Themen-Experte
Megatrends

Themen-Experte
Megatrends

Proteste in Thailand Foto: imago images / Kyodo News

Pictet AM zu möglichen Pandemiefolgen

Vier Szenarien für die Zeit nach Corona

Die Covid-19-Pandemie stellt die Welt auf die härteste Probe seit mehr als 80 Jahren. Um die Folgen zu bewältigen, mussten sehr weitreichende moralische Entscheidungen getroffen werden – nicht nur von Regierungen und Unternehmen, sondern auch von Städten und Gemeinden sowie in den einzelnen Familien. Covid-19 ist eine Zäsur für Wirtschaft und Gesellschaft, mit Folgen, die weit in die Zukunft reichen.

Pandemien, die in der Vergangenheit die Welt heimsuchten, haben gezeigt: Krisen, die die öffentliche Gesundheit gefährden, wirken in hohem Maße disruptiv. Ihre wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und geopolitischen Auswirkungen sind zumeist über viele Jahre hinweg spürbar. Zusammen mit dem Copenhagen Institute for Futures Studies haben wir eine Studie durchgeführt, um Hinweise zu erhalten, wie sich die Investmentlandschaft in den nächsten fünf bis zehn Jahren entwickeln könnte. Aus diesen Einschätzungen lassen sich vier Szenarien für Investoren ableiten, die im weiteren Verlauf der Covid-19-Pandemie denkbar sind.

Wir gehen davon aus, dass die folgenden Szenarien eine gute Ausgangsbasis für die langfristige Planung und strategische Asset-Allokation sind.

Szenario A: Lokal handeln, global denken

Die Bürger gehen mit einem neuen Gesellschaftsverständnis aus der Gesundheitskrise hervor – sie erkennen, dass die von der Krise befeuerte Ungleichheit nur durch gemeinsames Handeln abgefedert werden kann. Regierungen rund um die Welt führen Maßnahmen zum Schutz der nationalen Industrien sowie des geistigen Eigentums ein. In diesem Szenario kommt die globale Wertschöpfung in Industrie und Handel unter Druck, da der zunehmende Protektionismus die internationale Zusammenarbeit hemmt. Auf der anderen Seite blüht die Rückbesinnung auf das Lokale auf, weil heimische Industrien mit ihren Produkten und Dienstleistungen zunehmend in der Lage sind, die sich ändernden Bedürfnisse der Verbraucher zu bedienen.

Allerdings schränkt das Fehlen echter globaler Standards die Einführung neuer Technologien der nächsten Generation (Industry 4.0) ein. Technologisch fortgeschrittene Nationen, die in der Lage sind, ihre Produktion (Beschaffung, Lieferketten, Arbeitsplätze) mit Hilfe von Automatisierungstechnologien ins eigene Land zu verlagern, schaffen es, ihre Kosten zu senken. In der gesamten Privatwirtschaft werden erhebliche Investitionen in die industrielle Automatisierung getätigt, wodurch arbeitsintensive Arbeitsplätze abgebaut werden und die Arbeitslosigkeit sprunghaft ansteigt.  

Szenario B: Alle an einem Strang

Die Welt erholt sich von den Pandemiefolgen dank gestärkter zwischenstaatlicher Solidarität. Regierungen und Bürger auf der ganzen Welt einigen sich auf eine gemeinsame Vision für eine integrativere und nachhaltigere Wirtschaft und arbeiten zusammen, um dieses Ziel zu erreichen. Die Welt wandelt sich von einem weitgehend unipolaren, von den USA gelenkten Wirtschaftsraum zu einer multipolaren Welt, in der Nationalstaaten und internationale Organisationen enger zusammenarbeiten, um tief verwurzelte gesellschaftliche Probleme und den Klimawandel anzugehen. In diesem Szenario stärken die Regierungen die Arbeitnehmer und erhöhen die Investitionen in Umwelttechnologie und erneuerbare Energien.

Solche Maßnahmen sind jedoch mit gewaltigen Kosten verbunden. Die Raten des Wirtschaftswachstums fallen unter den langfristigen Trend, da eine strengere Regulierung und höhere Unternehmenssteuersätze Innovation und Wettbewerb unter Druck bringen.

Aber: Die Qualität der Infrastruktur und die Geschwindigkeit der Übernahme bestehender Technologien sind insgesamt höher als vor der Pandemie, insbesondere in den Schwellenländern. Dies trägt dazu bei, das Entwicklungsgefälle zwischen aufstrebenden und entwickelten Volkswirtschaften zu verringern.

Mehr zum Thema