Volksbank Düsseldorf Neuss: Razzia wegen Betrug und Untreue
Skandal bei Volksbank Düsseldorf NeussRazziawegenBetrug, Urkundenfälschung undUntreue
Die Volksbank Düsseldorf Neuss kommt weiter nicht zur Ruhe. Die Bank ist in einen 100 Millionen Euro schweren Betrugsfall verwickelt und erlebte nun eine Razzia.
Alles ganz schön undurchsichtig: Bei der Volksbank Düsseldorf Neuss hat ein 100-Millionen-Euro-Betrugsfall die Vorstände ihren Job gekostet.| Bildquelle: Volksbank Düsseldorf Neuss / Bearbeitung von DAS INVESTMENT
Der Skandal um den spektakulären 100-Millionen-Euro-Betrugsfall bei der Volksbank Düsseldorf Neuss hat zu Razzien in Geschäftsräumen und Privatwohnungen geführt. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf bestätigte entsprechende Medienberichte.
An der Razzia sollen 20 Polizisten beteiligt gewesen sein. Diese hätten zahlreiche Unterlagen, Speichermedien und Daten beschlagnahmt. Ob sich unter den durchsuchten Privatwohnungen die der abgetretenen Vorstände Rainer Mellis und Jessica Jüntgen befinden, wurde nicht kommentiert.
Die Bank schrieb auf ihrer Website, dass „Räumlichkeiten der Volksbank Düsseldorf Neuss eG, darunter die Hauptstelle an der Königsallee, durchsucht“ worden seien.
Sie betonte aber, „dass sich die Ermittlungen nicht gegen die Volksbank Düsseldorf Neuss eG selbst richten. Die Durchsuchungen betreffen die Bank lediglich als Dritte.“
Skandal bei Volksbank Düsseldorf Neuss – was bisher geschah
Im Mai 2023 soll die Finanzverantwortliche des französischen Modekonzerns Kiabi, Aurélie Bard, ein Konto bei der Volksbank Düsseldorf Neuss eingerichtet haben. Zunächst hieß es, sie habe den Vorwand einer Festgeldanlage genutzt, um am 6. Juni 2023 100 Millionen Euro auf das neue Konto zu überweisen.
Eine Woche später, am 13. Juni 2023, schaffte es die Beschuldigte, das Geld von der Volksbank Düsseldorf Neuss – ohne ausreichende Prüfung – auf ein Konto der türkischen Nurol Bank transferieren zu lassen. Das Geld verschwand auf wundersame Weise, das Konto wurde kurz darauf geschlossen.
Für die Transaktion soll die Volksbank Düsseldorf Neuss rund 300.000 Euro Gebühren kassiert haben.
Bis Anfang Dezember hieß es, der Vorstand der Bank selbst habe keine Vorstandsfreigabe erteilt. „Der Vorstand greift nicht in operative Vorgänge ein“, erklärte die Bank noch im Oktober.
Volksbank Düsseldorf Neuss soll Warnungen ignoriert haben
Einem Handelsblatt-Artikel zufolge soll die Volksbank Düsseldorf Neuss vom Governance-Dienstleister DZ Compliance Partner früh vor der verhängnisvollen Geschäftsbeziehung mit dem französischen Modekonzern Kiabi gewarnt worden sein.
Die Spezialisten sollen laut dem Bericht argwöhnisch gewesen sein, weshalb ein französisches Unternehmen ein Konto bei einer Volksbank eröffnen wolle.
Das Handelsblatt zitiert eine mit dem Sachverhalt vertraute Person, dass der Vorstand von vornherein wusste, „dass das Konto in Düsseldorf nur als Zwischenstation auf dem Weg in die Türkei dienen sollte“.
Angeblich soll der Bankvorstand den Angaben der Betrügerin geglaubt haben, der Modekonzern wolle den Umweg über Deutschland deshalb nehmen, weil es politische Spannungen im französisch-türkischen Zahlungsverkehr gäbe.
Für die Überweisung der 100 Millionen Euro in die Türkei nutzte die Betrügerin (siehe unten) offenbar eine gefälschte E-Mail-Domain „@kiabiworldwidetreasury.com“. Sie soll dafür die Unterschrift der Kiabi-Chefin Elisabeth Cunin gefälscht haben.
Medienberichten zufolge soll es eine Geldwäsche-Verdachtsanzeige an die Financial Intelligence Unit (FIU) durch die DZ Compliance Partner gegeben haben. Allerdings erst, nachdem Rückfragen zu der Transaktion aus der Türkei kamen.
Das Geld verschwand vom türkischen Konto spurlos.
