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Vom Protektionismus zum Handelskrieg Die US-Handelsspannungen und ihre Folgen für Anleger

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Streit um geistiges Eigentum ist ein Pulverfass

Unseres Erachtens liegt ein sehr ernst zu nehmendes Risiko darin, dass die bisher eingeführten Zölle nur der erste Schuss in einem umfassenden, multilateralen Handelskrieg sein könnten, der die Weltwirtschaft auf breiter Basis in Mitleidenschaft zieht. Das vielleicht größte Pulverfass in diesem potenziellen Konflikt sind die geistigen Eigentumsrechte im Technologiesektor. Eine Studie aus dem Jahr 2017 hinsichtlich chinesischer Praktiken im Umgang mit geistigem Eigentum, durchgeführt durch das Handelsministerium der USA, kam zu dem Schluss, dass Chinas Diebstahl von geistigem Eigentum US-Firmen jährlich bis zu 600 Milliarden US-Dollar kostet.

Ein sich ausweitender Handelskrieg zwischen China und den USA würde steigende Preise für Verbraucher und wohl eine Beschleunigung der Inflation und somit Aufwärtsdruck auf die Zinsen verursachen. Alles in allem würde das Kräftemessen wahrscheinlich dazu führen, dass Wohlstand und Stabilität in beiden Ländern abnehmen.

Zölle sind nicht die einzige protektionistische Maßnahme der USA. Anfang des Jahres brachte der Kongress ein Gesetz ein, um Regierungsgeschäfte mit zwei chinesischen Telekommunikationsunternehmen zu verhindern (auch wenn Präsident Trump im Falle einer dieser beiden Firmen seither den Zugang zum US-Markt verteidigt hat). Außerdem unternahm Trump den ungewöhnlichen Schritt, die Übernahme eines US-Speicherchipherstellers durch einen Wettbewerber aus Singapur zu unterbinden. Er bezog sich dabei auf nationale Sicherheitsbedenken.

Obwohl ein eskalierender Handelskrieg eindeutig fatal für das weltweite Wachstum und die globale Zusammenarbeit wäre, könnten aufgrund des der Dominoeffekt einer höheren Inflation und steigender Zinsen wertorientierte Aktien profitieren. Warum? Value-Aktien sind häufig in zins- und inflationssensitiven Sektoren wie Finanzwerte und Rohstoffe zu finden.

Value-Aktien bieten Chancen

In zehn der vergangenen elf Jahre haben Value-Aktien schlechter abgeschnitten als Wachstumswerte. Es handelt sich damit um einen der bisher längsten und ausgeprägtesten Bärenmärkte für diesen Anlagestil. Eine wesentliche Ursache für die Schieflage bei Value-Aktien waren künstlich niedrige Zinsen, die den Wert des Geldes verfälscht und Anleger in ihrer Suche nach Wachstum und Rendite zu Alternativen gezwungen haben.

Die fortwährende Normalisierung der US-Zinsen könnte wertorientierte Aktien und andere spätzyklische Nutznießer wie Finanzwerte, Energietitel und europäische Märkte unterstützen. Aufgrund ihrer starken Präsenz in zins- und inflationssensitiven Sektoren wie Finanzwerten und Rohstoffen entwickeln sich europäische Märkte gegen Ende des Zyklus in der Regel gut. Europäische Firmen haben zuletzt deutlich weniger als ihre US-Pendants verdient, während sie zu historischen Bewertungsabschlägen notierten. Wenn sich die politischen Rahmenbedingungen normalisieren, entsteht hier Spielraum für Ergebnisverbesserungen.

Fazit

Insgesamt sehen wir im Risiko eines eskalierenden Handelskriegs eine Negativbilanz für das weltweite Wirtschaftswachstum und die Entwicklung der Aktienmärkte. Auch wenn wertorientierte Portfolios mit Blick auf ein spätzyklisches Umfeld steigender Zinsen recht gut aufgestellt zu sein scheinen, geben eskalierende Handelsspannungen Anlegern weltweit dennoch Anlass zur Sorge.

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