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Vom Risiko, sich zu sicher zu fühlen

Uwe Zimmer, Vorstandsvorsitzender der Vermögensverwaltung Meridio
Uwe Zimmer, Vorstandsvorsitzender der Vermögensverwaltung Meridio
Was haben eine Museumsdirektorin, eine Fußballmannschaft und ein Investor gemeinsam? Sie tappen in die Falle, weil sie sich zu sicher fühlen. Wer blind darauf vertraut, dass sein System funktioniert, wird immer wieder böse Überraschungen erleben.

Was die deutsche Nationalmannschaft in die 4:4-Niederlage gegen Schweden getrieben hat, war anzunehmender weise das Gefühl der Sicherheit nach dem 4:0. Warum dreiste Diebe Gemälde im Wert von mehr als 100 Millionen Euro aus dem Nationalmuseum in Rotterdam mitnehmen konnten? Das Museum fühlte sich mit seinen Alarmsystemen sehr sicher – zu sicher? Und was passiert eigentlich jemandem, der sein Geld so richtig sicher anlegt, als Tagesgeld oder in Bundesanleihen?

Er bekommt per Minizins ein bisschen mehr aufs Konto gebucht, kann aber immer weniger dafür kaufen: er wird ärmer. In der Geldanlage gibt es viele trügerische Sicherheiten. Dass etwa Staaten als Schuldner sicher sind, kann bereits seit vielen Generationen als widerlegt gelten. Oder dass die Anlage in Cash das Risiko senkt. In der kurzfristigen Betrachtung der Risikobudgets mag das stimmen. Für einen Investor, der langfristig Kapital aufbauen oder erhalten will, aber stellt ein Tagesgeldkonto natürlich mit das höchste Risiko dar. Denn hier schafft er bestenfalls den realen Kapitalerhalt – in vielen Situationen aber noch nicht einmal den.

Eine weitere Falle ist es davon auszugehen, dass man schon alles richtig gemacht hat. Eine heute richtige Entscheidung muss es nicht auch in zwei, drei oder 20 Jahren noch richtig sein. Immer neu denken, immer neu bewerten, das macht Sinn. Nicht täglich, nicht monatlich, aber zumindest einmal im Jahr. Denn wer sich seiner Sache zu sicher, ist, macht Fehler – wie Fußballer und Museumsdirektoren.

Als das Gegenteil von Sicherheit ist Risiko allgegenwärtig. Risiko ist aber nicht schlecht. Denn nur wer das Risiko sieht und damit umgeht, kann auch gewinnen. Das ist im Sport so, es betrifft Museen und es betrifft Anleger. Institutionelle Anleger arbeiten mit den unterschiedlichsten Risikomodellen. Eines ist ihnen in der Regel gleich: Sie erfordern stete Beobachtung, sie ermöglichen ein Umsteuern, die Signale erfordern aktives Handeln.

Für private Investoren ist der Weg ein anderer: Deren Risikosteuerung sollte möglichst langfristig ausgerichtet sein, kein stetes Beobachten erfordern und kein schnelles aktives handeln. Das hängt mit der Zeit zusammen, die private Investoren mit ihrer Geldanlage verbringen können. Das hängt aber auch mit den Kosten für Transaktionen zusammen. Denn egal wie man es rechnet: professionelle Investoren erhalten günstigere Konditionen als Privatanleger – und dann kommt noch die Steuer dazu.

Wofür spricht das jetzt? Für die Anlage in vermögensverwaltende Fonds, Multi Asset Fonds. Denn hier übernimmt ein professioneller Investor das Management, überprüft täglich oder sogar noch häufiger die taktische Seite und realisiert Kostenvorteile. Dazu gehört ein guter Vermögensverwalter, der mit seinem Kunden regelmäßig die strategische Seite durchgeht. Dann sollte Sicherheit nicht zur Pleite führen.


von Uwe Zimmer, Vorstandsvorsitzender der Vermögensverwaltung Meridio.

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