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Sorgt sich um deutsche Banken: Uwe Zimmer ist Geschäftsführer der Fundamental Capital in Köln | © Fundamental Capital

Uwe Zimmer zu Banken

Dinosaurier vor dem Asteroideneinschlag

Es gibt das Bild des Frosches, der zwar aus einem Gefäß spränge, in das schlagartig heißen Wasser gekippt wird. Der aber sitzen bleibt, wenn das Wasser langsam erwärmt wird. Und der sich auch nicht bewegt, selbst wenn er gekocht wird. Was eigentlich als Sinnbild einer sich erwärmenden Welt gedacht ist, passt auch gut für die Banken. Nur dass hier die Hitze schon so weit zugenommen hat, dass nicht mehr viel Zeit zum Herausspringen bleibt.

Digitale Angreifer haben das Geschäft der Banken ausgehöhlt, viel ist nicht mehr davon übrig. Zumindest nicht viel, das nur von Banken erledigt werden kann. Spezialitäten im Zahlungsverkehr, vielleicht die ein oder andere schwierigere Kreditvergabe, natürlich gibt es Nischen, in denen eine Bank noch besser ist als ein FinTech-Startup. Oder zumindest noch auf sehr lang eingefahrene Kundenbeziehungen zurückgreifen kann, die es ihr erlauben, auch schlechtere Produkte oder Services zu höheren Preisen in den Markt zu drücken.

Der schleichende Bedeutungsverlust zeigt sich natürlich exemplarisch an den so unsanft von der Politik angestoßenen Fusionsgesprächen zwischen zwei der „großen“ deutschen Banken. Keine von ihnen ist alleine lebensfähig. Und ob aus dem Zusammenschluss zweier angeschlagener Institute dann ein starkes neues wird, darf bezweifelt werden. Beide kranken an den Lasten ihrer Vergangenheit. Aber beide haben es auch nicht geschafft, in den von ihnen selbst als zukunftsträchtig definierten Geschäftsfeldern so stark zu werden, dass sie ohne Hilfe auskommen. Und zukunftsträchtig sind Geschäftsfelder ohnehin nur noch, wenn sie sich nicht digital einfacher, besser oder kostengünstiger abbilden lassen.

Nun ist die Frage, wie lange es noch dauert, bis die Banken umdenken oder verschwinden. Derzeit läuft der schleichende Prozess. Dieser kann sich ziemlich lange hinziehen. Genauso lange nämlich, wie es noch an große Bank-Marken gebundene Kunden gibt und die neuen Herausforderer noch nicht das gleiche Vertrauen genießen. Denn das ist bei allen Skandalen und Schwierigkeiten noch ein echtes Pfund, mit dem die Banken wuchern können: Das Vertrauen, das ihnen bestehende Kunden entgegenbringen.

Weder Privatleute noch Unternehmen sind schnell bei der Hand, wenn es um den Wechsel der Bankbeziehung geht. Allerdings ist bei den Privatkunden schon zu sehen, dass die neuen, digitalen Angebote sowohl in der Vermögensverwaltung wie auch im Kern-Bankengeschäft schon gerne ausprobiert werden. Und weil sie funktionieren wechseln immer mehr Menschen tatsächlich auch die Erst-Bankverbindung. Unternehmen sind auf der einen Seite langsamer damit, weil mehr Hebel in Bewegung gesetzt und die Trägheit einer Hierarchie überwunden werden müssen. Sie sind aber schneller, weil sie ganz natürlich in jeder Lieferbeziehung auf Kosten und Service achten. Da können die Banken bald nicht mehr mithalten. Es sieht also nach einem schleichenden Abschied aus, denn die Kundenzahlen sinken nicht plötzlich, sondern langsam. Das gäbe Zeit zum Umdenken. Dringend benötigte Zeit.

Die Hoffnung darauf sollten die Banken aber rasch fahrenlassen. Denn derzeit sind andere, stärkere Marken dabei, sich die Kompetenz anzueignen oder einzukaufen, die sie für den flächendeckenden Eintritt in den Bankenmarkt benötigen. Google, Apple, Amazon stehen in den Startlöchern. Und wenn diese entscheiden, dass die Zeit reif ist, als starker Finanzdienstleister anzutreten, haben die herkömmlichen Banken nicht mehr viel entgegenzuhalten. Das ist, als rase ein Asteroid auf die Bankenwelt zu – und der Einschlag wird die Dinosaurier aussterben lassen. Sofort und schnell – und bald.

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