Frank Hübner, stellvertretender Leiter Volkswirtschaft bei Sal. Oppenheim:

Frank Hübner, stellvertretender Leiter Volkswirtschaft bei Sal. Oppenheim:

Volkswirt bei Sal. Oppenheim über Yuan-Abwertung „Gefahr eines Währungskrieges“

Unsere BIP-Prognosen liegen unverändert mit 7,1 Prozent für 2015 und 6,8 Prozent für 2016 bei der von Premierminister Li Keqiang im März gesetzten Zielmarke. Der aktuelle Datenkranz ist nach unserer Einschätzung aber unverändert kompatibel mit Wachstumsraten von weniger als 7 Prozent. Insgesamt sind die daher Prognoserisiken abwärtsgerichtet. Da die Inflation gemessen am Inflationsziel von 3 Prozent mit derzeit 1,6 Prozent zu niedrig ist und gleichzeitig Wachstumsrisiken bestehen, erscheinen weitere gezielte wirtschaftspolitische Lockerungen wahrscheinlich. Sollten sich die jüngsten Signale für die Stabilisierung der Wachstumsdynamik nicht bestätigen und damit eine dauerhafte Verfehlung des Wachstumsziels drohen, könnten darüber hinaus gehende geld- und fiskalpolitischen Spielräume genutzt werden, um die Konjunktur zu beleben. Die Auswirkungen der Achterbahnfahrt der chinesischen Aktienmärkte auf die Wirtschaft halten wir für überschaubar. Weniger als 10 Prozent der chinesischen Haushalte ist am Aktienmarkt engagiert. Der Anteil von Aktien am Vermögen der privaten Haushalte beträgt zudem nicht mehr als 10 Prozent (Immobilien: 30 Prozent). Auch bei der Finanzierung der Unternehmen spielt der Aktienmarkt mit ca. 5 Prozent keine wesentliche Rolle. Direkte Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum ergeben sich über die Wertschöpfung im Finanzsektor. Dieser trug im ersten Halbjahr überdurchschnittlich zum Wachstum bei. Im zweiten Halbjahr müssen andere Bereiche das Wachstum tragen, wenn das Wachstumsziel von 7 Prozent erreicht werden soll. Die Administration hat zuletzt zweimal spürbar und unerwartet interveniert. Dem Aktienmarkteinbruch folgten massive dirigistische Eingriffe zur Kursstabilisierung. Den schwachen Juli-Exportzahlen folgte eine Abwertung der zentralen Parität des Renminbi um 1,9 Prozent. Diese unerwarteten Weichenstellungen bieten Spielraum für Spekulationen über den Aktionismus einer zunehmend nervösen Administration. Insgesamt führt diese Konstellation zu einer erhöhten Unsicherheit bezüglich der weiteren Ausrichtung der Wirtschaftspolitik in China. Eine im neuen Regime mögliche, deutliche Abwertung des Renminbi wäre ein negatives Signal im Hinblick auf den notwendigen strukturellen Umbau des Wachstumsmodells und brächte die Gefahr eines Währungskrieges mit sich.

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