Von 1,7 auf 1,4 Prozent Neue Rechenmethode senkt Inflationszahlen

Einkaufsmeile Königsallee in Düsseldorf: Verbraucherpreise fallen Experten zufolge nicht so stark, wie die Inflationsraten ausweisen | © Getty Images

Einkaufsmeile Königsallee in Düsseldorf: Verbraucherpreise fallen Experten zufolge nicht so stark, wie die Inflationsraten ausweisen Foto: Getty Images

Die Verbraucherpreise fielen in Deutschland nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes über den Jahreswechsel von 1,4 auf 1,7 Prozent. Experten wir Commerzbank-Researcher Marco Wagner gehen davon aus, dass dafür neue Rechenmethoden und ein angepasster Warenkorb hauptverantwortlich sind. Die Inflationsrate sei insbesondere wegen gesunkener Energiepreise gefallen, aber nicht so stark wie die Zahlen ausweisen.

Inflationsrate kaum gesunken

Wer die Dezember- und Januar-Zahlen miteinander eins zu eins in Verbindung bringe, vergleiche Äpfel mit Birnen, so Wagner: „Denn für den Januar-Wert haben die Statistiker die turnusmäßig übliche Anpassung auf einen neuen Warenkorb vorgenommen.“ Für die Gewichtung der Einzelpositionen in der Preisstatistik wird nun der Warenkorb für Konsumausgaben des Jahres 2015 herangezogen. Im Vergleich zum bisher gültigen Basisjahr 2010 steigt damit laut Wagner die Gewichtung für den Bereich „Verkehr“ um 0,5 Prozentpunkte. Hingegen verringert sich die Gewichtung für „Energie“ um annähernd 1 Prozentpunkt.

Zusätzlich zu dieser üblichen Anpassung nennt Wagner methodische Änderungen bei der Berechnung des Preisindex für Pauschalreisen: „Zuvor änderte sich in der deutschen Preisstatistik die Gewichtung der Zielländer deutscher Pauschalreisender im Jahresverlauf. Beispielsweise hatten während der Winter- und Skisaison Pauschalreisen nach Österreich ein höheres Gewicht als im Herbst, wenn eher warme Reiseländer höher gewichtet wurden.“ Mit der neuen Methodik dagegen bleiben die Gewichte für Pauschalreisen in die jeweiligen Zielländer das Jahr über konstant.

Die Rückrechnung der Inflationszahlen bis Januar 2015 mit dem geänderten Warenkorb und den methodischen Änderungen nehmen die Statistiker in den kommenden Wochen vor und veröffentlichen die Werte am 21. Februar. Die für Dezember gemeldete Inflationsrate von 1,7 Prozent basiert noch auf dem alten Warenkorb bzw. der alten Methodik. „Unseren Schätzungen zufolge dürfte die Inflationsrate im Januar im Endeffekt nur leicht gegenüber Dezember gefallen sein, was hauptsächlich eine Folge der niedrigeren Energiepreise sein dürfte.“ So seien die Benzin- und Heizölpreise deutlich gefallen, was durch teureren Strom und teureres Gas nicht ausgeglichen worden sein dürfte. „Trotz dieser Anpassungen erwarten wir allerdings keine gravierenden Revisionen, die unser Inflations-Bild für Deutschland grundlegend ändern.“