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Stabiles Wachstum, sinkende Inflation Goldlöckchen in den USA – aber wie lange noch?

Party zum Unabhängigkeitstag in den Vereinigten Staaten
Party zum Unabhängigkeitstag in den Vereinigten Staaten: In der US-Wirtschaft ist die Stimmung laut Daniel Morris von BNP Paribas Asset Management derzeit hervorragend. Er sieht aber Risiken. | Foto: Imago Images / NurPhoto
Daniel Morris, BNP Paribas AM

Die jüngsten Daten zur Verbraucherpreisinflation in den USA waren sowohl für die Anleger als auch für die US-Notenbank (Fed) zunächst eine willkommene Nachricht: Nach einem unerwartet starken Anstieg der Preise in den ersten Monaten des Jahres sank die Inflationsrate im Mai auf 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat und lag damit leicht unter den Erwartungen.

Die hohe Inflation zu Beginn des Jahres hat die Fed jedoch dazu veranlasst, die Zahl der für dieses Jahr erwarteten Zinssenkungen von drei auf eine zu reduzieren. Anfang des Jahres rechneten die Marktteilnehmer noch mit sieben Zinssenkungen. Dass es anders kam, beeinflusste die Aktienmärkte jedoch kaum: Der Grund dafür ist das stärker als erwartete Wachstum, das einen Gewinnschub für Unternehmen bedeutet – auch wenn dies auf Kosten eines höheren Diskontsatzes geht. Sofern die Inflationsentwicklung dies rechtfertigt, könnten die US-Währungshüter im September eine erste Zinssenkung vornehmen.

Die Wachstumsdynamik im Euroraum ist ähnlich. Die Einkaufsmanagerindizes zeigen, dass der Dienstleistungssektor stark bleibt und sich die Aussichten für das verarbeitende Gewerbe verbessern. Während die Kerninflation in den USA zurückgegangen ist, stieg sie in der Eurozone von 2,7 auf 2,9 Prozent an. Treiber war die Teuerung im Dienstleistungssektor. Dennoch senkte die Europäische Zentralbank (EZB) wie angekündigt die Leitzinsen um 25 Basispunkte. Notenbank-Präsidentin Christine Lagarde bestätigt aber keine weiteren Zinssenkungen. Die EZB könnte daher höhere Zinsen in Kauf nehmen, um die Inflation unter Kontrolle zu halten.

 

Die Aktienmärkte legen weiter zu

Die Aktienmärkte wurden offenbar weder durch das erhöhte Wachstum noch durch die stärker als erwartete Inflation beunruhigt. Aufgrund des günstigen konjunkturellen Umfeldes stiegen die meisten wichtigen Indizes weiter. Die Marktteilnehmer warten nach wie vor darauf, wann und in welchem Umfang die Fed die Zinsen in diesem Jahr senken wird. Die Aussichten auf eine Erhöhung der Leitzinsen hingegen sind derzeit gering. Wenn die Realzinsen stabil bleiben und nicht ansteigen, hängen die Aussichten für Aktien eher von den Gewinnaussichten ab. Das gilt insbesondere für Wachstumstitel. Die Prognosen der Analysten sind hier optimistisch.

Am stärksten verändert haben sich die Gewinnprognosen im vergangenen Monat in Europa und China. Die steigenden Gewinnschätzungen für die Eurozone sind leicht erklärbar: Die Region hat sich von der Verlangsamung der Wirtschaft im Jahr 2023 erholt und die EZB hat die Leitzinsen gesenkt. Unterstützt durch einen starken US-Dollar wird das US-Wachstum auch die europäischen Exporte ankurbeln (siehe Grafik).

Grafik: Gewinnerwartungen in Europa und China steigen

Gewinnprognosen für die kommenden 12 Monate, jeweils in Lokalwährung. Quelle: BNP Paribas Asset Management

Die größte Sorge auf dem Markt ist die schwache Binnennachfrage der Verbraucher. Trotz der niedrigen Arbeitslosenquote und steigender Löhne und Gehälter waren die Einzelhandelsumsätze in der Eurozone enttäuschend. Ein Teil des Lohnzuwachses ist auf einmalige Bonuszahlungen wie in Deutschland zurückzuführen. Es könnte sein, dass die Verbraucher das zusätzliche Geld lieber sparen als ausgeben.

Die Gewinnerwartungen für chinesische Aktien sind ebenfalls gestiegen. Es liegt nahe, dass die jüngsten Kursgewinne am Aktienmarkt im Land auf diesen höheren Gewinnerwartungen basieren und es sich nicht einfach nur um eine Erholung von den zuvor außergewöhnlich niedrigen Bewertungen handelt. Leider sind die Gewinnerwartungen pro Aktie (EPS) bei den meisten Titeln im MSCI China Index nicht gestiegen. Vornehmlich zwei Unternehmen – PDD, die unter dem Namen Temu bekannte E-Commerce-Holding, und der Multimedia-Mischkonzern Tencent – verzeichneten Zuwächse.

Asien: Südkorea und Taiwan profitieren von KI-Boom

Als Alternative zu China und weitere Chance, von den KI-Investitionen zu profitieren, bieten sich Südkorea und Taiwan an. Wir bevorzugen dabei südkoreanische Aktien. Der taiwanesische Markt hat sich sowohl in diesem als auch im vergangenen Jahr bereits gut entwickelt und trotz anhaltender geopolitischer Risiken zugelegt. Die Bewertungen sehen für den südkoreanischen Markt attraktiver aus und die Gewinnerwartungen steigen dort schneller.

Südkorea könnte darüber hinaus stärker von einer Neubewertung des Speicherchip-Zyklus profitieren. Die Preise waren zuletzt rückläufig, beginnen sich jetzt aber zu erholen. Das liegt zum großen Teil an der Nachfrage nach DRAM-Chips, die in KI-Servern verwendet werden. Das Land dürfte außerdem Nutznießer eines potenziellen Aufschwungs im globalen Produktionszyklus sein. Dieser könnte jetzt eintreten, da die Lagerbestände niedrig sind.

Stärkerer Yen belastet japanische Börse

Für den MSCI Japan Index sind die Gewinnerwartungen weiter gestiegen. Der Markt hat aber die Unterstützung durch eine schwächere Währung verloren. Mit den Leitzinsen endlich im positiven Bereich und den Interventionen der Bank of Japan am Markt hat sich der USD-JPY-Wechselkurs bei rund 156 Yen pro US-Dollar stabilisiert. Die relative Performance des MSCI Japan ist seither rückläufig.

Weitere Sorgen bereiten dem Markt das stagnierende Lohn- und Konsumwachstum in Japan, die rückläufige Inflation, das gesunkene Verbrauchervertrauen und das nach wie vor geringe Vertrauen der Unternehmen. Trotzdem scheinen die Renditeaussichten weiterhin günstig.

 

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