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Wachtendorf-Kolumne Volksfonds: Wie man Vermögen für alle schafft

Unser Kolumnist Egon Wachtendorf
Fordert neue Prioritäten von der Politik: DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf. | Foto: DAS INVESTMENT

Als „Volksfonds“ vermarktete Produkte brachten deutschen Anlegern bislang wenig Glück. Den besten Eindruck hinterlässt da noch der DWS Vermögensbildungsfonds I, der 2004 „Vermögen für alle“ versprach. Für den 1970 aufgelegten globalen Aktienfonds-Klassiker trifft auch 2023 zu, was die DWS-Marketingstrategen ihm damals in bester VW-Käfer-Werbung-Manier andichteten: „Läuft … und läuft … und läuft.“ 9,2 Prozent Plus im ersten Halbjahr, 9,6 Prozent pro Jahr über fünf Jahre, 10,6 Prozent über zehn Jahre und 7,6 Prozent über 20 Jahre. Problem Nummer 1: Der Vergleichsindex MSCI World war über alle vier Zeiträume besser. Problem Nummer 2: Seit vielen Jahren schon ist der Fonds aus dem Schaufenster der DWS verschwunden und damit auch aus der öffentlichen Wahrnehmung.

Immerhin, mit einem Volumen von knapp 12 Milliarden Euro ist der DWS Vermögensbildungsfonds I noch immer ein Schwergewicht. Das kann man von zwei 2017 und 2018 mit ähnlich hochfliegenden Plänen lancierten Wettbewerbern nicht gerade behaupten: Der Zukunftsfonds von Ex-„Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann verwaltet gerade einmal 32 Millionen Euro und brachte in den vergangenen fünf Jahren eine Rendite von lediglich 1,9 Prozent zustande. Beim Flossbach von Storch Der erste Schritt sind es 600 Millionen Euro und 0,1 Prozent. Letzterer heißt übrigens seit dem 20. Juni Flossbach von Storch Bond Defensive und hat sich damit auch nach außen hin sichtbar vom ursprünglich formulierten Ziel entfernt, Millionen Börsen-Novizen ein Angebot für erste Erfahrungen an den Finanzmärkten zu machen.

Zwei eher defensive Mischfonds sind keine Vergleichskandidaten für den MSCI World, schon klar. Gleichwohl zeigen die Ergebnisse, dass ein sehr langfristig ausgerichteter und somit auch für die private Altersvorsorge tauglicher Volksfonds seinen Schwerpunkt in jedem Fall auf der Aktienseite haben sollte. Einen neuen Versuch in diesem Segment startet nun der von seinen Fans als „ETF-Papst“ verehrte Münchner Vermögensverwalter Gerd Kommer. Sein neu aufgelegter L&G Gerd Kommer Multifactor Equity ETF führt nahezu sämtliche, von ihm bislang in mehreren „Weltportfolios“ zum Nachbau angebotene Strategien in einem einzelnen Produkt zusammen – mit dem Ziel, den MSCI World langfristig um einen bis anderthalb Prozentpunkte pro Jahr zu schlagen.

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So wie der Fonds konstruiert ist, könnte das sogar gelingen. Renditesteigernde Faktoren wie den Small-Cap-, den Value- oder den Momentum-Effekt zu berücksichtigen erscheint schließlich ebenso sinnvoll wie die systematische Begrenzung der größten Länder und Einzelwerte, um nur die wichtigsten Filter zu nennen. Die schärfste Kritik kommt denn auch bezeichnenderweise nicht von Verfechtern eines aktiven Managementstils. Sondern von Hardcore-Passiv-Aficionados, denen jedes Ausschlusskriterium suspekt und jede mit Bedacht getroffene Investment-Entscheidung zu teuer ist. Tatsächlich bewegt sich der Kommer-ETF mit einer jährlichen Managementgebühr von 0,5 Prozent am oberen Rand des für derartige Produkte Üblichen. Aber ob das am Ende die Performance entscheidend beeinflusst? Ich glaube kaum.

Wovon ich dagegen mehr denn je überzeugt bin: Einen staatlich gesteuerten Volksfonds braucht angesichts der bereits zahlreich am Markt vorhandenen Möglichkeiten kein Mensch. Die Politik sollte vielmehr alle Kräfte darauf konzentrieren, Vorsorge-Sparern die Entscheidung für eine dieser Möglichkeiten so einfach wie möglich zu machen. Indem sie zum Beispiel die Position unabhängiger Berater stärkt, anstatt diesem Berufszweig durch immer neue und immer absurdere Vorschriften Knüppel zwischen die Beine zu werfen.

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