Fondsmanager Cormac Weldon: „Wir suchen auch nach Nutznießern der Pandemiekrise.“ | © Johannes Arlt Foto: Johannes Arlt

Vier Fragen an Cormac Weldon

„Die Menschen waren auf Home Entertainment angewiesen“

Wenn man sich ansieht, welche Fonds für US-Aktien über fünf Jahre vorn mitmischen, trifft man bei den Nebenwerten einen alten Bekannten. Cormac Weldon, US-Aktienchef in der Londoner Investment-Boutique Artemis, liegt mit seinem Artemis US Smaller Companies (ISIN: LU1901908894) mit 68 Prozent Gewinn auf dem dritten Platz (Stand: 19. August 2020). Also haben wir ihn befragt, was geholfen hat und wie er auf die kommende US-Wahl blickt.

DAS INVESTMENT: Sie haben über fünf Jahre die meisten Konkurrenten hinter sich gelassen. Was hat geholfen?

Cormac Weldon: Wir wählen 50 bis 60 Aktien aus, von denen wir glauben, dass sie den Markt übertreffen. Wir verfolgen einen stilunabhängigen Ansatz und sind daher nicht an Value oder Growth gebunden. Unser Portfolio war aber in den letzten fünf Jahren eher wachstumsorientiert. Das hat uns geholfen, weil der Markt in diesem Zeitraum stark von Wachstumsaktien angeführt wurde.

In einem unserer früheren Interviews zeigten Sie sich von Videospiel-Aktien begeistert. Ist das noch so?

Weldon: Uns hatte daran gefallen, dass die Unternehmen ihren Umsatz und ihre Rentabilität viel schneller steigern konnten, weil sie ihr Geschäftsmodell änderten: nämlich in die Richtung, dass man Spiele herunterladen und im Spiel einkaufen kann. Nachdem wir vor einigen Jahren mit diesen Aktien Gewinne erzielt hatten, verkauften wir und waren für eine Weile nicht mehr in der Branche investiert. Anfang dieses Jahres sind wir wieder eingestiefen, da die Branche vom Lockdown profitierte. Die Menschen waren auf Home Entertainment angewiesen.

Was ist aktuell das wichtigste Thema im Portfolio?

Weldon: Unser Ziel ist zurzeit ein ausgewogenes Portfolio, das Unternehmen höherer Qualität, also mit starken Bilanzen und robusten Geschäftsmodellen, und Unternehmen umfasst, die von der wirtschaftlichen Erholung profitieren werden. Wir sind wahrscheinlich vorsichtiger als einige andere, da wir keine direkte Erholung erwarten, sondern eher einen zerfahrenen Weg.

Wir suchen auch nach Nutznießern der Pandemiekrise, die viele bereits bestehende Trends wie Online-Handel und Online-Dienste beschleunigt hat. Wir haben auch in einige weniger offensichtliche Profiteure investiert. Beispielsweise stieg bei Fidelity National Information Services die Nachfrage nach IT- und Zahlungsinfrastruktur für Finanzdienstleistungsunternehmen.

Wie bereiten Sie sich auf die US-Wahl vor?

Weldon: Im Moment stehen die Chancen zugunsten von Joe Biden und wir könnten erleben, dass die Demokraten die Macht sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus haben. Obwohl wir das so zu Beginn des Jahres nicht erwartet hätten, sind wir der Ansicht, dass ein moderater demokratischer Sieger sich nicht mehr allzu sehr auf den Markt auswirken sollte.

Wir müssen aber auch darauf achten, wer das Finanzministerium übernimmt: Eine linksgerichtete Finanzministerin wie Elizabeth Warren, die eine strengere Regulierung versprochen hat, könnte sich negativ auf die Finanzbranche auswirken. Obwohl wir nicht für jedes Szenario Pläne haben, schauen wir uns die gefährdeten Branchen und Aktien genau an und berücksichtigen das politische Risiko.

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