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Vier Fonds, vier Philosophien

Vier Fonds, vier Philosophien
Mit seinen hektischen Kursbewegungen ist der Carlson Asian Small Cap alles andere als ein Witwen-und-Waisen-Fonds. Angesichts seines Anlageschwerpunkts verwundert das deutlich ausgeprägtere Auf und Ab als beim Vergleichsindex MSCI Asia Pacific ex Japan nicht sonderlich: Fondsmanagerin Anna Ho investiert ausschließlich in Aktien aus der zweiten Reihe – und dies mit im Schnitt rund 40 bis 50 Aktien sehr konzentriert.

„Ein weiterer Faktor für die enorme Schwankungsbreite des Fonds ist die generelle Vorliebe der Managerin für Hongkong und China, die zu den schwankungsstärksten Märkten überhaupt gehören“, kommentiert Alexander Ehmann von der Rating-Agentur Morningstar. Die Entwicklung der vergangenen Monate bestätigt dies: Die drastischen Kurseinbrüche auf beiden Märkten ließen Hos dort mit insgesamt 76 Prozent gewichteten Fonds in tiefrote Zahlen abrutschen. Seit Jahresbeginn verlor der Asien-Klassiker über 30 Prozent, während der Vergleichsindex um rund 10 Prozentpunkte weniger einbrach.

Carlson und Invesco investieren themenorientiert

Langfristig wurden Anleger bisher jedoch für ihren Mut belohnt. Während der MSCI Pacific ex Japan etwa in den vergangenen zehn Jahren um 154,6 Prozent zulegte, konnte die Managerin der Carlson-Muttergesellschaft DNB Nor Asset Management den Einsatz fast versechsfachen (siehe Tabelle auf Seite 28). Dennoch kann sich Ehmann nicht für den Fonds erwärmen: „Die Managerin muss jetzt beweisen, dass sie die aktuelle Schwäche schnell wieder wettmachen kann.“ Der Morningstar-Mann begründet seine Skepsis damit, dass es aus Liquiditätsgründen schwierig sei, sich von einigen Aktien zu trennen.
Trotz der im laufenden Jahr verheerenden Bilanz ihres Fonds sieht Ho keinen Bedarf, die regionalen Schwerpunkte rigide zu verändern: „Für unser aktuelles Kernthema Umwelttechnologie finden sich in diesen Ländern die besten Investmentideen“, unterstreicht die Fondsmanagerin, die weitere 20 Prozent des Portfolios in Indien investiert hat und Singapur aktuell mit 5 Prozent beimischt.

Während Ho je nach Marktentwicklung den Schwerpunkt des Fonds ändern kann, konzentriert sich ihre Konkurrentin Maggie Lee grundsätzlich auf Investments rund um den Infrastruktursektor. Mit durchschlagendem Erfolg: So war der erst im März 2006 aufgelegte Invesco Asia Infrastructure der Verkaufsschlager der Vergleichsgruppe im Jahr 2007. Er sammelte netto 634 Millionen Euro bei deutschen Anlegern ein.

Bei Fondsanalysten findet der Anlegerliebling indes wenig Gnade. „Wir halten nicht viel von Themenfonds, da sie meist zu spät auf den Markt kommen, wenn die entsprechenden Trends schon weitgehend eingepreist sind“, sagt etwa Thomas Portig, Leiter des Fonds-Analyseteams bei H.C.M. Capital Management. Diese Ansicht teilt auch Ehmanns Kollege Werner Hedrich. „Fondsmanager, die einen guten Job machen, spielen aussichtsreiche Themen ohnehin“, ergänzt der Research-Leiter von Morningstar Deutschland.

Den häufig bei Themenfonds vorgebrachten Vorwurf, es handele sich nur um ein Modethema, weist Infrastruktur-Fan Lee strikt von sich: „Allein China kalkuliert im aktuellen Fünf-Jahres-Plan bis 2010 mit Infrastrukturausgaben in Höhe von 1,2 Billionen Dollar.“

Zusammen mit Chandrashekhar Sambhshivan bestückt Lee das Portfolio aus einen Universum von rund 3.000 Aktien. Anders als Ho streuen die Invesco-Manager breiter über aktuell rund 100 Aktien aus neun Ländern, darunter auch Korea und Australien. Auf Jahressicht erzielten sie damit ein Plus von 3,3 Prozent, während der MSCI Asia Pacific ex Japan nur 0,9 Prozent zulegte.

