Holger Schmitz, Vorstand von Schmitz & Partner

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Vom Negativzins zum Bargeldverbot?

Die schleichende Enteignung der Bürger

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Anleger im Euroraum müssen um ihre Ersparnisse bangen. Staatliche Eingriffe bedrohen das von Privatleuten angesammelte Kapital, weil die Staatsschulden fast überall deutlich schneller wachsen als die Wirtschaft. Defizitgeplagte Regierungen werden ihre Einnahmenbasis notfalls zu Lasten aller Sparer vergrößern. Um uneingeschränkten Zugriff auf die Geldvermögen zu erlangen, könnten Gesetzgeber und Notenbank sogar zum Instrument des Bargeldverbots greifen.

Was schier unglaublich klingt, wurde von namhaften Wissenschaftlern bereits ernsthaft vorgeschlagen. So haben der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers und der frühere Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kenneth Rogoff, Bargeldverbote angeregt.

Vordergründig soll mit einer Abschaffung des Bargeldverkehrs Geldwäschern, Drogenhändlern und Steuerhinterziehern das Handwerk gelegt werden. Diese Argumentation halten wir jedoch für fadenscheinig. In Wirklichkeit geht es darum, die totale Kontrolle über das Geld der Menschen zu erlangen. Bis zu weiteren repressiven Maßnahmen, wie einer Vermögensabgabe und einer Einschränkung der Verfügungsgewalt aller Privatleute über ihr Kapital, ist es dann nur noch ein kleiner Schritt.  

Finanzielle Repression schreitet voran

Dass ein Bargeldverbot tatsächlich einmal verhängt werden könnte, wäre ein logischer nächster Schritt in der schleichenden Enteignung der Bürger durch Regierungen und Institutionen, auch „finanzielle Repression“ genannt. An deren erster Stelle stand der negative Realzins. Den Notenbanken gelang es, das Zinsniveau unter die Inflationsrate zu drücken. Inzwischen ist auch der Nominalzins für als sicher geltende Anlagen vielfach unter die Nulllinie gerutscht. Wer beispielsweise dem deutschen Staat für fünf Jahre oder einen noch kürzeren Zeitraum Kapital zur Verfügung stellt, erhält weniger zurück, als er zu Beginn investiert hat.

Eine weitere Eskalationsstufe zündet, wenn Bankeinlagen besteuert werden. Eine solche Abgabe existiert bereits. Als erstes Land der Eurozone hat Spanien eine Sparersteuer eingeführt. Zwar beträgt die Abgabe auf Bargeldguthaben bei Kreditinstituten nur 0,03 Prozent jährlich. Wegen der geringen finanziellen Auswirkungen wurde die Regelung von der Bevölkerung denn auch nahezu klaglos geschluckt. Steuern und Abgaben lassen sich allerdings jederzeit anheben – bei Bedarf auch deutlich.                

Auf dem Weg in die Finanzdiktatur?

Sähen sich die Bürger tatsächlich mit höheren Steuern auf Bankeinlagen konfrontiert, würden sie ihre Ersparnisse wohl größtenteils abheben. Aus Sicht der Mächtigen ist genau dies zu verhindern. Wären Bartransaktionen nur noch eingeschränkt möglich oder sogar vollständig untersagt, bliebe Anlegern dieses Schlupfloch verwehrt. Mit der drastischen Einschränkung oder Abschaffung des Bargeldes würden Politikerträume wahr. Sie könnten sämtliche Kontobewegungen nachvollziehen und bei Haushaltslücken eine Sparersteuer direkt von den Konten der Bürger einziehen.

Einschränkungen im Bargeldverkehr haben im Euroraum längst Einzug gehalten. So liegt die erlaubte Obergrenze in Belgien bei 5.000 Euro pro Person und Tag. In Spanien beträgt das Limit 2.500 Euro, während in Italien nur noch 1.000 Euro zulässig sind. Diese Grenzen sollen nach dem Willen von Politikern weiter sinken. In Deutschland sind derzeit zwar noch keine Bargeld-Einschränkungen geplant. Allerdings halten wir es nur für eine Frage der Zeit, bis der europäische Trend auch hierzulande Fuß fassen wird - oder bis die Europäische Union verbindliche Richtlinien für alle Mitgliedsstaaten ausgibt.

Ein Verbot von Bargeldabhebungen hätte auch Konsequenzen bei Bankenkrisen. Die Regierenden könnten mögliche Zusammenbrüche eventuell verhindern oder hinauszögern. Ein sogenannter „Bank-Run“ ließe sich dann einfach per Dekret verhindern. Den Sparern bliebe dabei jedoch die Möglichkeit verwehrt, ihr Kapital in Sicherheit zu bringen, indem sie ihr Geld einem maroden System kurzerhand entziehen und dann verschwinden lassen.

Aktien als Ausweg

Den Bürgern bleiben nur wenige Möglichkeiten, die Begehrlichkeiten der Institutionen abzuwehren. Nach unserer Überzeugung sind Aktien beziehungsweise Aktienfonds erste Wahl, um das eigene Vermögen zu erhalten. Denn eine Besitzsteuer auf Aktien gab es noch nie.

Bei Dividendentiteln stimmt auch die Rendite. Aktien stellen eindeutig die langfristig überlegende Anlageform dar. Anleger müssen allerdings lernen, kurzfristige Schwankungen zu tolerieren und Fehlurteile vermeiden – am besten durch Delegation der Anlageentscheidungen auf einen kompetenten Manager.

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