Der Betrug soll erst aufgeflogen sein, als Kiabi im Sommer 2024 das Geld von der Volksbank Düsseldorf Neuss zurückforderte.
Wer ist die Millionen-Betrügerin Aurélie Bard?
Aurélie Bard, die mutmaßliche Täterin, soll zum Zeitpunkt des Vorfalls bereits unter Bewährung gestanden haben. Sie hatte bei ihrem vorherigen Arbeitgeber, der Wirtschaftshochschule Inseec, bereits 760.000 Euro veruntreut und wurde im Dezember 2018 gefeuert.
Über Umwege landete sie beim Modekonzern Kiabi, der offenbar nichts von der Vergangenheit seiner neuen Mitarbeiterin ahnte. Den Coup landete Aurélie Bard, als sie Kiabi überzeugte, 100 Millionen Euro in einen lukrativen Fonds zu investieren. Das Geld ging erst an die Volksbank Düsseldorf Neuss – und dann in die Türkei.
Als Aurélie Bard im Laufe des Jahres 2023 Kiabi verließ, ahnte dort offenbar niemand, dass die 100 Millionen Euro nicht in einem Fonds steckten – sondern offenbar das Luxusleben der Französin in Miami finanzierten.
Aurélie Bard, die sich auf der Website ihrer eigenen Firma als „visionäre Unternehmerin, die luxuriöses Wohnen neu definiert“ darstellt, „lebte auf der Überholspur“. So formuliert es blick.ch: Die 1985 in Bordeaux geborene Frau soll „süchtig nach Luxus“ gewesen sein und weit über ihre Verhältnissen gelebt haben.
Ihre Festnahme erfolgte Ende September 2024 nach der Landung eines Privatjets auf Korsika. Bard sitzt in Frankreich in Untersuchungshaft.
Kiabi hat seine ehemalige Buchhalterin wegen des Betrugsfalls in den USA verklagt.
Staatsanwaltschaft ermittelt, Vorstände treten ab
Für den 58-jährigen Rainer Mellis, der die Bank 20 Jahre im Vorstand und davon 13 Jahre als Vorstandschef führte, bedeutete der Skandal das abrupte Karriereende.
Dabei galt der gebürtige Düsseldorfer als Vorzeige-Banker: Seine Karriere startete er 1985 bei der Sparkasse Oberhausen, nach einer Management-Ausbildung bei der Citibank wechselte er 2002 als Generalbevollmächtigter zur Volksbank Düsseldorf Neuss.
Ursprünglich geholt, um das Institut zu sanieren, stieg er 2004 in den Vorstand auf. Noch im September 2023 wurde er einstimmig zum Präsidenten der Bankenvereinigung Düsseldorf gewählt – auch dieses Amt musste er niederlegen.
Nach Vorstandschef Rainer Mellis hatte auch Vorständin Jessica Jüntgen ihr Amt abgeben müssen.
Medienberichten zufolge soll der Aufsichtsrat der Volksbank Schadenersatzansprüche gegen Mellis, Jüntgen und Ex-Vorstand Klaus Reh (seit 2023 in Rente) prüfen lassen.
Bafin erhöht Druck: Horf und Arnoldi kommen
Mit der Entsendung der Sonderbeauftragten Michael Horf (51) und Heiner Arnoldi (61) zeigte die Finanzaufsicht Bafin, welche Bedeutung der Fall für sie hat.
Der 51 Jahre alte Horf bringt „mehr als 25 Jahre Bankenerfahrung“ mit, davon „allein rund 20 Jahre in verschiedenen Führungspositionen, unter anderem als Marktvorstand der ehemaligen Degussa Bank AG“, wie die Volksbank Düsseldorf Neuss in einer Pressemeldung mitteilt. Er übernimmt die Aufgaben eines Vorstandssprechers.
Der 61 Jahre alte Arnoldi soll sich vor allem um die Bereiche Risikocontrolling, Firmenkundenfinanzierung und Compliance kümmern. Der promovierte Diplom-Kaufmann war zuletzt Finanzvorstand bei Fleet Company, einer Tochtergesellschaft der VW Financial Services. Zuvor arbeitete er unter anderem fürs Deutsche Oppenheim Family Office, die West LB und die Deutsche Bank.
Nur Timo Zimmermann ist noch übrig
Als einziger aus der ursprünglichen Führungsriege verbleibt Timo Zimmermann, der erst zum 1. Januar 2024 zum Generalbevollmächtigten berufen wurde.
Der gelernte Bankkaufmann und Diplom-Kaufmann startete nach seiner Ausbildung bei der West LB und Stationen bei der DZ Bank und der heutigen Volksbank Köln Bonn im Februar 2015 als Prokurist bei der Volksbank Düsseldorf Neuss. Dort verantwortete er die Gesamtbanksteuerung und das Controlling.
