Ringelgänse vor einer Bohrplattform in der Nordsee Foto: imago images / blickwinkel

Sinkender Verbrauch

Vielleicht war’s das jetzt mit dem Öl

Bislang gingen Experten davon aus, dass die Öl-Nachfrage mindestens bis zum Jahr 2035 weiter steigt - eventuell sogar noch länger. Doch die Corona-Pandemie wirkt kurzfristig als Gamechanger. Die Flugzeuge blieben am Boden, die Autoverkäufe kollabierten und die Nachfrage nach dem fossilen Energieträger brach ein. Aufgrund überquellender Lager fiel der Ölpreis der Sorte WTI zwischenzeitlich sogar in den negativen Bereich.

Möglicherweise handelte es sich hierbei jedoch um zeitlich begrenzte Effekte. Zwar wird die Luftfahrtbranche noch Jahre brauchen, um das Vor-Corona-Niveau wieder zu erreichen. Die für die Ölnachfrage aber viel wichtigere Autobranche erholt sich aber schon wieder. Beispielsweise stiegen in Deutschland im September die Neuwagenverkäufe im Jahresvergleich um satte 8,4 Prozent. China, der größte Absatzmarkt für Autos weltweit, legt schon länger wieder zu. Allerdings könnten sich die durch die Pandemie verursachten Verhaltensänderungen auch längerfristig festsetzen, wie beispielsweise der Verzicht auf Flugreisen oder die Arbeit von zu Hause aus.

Nachfrage bereits rückläufig?

Es deutet einiges darauf hin, dass das Maximum des Ölkonsums bereits bald erreicht ist oder vielleicht sogar schon überschritten wurde. Die Internationale Energieagentur geht in ihren Szenarien davon aus, dass die Wachstumsära der weltweiten Ölnachfrage innerhalb der nächsten zehn Jahre zu Ende geht. Bei der Energieerzeugung sind Öl und Gas in verschiedenen Ländern schon länger auf dem Rückzug.

Auch beim zweiten großen Bereich der Ölnachfrage zeichnen sich Rückgänge ab: bei den Autos. In Europa gilt seit diesem Jahr eine Obergrenze für den Flottenausstoß von CO2 bei den Neuwagen. Wenn diese – vereinfacht ausgedrückt – mehr als 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer emittieren, werden ab dem kommenden Jahr empfindliche Geldbußen fällig. Auf den Verbrauch umgerechnet entsprechen die Obergrenzen maximal 4,1 Litern Benzin oder sogar nur 3,6 Litern Diesel auf 100 Kilometer. Bis 2030 sollen die Emissionen des Treibhausgases noch weiter rapide sinken.

Die Hersteller stehen also vor der Wahl, entweder den CO2-Ausstoß und damit den Benzin- und Diesel-Verbrauch ihrer Neuwagenflotten zum Beispiel durch den verstärkten Verkauf von Hybrid- und Elektro-Autos zu senken oder milliardenschwere Geldstrafen zu zahlen. Dazu drohen bei einem Überschreiten auch noch nachhaltige Reputationsschäden.

Jetzt erhöht die EU-Kommission auch bei der energetischen Sanierung von Gebäuden den Druck. Das macht durchaus Sinn, denn drei von vier bereits bestehenden Gebäuden gelten in Europa als ineffizient. Jetzt will die EU eine „massive Renovierungswelle“ in Gang setzen. Dafür gibt es verschiedene Fördermaßen. Auch hier sind in den kommenden Jahren spürbare Einspar-Effekte zu erwarten, die sich in einer entsprechend niedrigeren Ölnachfrage niederschlagen dürften.

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