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Gold und Silber: Das künftige Preisverhältnis der wichtigsten Edelmetalle ist für Anleger schwer vorherzusagen, erklärt Thorsten Polleit, Chefökonom der Degussa Goldhandel. | © Degussa Goldhandel

Edelmetalle

„Verzerrter Blick auf das historische Gold-Silber-Preisverhältnis“

Das Gold-Silber-Preisverhältnis ist seit jeher für Edelmetallanleger von besonderem Interesse. Das hat einen währungshistorischen Grund: Gold und Silber sind immer wieder als Geld verwendet worden, manchmal gleichzeitig („Bimetallismus“), manchmal gab es auch einen Silberstandard (wie zum Beispiel über viele Jahrhunderte in Großbritannien), manchmal auch einen Goldstandard (wie zum Beispiel ab Ende des 19. Jahrhunderts in den USA und Europa). Der Geldcharakter der beiden Edelmetalle mag daher erklären, warum Gold- und Silberpreise sich in den letzten Jahrzehnten tendenziell meist in die gleiche Richtung entwickelt haben: 

Gold- und Silberpreis (USD/oz)

                                    Quelle: Thomson Financial; Graphik Degussa.

Langfristig betrachtet ist der Goldpreis allerdings stärker gestiegen als die Inflation der US-Konsumgüterpreise (siehe unten). Das Gold war also so gesehen ein Inflationsschutz. Das lässt sich für das Silber im Betrachtungszeitraum nicht sagen.

Allerdings ist zu berücksichtigen, dass in der Zeit von Anfang 1991 bis etwa Ende 2007 die Zentralbanken weltweit Netto-Goldverkäufer waren. Das lässt vermuten, dass in dieser Phase nicht nur der Goldpreis „gelitten“ hat, sondern vor allem auch der Silberpreis: Bei einem künstlich gedrückten Goldpreis ist zu vermuten, dass der Silberpreis, der üblicherweise der Richtungsvorgabe des Goldpreises folgt, ganz besonders unter Druck gekommen ist. Insofern ist der Blick auf die historische Preisentwicklung des Gold-Silber-Preisverhältnisses verzerrt.

Entwicklung Gold- und Silberpreis (USD/oz) sowie US-Konsumgüterpreise

                                 Quelle: Thomson Financial; Berechnungen Degussa. Serien sind indexiert (Februar 1979 = 100).

Welchen Informationswert hat das Gold-Silber-Preisverhältnis heute noch, in der Zeit des ungedeckten Papiergeldes? Das Gold-Silber-Preisverhältnis zeigt seit Ende der 1970er Jahren einen steigenden Trend (siehe unten). Es hat zwar mitunter recht stark geschwankt, aber der unterliegende Verlauf der Linie war aufwärtsgerichtet. Das heißt nichts anderes, als dass der Goldpreis im Zeitablauf stärker gestiegen ist als der Silberpreis.

In der Zeit von Februar 1979 bis März 2019 ist der Goldpreis um 462,8 Prozent gestiegen, der Silberpreis um 130 Prozent. Auf das Jahr umgerechnet betrug der Goldpreisanstieg durchschnittlich 4,3 Prozent, der Silberpreisanstieg 2,1 Prozent. Langfristig betrachtet war also das Halten von Gold vorteilhafter als das Halten von Silber.

Gold-Silber-Preisverhältnis

                                    Quelle: Thomson Financial; Berechnungen Degussa.

Die zweite Abbildung zeigt jedoch, dass das Gold-Silber-Preisverhältnis mitunter sehr stark um einen Trend (in der Grafik angedeutet durch die gestrichelte Linie) geschwankt hat. Es gab ausgeprägte und andauernde Anstiege über die Trendlinie sowie auch ausgeprägte und andauernde Abstiege unter die Trendlinie. Mit anderen Worten: Es gab Phasen, in denen es vorteilhaft war Gold statt Silber zu halten, und es gab Phasen, in denen das Halten von Silber vorteilhafter war als das Halten von Gold. Lässt sich daraus aber eine überzeugende Handelsstrategie ableiten? Die Antwort fällt vermutlich enttäuschend aus.

Fortsetzung des Trends? 

Die eingezeichnete Trendlinie in der dritten Abbildung ist zunächst nicht mehr als ein historischer Befund. Der Trendverlauf kann zwar auch künftig Bestand haben, aber sicher ist das nicht. Wie problematisch es sein kann, sich auf die Fortsetzung des Trends zu verlassen, zeigen die folgenden Überlegungen: Würde beispielsweise der Trendverlauf künftig steiler verlaufen, könnte aus einer vermeintlichen Unterbewertung des Silbers tatsächlich eine Überbewertung werden, dann wäre man schlecht beraten, würde man Silber anstelle von Gold halten. Gleichfalls gilt: Wird der Trendverlauf künftig flacher, kann aus einer Überbewertung des Silbers eine Unterbewertung werden, man hielte dann besser Silber als Gold.

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