigkeit

Grafik: Zielke Research Consult

Das diesjährige CSR-Ranking umfasst 50 Versicherer. 37 von ihnen erhalten in diesem Jahr eines von drei unterschiedlichen Auszeichnungen, um gegenüber ihren Kunden Transparenz in Sachen Nachhaltigkeit unter Beweis zu stellen. Jeweils 14 Gesellschaften erhalten aktuell das Gold- beziehungsweise Silber-Label und neun das Bronze-Label. Aktueller Spitzenreiter ist dem Test zufolge die Axa mit 3,55 Punkten, dicht gefolgt von der Basler Versicherung mit 3,50 Punkten. „Wir konnten bei unserer Auswertung einen spannenden Wettbewerb unter den Versicherern beobachten“, berichtet Zielke. „Das zeigt uns ebenfalls, dass die Versicherungsbranche ihren Handlungsbedarf begriffen hat und verantwortungsvoll in die Hand nimmt.

Grafik: Zielke Research Consult

Labels für transparente Nachhaltigkeitsberichte

Die Vergabe folgender CSR-Labels basiert auf der Gesamtpunktzahl des jeweiligen Versicherers. Ein goldenes Label gibt es für mehr als 2,50 Punkte, ein silbernes für 1,50 bis 2,49 Punkte und ein bronzenes für 0,50 bis 1,49 Gesamtpunkte. Die Versicherer Axa und Basler machten demnach zuletzt besonders große Sprünge nach vorne.

Grafik: Zielke Research Consult

Vom letzten auf den zweiten Platz verbessert

Für den zur Schweizer Baloise Gruppe gehörenden Vize-Sieger aus Bad Homburg ist das jährliche Rating eine willkommene Gelegenheit, sich beim Thema Nachhaltigkeit auf die Probe zu stellen. „Wir sind dankbar für die Hinweise aus der vorangegangenen Auswertung, die uns aufgezeigt haben, wo wir sehr wirkungsvoll mit gezielten Maßnahmen ansetzen konnten“, kommentiert Basler-Chef Jürg Schiltknecht das diesjährige Ergebnis. „Wir konnten das Jahr 2020 optimal nutzen und uns trotz verschärfter Kriterien vom letzten auf den zweiten Platz verbessern.“ Dazu nutzte der Versicherer nach eigenen Angaben „eine Vielzahl sehr gezielter Maßnahmen und transparente Berichterstattung“.

Jürg Schiltknecht, Basler

Konkret stellte die Basler im Bereich Umwelt vollständig auf Ökostrom um, installierte eine Fotovoltaikanlage und startete eine Jobrad-Initiative. Für die Kapitalanlage gilt nun eine neue Firmenpolitik für verantwortungsvolle Investments und die Vertriebsmitarbeiter wurden zu zertifizierten ESG-Beratern weitergebildet. Im Bereich Soziales stieg unter anderem der Frauenanteil in Führungspositionen. Außerdem würdigten die Tester das soziale Engagement, das Gesundheitsmanagement und die Mitarbeiterorientierung der Basler während der Corona-Pandemie. Im Bereich Unternehmensführung punktete der Versicherer mit seinen Nachhaltigkeits- und Solvency-Berichten sowie mit einem ESG-Board und einem Nachhaltigkeitsbeauftragten.

Nachhaltigkeit wird immer mehr zum Thema

Bereits in 92 Prozent der untersuchten Versicherungsunternehmen gibt es einen Nachhaltigkeitsbeauftragten beziehungsweise eine Abteilung für Nachhaltigkeit, berichtet Zielke. Im Vorjahr waren es erst knapp drei Viertel. Und auch insgesamt stellen die Studienautoren einen „allgemeinen Trend zu mehr Nachhaltigkeit“ fest, insbesondere beim Vermindern des direkten CO2-Ausstoßes: „Greta hätte ihre Freude an den deutschen Versicherern“, sagt Zielke mit Blick auf die Proteste rund um die jüngste UN-Klimakonferenz in Glasgow. Nachholbedarf bestehe allerdings immer noch in der Kapitalanlage: „Es werden leider kaum ESG-Anlagestrategien genutzt, um einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft zu erzielen.“

Volker Schulz, Prisma Life

Als positive Ausnahme positioniert sich in dieser Hinsicht der auf fondsgebundene Vorsorgeprodukte fokussierte Anbieter Prisma Life. „Bei der Auswahl der Zielfonds suchen wir nach Produkten mit möglichst gutem ESG-Rating. Hierzu nutzen wir unter anderem entsprechende Daten der Rating-Agentur Morningstar“, erklärt Investment-Chef Volker Schulz. „Daneben verwenden wir MSCI-Software, um die Nachhaltigkeit unserer internen Kapitalanlagen zu bewerten. Aktuell haben wir unseren 170 Millionen Euro großen Deckungsstock zu bereits mehr als 36 Prozent auf ESG-Kriterien hin optimiert.“ Konkret setze man vorrangig auf Anleihen von Unternehmen und zu einem kleinen Teil auf Staatsanleihen guter Bonität.“

Kapitalmarkt-Investments für zinslose Welt

„Private Altersvorsorge funktioniert in unserer zinslosen Welt heute nicht mehr ohne Investments am Kapitalmarkt. Wir laufen diesem Trend jedoch nicht erst jetzt hinterher, sondern haben bereits 21 Jahre Erfahrung mit Fondspolicen. Diese Produkte wünschen sich auch sehr viele unserer Kunden, insbesondere in Kombination mit dem Anlagethema Nachhaltigkeit“, berichtet Holger Beitz, Vorstandschef bei Prisma Life. „Inzwischen bieten wir insgesamt 59 ESG-Investmentfonds an, mit denen Vorsorgesparer auf unterschiedliche Länder, Sektoren oder Währungen setzen können. Wir verwalten in diesen nachhaltigen Fondspolicen ein Volumen von 76 Millionen Euro von Anlegern, die heute etwa ein Fünftel unseres Kundenbestands ausmachen.“

Holger Beitz, Prisma Life

Der Lebensversicherer aus Liechtenstein ist in diesem Jahr ebenso wie Condor, die Bayerische, Ergo, und die Sparkassenversicherung Sachsen erstmals und freiwillig dabei. Die Achtplatzierten im Gesamt-Ranking haben sich aktuell von Zielke coachen lassen, was aber zu keinem Interessenkonflikt führe, betont Branchenanalyst Zielke. „Unser Beirat klopft mir sonst auf die Finger“, sagt er mit Hinweis auf ein neues Gremium, das sich Ende Oktober bei einer Videokonferenz gegründet hat. „Wir freuen uns, dass wir Fachleute aus so unterschiedlichen Bereichen wie dem Versicherungsrecht, der Versicherungspraxis und der Wasserwirtschaft, die besonders angesichts des Klimawandels auch für die Versicherungsbranche relevanter wird, gewinnen konnten.“

Auch für ein neues Siegel auf Produktebene beurteilen die Analysten von Zielke Research Consult und Morgen & Morgen unter anderem, inwiefern die Manager des Sicherungsvermögens eines Versicherers in nachhaltige Investments anlegen.

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