Bei seiner Berufung lobte Aufsichtsratschef Theodor Leuchten den gebürtigen Neusser als „höchst kompetenten Manager“. Nun soll er gemeinsam mit Sonderbeauftragtem Horf die Bank „wieder in normale Fahrwasser führen“ – so formuliert es die Bank.
Fun Fact: Bei Linkedin hat Zimmermann bislang nur einen Beitrag mit einem „Gefällt mir“ versehen: Als Christian Gervais im Dezember 2024 zum Bafin-Sonderbeauftragten der „Effenberg-Bank“ (siehe unten) ernannt wurde.
Welche Konsequenzen hat der Betrug für die Volksbank?
Für das mittelgroße Genossenschaftsinstitut wäre der Fall existenzbedrohend, wenn es nicht Teil der genossenschaftlichen Finanzgruppe der Volksbanken Raiffeisenbanken wäre.
Mit einer Bilanzsumme von rund 2 Milliarden Euro, einem Eigenkapital von 110 Millionen Euro und einem Jahresüberschuss von lediglich 2,55 Millionen Euro im Jahr 2023 wäre eine vollständige Haftung für die verschwundenen 100 Millionen Euro kaum zu stemmen.
Die Volksbank Düsseldorf Neuss ist zwar kein Branchenriese, aber eine bedeutende Kraft in der Region. Das Institut betreut mit über 300 Mitarbeitern in 22 Filialen rund 25.000 Genossenschaftsmitglieder.
Bafin-Präsident Mark Branson kritisierte im Handelsblatt nach den jüngsten Skandalen (siehe unten) den genossenschaftlichen Bankensektor: „Einige der Banken sind nicht gut geführt worden und hatten kein gutes Risikomanagement.“
Die nun verschwundenen 100 Millionen Euro entsprechen etwa fünf Prozent der Bilanzsumme – eine Summe, die für eine Bank dieser Größenordnung durchaus bedrohlich sein kann. Mit einem Kundenkredit- und Einlagenvolumen von jeweils rund 1,35 Milliarden Euro versteht sich das Institut als klassische Regionalbank.
Die Bank hat bereits vorsorglich 30 Millionen Euro zurückgestellt und Garantien der genossenschaftlichen Sicherungseinrichtung erhalten. Ob die Volksbank Düsseldorf Neuss für das verschwundene Geld haften muss, ist bislang unklar.
Parallel zu den Maßnahmen der Bafin führt der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken „bereits auf eigene Initiative eine Sonderprüfung durch, um die Vorkehrungen der Volksbank Düsseldorf Neuss auf ihre Funktionsfähigkeit hin zu überprüfen“, teilte die Volksbank mit.
Der Fall der Volksbank Düsseldorf Neuss reiht sich ein in eine besorgniserregende Serie von Vorfällen im genossenschaftlichen Bankensektor. Allein in diesem Jahr musste der Bundesverband der Deutschen Volksbank und Raiffeisenbanken (BVR) bei drei Instituten mit dreistelligen Millionenbeträgen einspringen.
„Wir screenen alle der Sicherungseinrichtung angeschlossenen Banken stetig und proaktiv“, zitiert das Handelsblatt den BVR: „Wenn wir warnende Hinweise haben, gehen wir dem sofort nach.“
VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden – die „Effenberg-Bank“
Die Bafin-Intervention bei der Volksbank Düsseldorf Neuss ist erst der zweite Fall überhaupt, in dem die Finanzaufsicht einen Sonderbeauftragten in eine Volksbank entsendet. Der erste Fall betraf die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden – auch bekannt als die erwähnte „Effenberg-Bank“.
Dort investierte der ehemalige Chef Stefan Siebert in Bison-Weideflächen, Rotlichtimmobilien und eine Wasserquelle in der Mönchsrepublik Athos.
Die Kosten für den Bankenverband könnten bis zu 500 Millionen Euro betragen. Siebert musste erst Ende 2023 nach massivem Druck von Bafin und Verband seinen Posten räumen.
Volksbank Dortmund-Nordwest – Millionenverluste mit Immobilienfonds
Als „Musterschüler“ galten lange die Vorstände der Volksbank Dortmund-Nordwest, Armin Schwarze (64) und Stephan Schäffer (56). Doch dann investierten sie ein Viertel ihrer 1,1-Milliarden-Euro-Bilanzsumme in zwei Immobilienfonds – teilweise hedgefondsgleich gehebelt über Kredite.
