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Edelmetalle „Verzerrter Blick auf das historische Gold-Silber-Preisverhältnis“

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Was ist der faire Wert? 

Mit diesen Überlegungen stößt man unweigerlich auf eine ganz grundlegende Fragestellung: Was ist der „faire Wert“ der Edelmetalle? Bekanntlich gibt es keine einfache Bewertungsformel für Gold und Silber (wie es sie beispielsweise für Aktien und Anleihen durchaus gibt). Das liegt daran, dass Gold und Silber – anders als zum Beispiel Aktien und Anleihen – keinen laufenden Zahlungsstrom abwerfen, auf dessen Grundlage man einen (Bar-)Wert bestimmen könnte.

Die Edelmetallpreise lassen sich – wenn überhaupt – nur im Zuge ihrer Abhängigkeit von anderen Größen (wie Wirtschaftswachstum, Geldmenge, Zins etc.) abschätzen – ob sie also „zu teuer“ oder „zu billig“ sind, und wie sie sich daraufhin künftig vermutlich entwickeln werden. Dass das jedoch ein Unterfangen ist, das mit großen Unsicherheiten behaftet ist, bedarf an dieser Stelle keiner besonderen Betonung. Schlussendlich lassen sich – wenn überhaupt – meist nur vergangenheitsbezogene Abhängigkeiten zwischen Gold und Silber und anderen Wirtschaftsdaten aufspüren. Aber es gibt auch keine Garantie dafür, dass diese Abhängigkeiten auch künftig Bestand haben.

Der Goldpreis – so unsere Einschätzung – ist letztlich richtungsweisend für den Silberpreis. Die Phasen, in denen sich das Halten von Silber relativ zu Gold als vorteilhafter erwiesen hat, waren diejenigen Phasen, in denen das Gold-Silber-Preisverhältnis deutlich über seinem Trendwert (der in der dritten Abbildung durch die gestrichelte Linie dargestellt ist) gelegen hat und sodann abgesunken ist. Derzeit befindet sich das Gold-Silber-Preisverhältnis bei etwa 85 – ein hoher Wert, der allerdings immer noch unter dem jüngsten Höchstwert von etwa 98 Anfang 1991 liegt. Ob also der Wendepunkt schon erreicht ist, lässt sich nicht zweifelsfrei sagen. 

Abkopplung des Silberpreises 

Die auffällige Abkopplung des Silberpreises vom Goldpreis begann etwa 2014 (siehe unten). Eine Erklärung dafür könnte der strukturelle Angebotsüberhang im Silbermarkt sein, der sich beginnend mit dem Jahr 2015 aufgebaut hat. Vor allem aber hat in den letzten Jahren die Silbernachfrage für monetäre Zwecke gelitten. Das Silber hat daher zusehends enger mit den Rohstoffmärkten gehandelt und sich vom Goldpreis abgelöst.

Rohstoffpreisindex (USD) und Gold- und Silberpreise (USD/oz)

                                 Quelle: Thomson Financial; Berechnung DEGUSSA. Indexiert: Januar 2000 = 100.

Welche Erwartungen begründen sinnvollerweise den Aufbau einer Silberposition im aktuellen Umfeld? Der Anleger sollte erstens mit einem weiter steigenden Goldpreis rechnen und zweitens überzeugt sein, dass der Silberpreis sich nicht dauerhaft vom Goldpreis ablöst, sondern irgendwann nachzieht. Realisieren sich diese zwei Bedingungen, winken dem Anleger vermutlich erhebliche Wertzuwächse aus seiner Silberposition.

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