Lee: „Unsere Energie-Engagements in Indien haben sich sehr gut entwickelt, ebenso Investments in chinesische Hafenbetreiber.“ Vom unterdurchschnittlichen Abschneiden seit Jahresbeginn lässt sie sich ebenso wenig beunruhigen wie Ho: „Auf lange Sicht sind die Aussichten für Unternehmen aus dem Infrastruktursektor angesichts des enormen Investi­tionsbedarfs hervorragend.“

Fidelity und Templeton: Bottom up

Für Allan Liu ist der Bereich Infrastruktur dagegen nur eines von fünf großen Themen in der Region. „Wir sehen auch für die Bereiche Konsumausgaben, Stahlproduktion, Börsen und Rohstoffe großes Potenzial“, sagt der Manager des Fidelity South East Asia. Im Gegensatz zu Lee und Ho managt er den Fonds ohne Rücksicht auf spezielle Investmentthemen: „Dabei konzentriere ich mich ausschließlich auf Unternehmensdaten, im Vordergrund stehen dabei die Entwicklung von Cashflow und Gewinnwachstum“, so Liu. Im Schnitt analysiert Liu diese Daten rund zwei Jahre lang, bevor er sich zum Kauf der jeweiligen Aktie entschließt: „In dieser Zeitspanne lässt sich sehr gut studieren, wie sich das Unternehmen in verschiedenen Marktphasen behauptet.“

Liu beobachtet im Schnitt rund 700 Standardwerte der Region, etwa 200 hält er im Fonds. Auf Branchenebene dominieren mit etwa der Hälfte des Portfolios derzeit die Bereiche Finanzen, Informationstechnologie, Industrie, Konsum und Telekommunikation.

Bislang fuhr der Fidelity-Manager mit seinem breit aufgestellten Portfolio sehr gut. „Als zuverlässige Renditequelle haben sich in den vergangenen Jahren unter anderem chinesische Schiffbauer erwiesen“, kommentiert Liu. Lediglich im Zehn-Jahres-Vergleich bleibt der Fonds hinter dem Index zurück.

Ebenfalls erfreulich entwickelt hat sich  der Templeton Asian Growth, mit einem Volumen von mehr als 4,7 Milliarden Euro das Schwergewicht seiner Vergleichsgruppe. So legte er in den vergangenen zwölf Monaten um 3,6 Prozent zu und entwickelte sich damit besser als die drei Konkurrenten.

„Einer der Haupt-Performancetreiber war die hohe Gewichtung von Energiewerten und Rohstoffen, in die gegenwärtig rund die Hälfte des Portfolios investiert ist“, sagt Fondsmanager und Schwellenländer-Pionier Mark Mobius. Neben Liu verfolgt auch er einen rein einzeltitelorientierten Ansatz und bevorzugt statt historischer Kennziffern zukunftsorientierte Faktoren wie die Gewinnerwartungen.Wie beim Templeton Growth stehen trotz des Namenszusatzes nicht Wachstums- (Growth), sondern Substanzwerte (Value) im Vordergrund.

Um einen Vergleichsindex schert sich Mobius wie bei seinen anderen Schwellenländerfonds kaum: So gewichtet er beispielsweise Thailand, das im Index einen sehr niedrigen Anteil hat, mit mehr als 25 Prozent. „Die thailän-dische Wirtschaft hat seit der asiatischen Wirtschaftskrise, dem Tsunami und dem Militärcoup eine drastische Wende vollzogen“, erläutert Mobius. Allerdings: In den Portfolios der Fonds von Invesco, Fidelity und Carlson bleiben thailändische Aktien dagegen gegenwärtig weitgehend außen vor.

Analysten raten zur Beimischung von Asienfonds

So unterschiedlich die Fonds auch gemanagt werden – hinsichtlich der langfristigen Perspektiven für ihre Anlageregion sind die Manager überwiegend einer Meinung. „Obwohl sie von der Asiatischen Entwicklungsbank für 2008 nach unten korrigiert wurden, sind die Wachstumsprognosen mit 7,6 Prozent von einem Rückgang weit entfernt“, betont etwa Mobius.
Auf kürzere Sicht gibt sich Fidelity-Manager Liu dagegen vorsichtiger: „Asien ist noch nicht unabhängig von der Entwicklung der Wirtschaft in den USA und Europa“, gibt er zu bedenken. Längerfristig traut er der Region aber zu, stürmische Zeiten unbeschadet zu überstehen.

Auch Fondsanalysten heben den Daumen für Asien: „Es handelt sich um die Wachstumsregion schlechthin, die Anleger ihrem Depot je nach Risikoneigung mit 10 bis 25 Prozent beimischen sollten“, sagt H.C.M.-Analyst Portig. Er rät vorsichtigeren Gemütern zum Templeton-Klassiker – wer etwas mehr Mut aufbringe, sei mit dem aggressiver gemanagten Fidelity South East Asia gut bedient.

Beide Fonds lassen sich Portig zufolge auch sehr gut kombinieren. Wer es deutlich sportlicher möge, könne sein Depot zusätzlich mit dem Carlson Asian Small Cap würzen. „Angesichts der enormen Schwankungen eignet sich dieser Fonds allerdings keinesfalls als Basisinvestment für die Region“, betont der H.C.M.-Mann.

Claudia Lindenberg