Die steigenden Zinsen und fallenden Immobilienpreise führten zu Verlusten von 134 Millionen Euro. Nicht einmal das komplette Eigenkapital der Bank hätte das Loch stopfen können. Beide Vorstände wurden entlassen, nun steht eine Notfusion mit der Dortmunder Volksbank an, berichtet das Manager Magazin.
Haben die VR-Banken ein strukturelles Problem?
Allein diese drei aktuellen Fälle könnten den Sicherungsfonds der Volksbanken zwischen 500 und 700 Millionen Euro kosten. Laut BVR soll der Notfallfonds mit 4,6 Milliarden Euro „sehr gut gefüllt“ sein.
Was beim Fall der Volksbank Düsseldorf Neuss besonders aufhorchen lässt: Anders als bei den Skandalen in Bad Salzungen und Dortmund geht es nicht um riskante Investments, sondern um grundlegende Fragen der Transaktionskontrolle. Eine vorbestrafte Buchhalterin konnte mit gefälschter E-Mail-Adresse und Unterschrift eine Summe überweisen, die 7 Prozent der Spareinlagen entspricht.
Die parallel laufenden Sonderprüfungen von Bafin und Bankenverband dürften die internen Kontrollmechanismen der Volksbanken grundsätzlich auf den Prüfstand stellen. Manche Insider sprechen von einem strukturellen Problem, das auf dem „Alte-weiße-Männer-Syndrom“ gepaart mit „Größenwahn“ basiere.
Bafin-Boss Branson drückte sich vorsichtiger aus, mahnte aber: „Die sorgfältige Auswahl des Führungspersonals ist extrem wichtig.“
Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?
Danke für Ihre Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen
Bitte wählen Sie mindestens einen Newsletter aus, den Sie abonnieren möchten
Bitte bestätigen Sie die Einwilligung, um fortzufahren
Bitte E-Mail ausfüllen
Bitte wählen Sie Ihre Anrede aus, um fortzufahren
Bitte geben Sie Ihren Vornamen ein, um fortzufahren
Bitte geben Sie Ihren Nachnamen ein, um fortzufahren
Bitte wählen Sie eine Branche aus, um fortzufahren
Bitte geben Sie Ihren Passwort ein (mind. 8 Zeichen), um fortzufahren
Jetzt kostenlos abonnieren
Ja, ich möchte den/die oben ausgewählten Newsletter mit Informationen
über die Kapitalmärkte und die Finanzbranche, insbesondere die Fonds-,
Versicherungs-und Immobilienindustrie abonnieren. Hinweise zu der
von der Einwilligung mitumfassten Erfolgsmessung, dem Einsatz der
Versanddienstleister June Online Marketing und Mailingwork, der
Protokollierung der Anmeldung, der neben der E-Mail-Adresse weiter
erhobenen Daten, der Weitergabe der Daten innerhalb der Verlagsgruppe
und zu Ihren Widerrufsrechten finden Sie in der
Datenschutzerklärung.
Diese Einwilligung können Sie jederzeit für die Zukunft widerrufen.
Fast geschafft
Bitte überprüfen Sie Ihr E-Mail Postfach - wir haben eine Bestätigungs-E-Mail verschickt. Das Abonnement wird nach der Bestätigung aktiv.
Bitte auch im Spam-Ordner schauen!
Ob Analysten, Portfoliomanager oder CEOs: Unsere Experten sind Marktprofis aus dem Asset Management, die ihre Einblicke mit Ihnen teilen. Sie liefern klare Markteinschätzungen, fundierte Analysen und berichten darüber, wie sie ihre Strategien taktisch anpassen.
Neue Artikel verfügbar!
Vertiefen Sie Ihr Fachwissen mit unseren neuesten Insights.
Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie sofortigen Zugang zu allen Premium-Inhalten
Registrierung fast abgeschlossen!Abonnement fast abgeschlossen!
Wir haben Ihnen eine Bestätigungs-E-Mail gesendet.
1
E-Mail-Postfach prüfen
Schauen Sie in Ihr E-Mail-Postfach nach unserer Bestätigungsmail.
2
Spam-Ordner kontrollieren
Falls Sie keine E-Mail erhalten haben, prüfen Sie bitte auch Ihren Spam- oder Junk-Ordner.
3
Link bestätigen
Klicken Sie auf den Bestätigungslink in der E-Mail, um Ihre Registrierung abzuschließen.
Klicken Sie auf den Bestätigungslink in der E-Mail, um Ihre Anmeldung abzuschließen.
Hinweis: Die Bestätigungsmail sollte innerhalb weniger Minuten bei Ihnen ankommen. Sollten Sie nach 10 Minuten noch keine E-Mail erhalten haben, kontaktieren Sie bitte unseren Support.