Volatilität zeigt keine Anzeichen von Panik

Der Bondmarkt ist für US-Zinserhöhung gerüstet

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Nahezu alle Indikatoren deuten darauf hin, dass eine Zinsanhebung bei der Fed-Tagung nächste Woche nur geringe Verwerfungen am Markt für Staatsanleihen auslösen würde. Die Signale der Fed haben den Markt veranlasst, ein außergewöhnlich langsames Tempo bei der geldpolitischen Straffung zu erwarten. Die Volatilitäts-Messgrößen zeigen keine Anzeichen für Panik, und die Terminkontrakte deuten an, dass die Leitzinsen im Zaum bleiben werden. Die Renditedifferenz zwischen dem kurzen und dem langen Ende der Kurve senden positive Signale für die Konjunktur. Grünes Licht vom Treasuries-Markt ist entscheidend um zu verhindern, dass höhere Zinsen die von der Fed geförderte Erholung abwürgen. Und ein entschlossener Schritt der US- Notenbank könnte bei den Anlegern sogar die Zuversicht für den Wachstumsausblick stärken. „Die Anleihemärkte haben eine Menge eingepreist und jetzt ist es an der Zeit, dass die Fed dies ausnutzt“, sagt Peter Tchir, Leiter Makro-Anleihestrategie in New York bei Brean Capital. Die Rendite der zehnjährigen Treasuries lag am Dienstag mit 2,14 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre von 3,17 Prozent. Terminkontrakte deuten auf einen langsamen Renditeanstieg auf 2,38 Prozent in einem Jahr hin, das Niveau von 3 Prozent soll erst in rund einem Jahrzehnt erreicht werden. Für Vermögensverwalter, denen ein Ende des seit 25 Jahren anhaltenden „Bullenmarktes“ für Bonds Sorgen macht, ist diese Aussicht beruhigend. „Die zehnjährigen Treasuries sind in einer sehr komfortablen Lage. Die Terminkontrakte zeigen, dass sogar eine Zinsanhebung der Fed die Renditen nicht deutlich nach oben treiben wird“, führte Tchir aus. „Wenn wir die erste Zinsanhebung erst einmal hinter uns haben und sehen, dass die Konjunktur trotzdem läuft, wird dies die Sorgen beiseiteschieben.“ Die Bondanleger haben viel Zeit gehabt, sich an den Gedanken steigender Zinsen zu gewöhnen. Bereits im März deutete die Fed die Möglichkeit einer Zinsanhebung 2015 an. Zwischenzeitlich erklärten die Währungshüter, sie wollten vor dem Jahresende aktiv werden - eine anhaltende Besserung am Arbeitsmarkt vorausgesetzt. Nachdem die Arbeitslosenquote auf ein Siebenjahrestief gesunken ist, preisen Futures eine Wahrscheinlichkeit von 28 Prozent für eine Anhebung im laufenden Monat ein und von 57 Prozent für eine Zinserhöhung bis zum Jahresende. Die nächste Zinsentscheidung der Fed steht am 17. September an. Selbst wenn die Fed an der Zinsschraube dreht, könnten Kommunikationsinstrumente wie die Schätzungen der Notenbank für die künftige Entwicklung der Zinsen und die von Yellen geleitete Pressekonferenz die Nerven beruhigen. „Es geht nicht nur um den Zinsentscheid an sich, sondern auch um die Erklärung“, sagt Christoph Kind, Leiter Anlageallokation bei Frankfurt Trust in Frankfurt. Wenn „die Fed klar macht, dass es noch viel Zeit bis zur nächsten Erhöhung gibt, dann könnte dies etwas Erleichterung bringen und das wäre eine gute Nachricht.“ Um die Bondhändler auf ihrer Seite zu halten, muss die Fed sie wahrscheinlich überzeugen, dass das aktuelle Umfeld eher dem des Straffungszyklus’ von 2004 ähnelt als dem von 1994. Nachdem die Fed 2004 die Zinsen zunächst auf 1,25 Prozent anhob, gab es anschließen 17 Erhöhungen um je einen viertel Prozentpunkt bis auf 5,25 Prozent im Jahr 2006. Nicht zuletzt aufgrund der Transparenz bei den Fed-Entscheidungen kamen festverzinsliche Wertpapiere dennoch in den Jahren 2004 bis 2006 auf positive Jahreserträge. Dagegen verlor der Bank of America Merrill Lynch U.S. Broad Market Anleiheindex 1994 2,75 Prozent und verzeichnete das schlechteste Jahr seiner Geschichte. Der damalige Fed- Vorsitzende Alan Greenspan hatte die Investoren kalt erwischt, als er die Leitzinsen fast verdoppelte. Irgendwann muss die Fed jedoch Farbe bekennen, und sie sollte dies nicht zu spät tun, warnen Analysten. „Jedes Mal, wenn die Fed einen Straffungszyklus beginnt, gibt es sehr gute Argumente dagegen“, erläutert Omer Esiner, Chef-Marktanalyst bei dem Devisenbroker Commonwealth Foreign Exchange in Washington. „Wenn sie warten, bis alle Signale eine Zinserhöhung fordern, dann haben sie die Gelegenheit verpasst und es ist schon zu spät.“

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