Volker Priebe, Allianz Leben

Volker Priebe, Allianz Leben

Volker Priebe: "Andere Versicherer werden auch kostentransparenter"

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DAS INVESTMENT.com: Wie ist Ihre Transparenzinitiative im Markt aufgenommen worden?

Volker Priebe: Die Rückmeldungen unserer Vermittler und aus dem Markt sind sehr positiv. Alle Vermittler, ob gebunden oder nicht, können mit der Kostentransparenz punkten. Vor allem dann, wenn der Kunde sagt, ihm seien die Kosten besonders wichtig. Mit dieser Kennziffer können nun unsere Produkte zum Beispiel mit Riesterprodukten der DWS oder mit anderen Rentenversicherungen, die diese Kennziffer nutzen, bestens verglichen werden.

DAS INVESTMENT.com: Wieso erwähnen Sie ausgerechnet die DWS?

Priebe: Da die DWS bei Riesterprodukten ebenfalls die Gesamtkostenquote ausweist. Für alle Vermittler und Kunden sind zwei Dinge klar: Es kommt nicht nur auf die Kostenquote an. Die Gesamtkostenquote kann nur im Gesamtkontext mit einer Wertentwicklung vor Kosten richtig interpretiert werden. Mein Lieblingsbeispiel ist hier der Banksparplan. Zwar nennt er die Kosten, aber die Wertentwicklung vor Kosten und damit auch die Wertentwicklung nach Kosten sind niedriger als bei vergleichbaren Produkten.

Mit den Neuerungen können wir unsere Beratungskompetenz noch stärker unter Beweis stellen. Trotzdem konzentrieren wir uns in der Beratung nicht alleine auf die Kostenfrage. Denn wenn der Kunde sich für ein Produkt entscheidet, spielt diese Frage eine untergeordnete Rolle. Es gibt viele andere Aspekte: Welche Garantien habe ich, wie viel Flexibilität habe ich und welche Finanzstärke hat das Versicherungsunternehmen. Ein reiner Kostenverkauf ist der falsche Weg, weil er im Zweifel den Kunden gar nicht interessiert.

DAS INVESTMENT.com: Haben Sie ein Beispiel?

Priebe: Unser klassisches Altersvorsorgeprodukt gegen laufenden Beitrag mit einer Laufzeit von 30 Jahren hat eine Gesamtkostenquote von 1,1 Prozent. Bei den klassischen Produkten liegt die Wertentwicklung des Produktes vor Kosten bei 4,7 Prozent. Unterm Strich bleiben 3,6 Prozent. Damit können wir auch der Kritik mancher Verbraucherschützer entgegen, die Kosten würden die Rendite auffressen. Wir waren bereits vor der Transparenzinitiative entspannt, aber nun können wir es mit Zahlen belegen.

DAS INVESTMENT.com: Warum sind viele andere Versicherer Ihrem Beispiel bisher nicht gefolgt?
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Priebe: Die Gesamtkostenquote basiert auf einer Initiative des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft, GDV. Das heißt der GDV empfiehlt die Einführung dieser neuen Kennziffer. Neben der Allianz sind auch andere Anbieter wie Volkswohl Bund und Ergo auf diesen Zug aufgesprungen. Andere sind zwar zum Teil gerade mit anderen Themen beschäftigt (Solvency II, Unisex-Tarife, Anm. d. Red.). Aber auch sie werden sich dem Thema Kostentransparenz annehmen, da bin ich mir sicher. Damit würden wir ein klares Signal an die Politik und die Verbraucherschützer senden: Wir zeigen, dass sich die Branche auf Transparenzstandards einigen kann.

DAS INVESTMENT.com: Auf der DKM wurde die Frage diskutiert, ob der Assekuranz düstere Zeiten bevorstehen. Man denke an die Absenkung des Garantiezinses, Solvency II, Priebe: Der Garantiezins ist nur ein Teil der Leistung, die eine Lebensversicherung bietet. Aber auch wenn der Garantiezins ab Januar 1,75 Prozent beträgt, ist es trotzdem eine lebenslange Garantie und zwar unabhängig von diesen turbulenten Kapitalmärkten. Außerdem kommt zur Garantie die Überschussbeteiligung hinzu. Entscheidend für den Kunden ist die gesamte Ablaufleistung. Die Renditen der Lebensversicherung lagen in der Vergangenheit deutlich über Kapitalmarktzins und Inflation.

Wir müssen uns auf 20- oder 30-jährige Sicht im Vergleich zu anderen Anlagen nicht verstecken. Darüber hinaus bieten wir unseren Kunden eine biometrische Absicherung – die Absicherung der Langlebigkeit sowie gegen Tod, Berufsunfähigkeit und Pflege –, wie Sie sie nur bei der Lebensversicherung erhalten können. Bei Solvency II wird es darauf ankommen, wie stark ein Lebensversicherer ist. Aber das ist auch bereits unter Solvency I der Fall.

DAS INVESTMENT.com: Wegen der schrumpfenden Margen setzen die Lebensversicherer mehr auf andere Produkte wie Berufsunfähigkeit, private Krankenversicherungen oder Einmalbeiträge. Wird die Rechnung aufgehen? Priebe: Die Produkte, die Sie genannt haben, sind keine Kompensationsprodukte zur Lebensversicherung. Der zentrale Punkt für uns ist, dass der Verkauf dieser Versicherungen vom Vorsorgebedarf des Kunden ausgeht. Zu den Einmalbeiträgen: Sie sind wichtig. Denn wenn ich mit 60 sage, ich möchte jetzt 100.000 Euro investieren, um eine lebenslange Rente zu bekommen, entspricht das einer biometrischen Absicherung. Nicht jede Anlage eines Einmalbeitrags dient der kurzfristigen Geldanlage. Vielmehr geht es auch dort um die Abstimmung einer lebenslangen Garantie. Wir bieten etwas an, was kein Fondssparplan leisten kann: eine lebenslange Garantie.  

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