Von Anleihen bis ETFs

Alexis Tsipras verblüfft die Märkte

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Der griechische ASE Index hat binnen zwei Handelstagen 16 Prozent zugelegt, angespornt von Anzeichen dafür, dass die neue Regierung ihre Haltung bei der Begleichung der Staatsschulden mäßigt. Es war der stärkste Anstieg des Aktienbarometers seit 1990. Die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen fiel am Dienstag um 1,43 Prozentpunkte auf 9,52 Prozent und bewegt sich damit rund 35 Prozentpunkte unterhalb der Rekordhöhen, die 2012 vor dem Schuldenschnitt erreicht wurden. Einem börsennotierten Fonds (ETF), der die Kursentwicklung griechischer Aktien widergibt, sind seit Jahresbeginn über 45 Millionen Dollar zugeflossen.

Die Trendumkehr zeigt, welche Gefahren es mit sich bringt, gegen Griechenland zu wetten. Der ASE hat in fünf Monaten 30 Prozent verloren, doch er hat in dieser Zeit auch sieben separate Rallies von 4 Prozent oder mehr erlebt - darunter auch den 11-Prozent-Anstieg vom Dienstag.

“Es ist schwierig, irgendwelche Prognosen zu machen”, sagte Veronika Pechlaner, Investmentmanagerin bei Ashburton auf der Kanalinsel Jersey. “Alles dreht sich um die Politik. Die eigentliche Knackpunkt kommt, wenn das Hilfsprogramm endet oder möglicherweise kurz danach. Das wahrscheinlichste Szenario für die meisten Beobachter ist nach wie vor, dass diese Verhandlungen einigermaßen gut verlaufen.”

In einem Land, dessen Wirtschaft in diesem Jahr nach der mittleren Prognose von Volkswirten in einer Bloomberg-Umfrage um 1,9 Prozent wachsen wird, zeigen die Aktien beträchtliche Widerstandskraft.

Vorige Woche fiel der ASE, getrieben vom Kursverfall der Bankaktien, auf den niedrigsten Stand seit September 2012, nachdem Syriza-Chef Alexis Tsipras die Wahl von 25. Januar nicht zuletzt wegen seines Versprechens gewonnen hatte, auf einen Erlass griechischer Schulden hinzuwirken.

Griechische Staatsanleihen haben unter 34 vom Bloomberg World Bond Index erfassten Schuldverschreibungen in den vergangenen drei Monaten die schlechtesten Erträge gebracht. Doch der Ausverkauf fiel wesentlich milder aus als 2012, als die Euroraum-Mitgliedschaft Griechenlands auf dem Spiel stand.

Am Dienstag erholten sich griechische Aktien und Anleihen, nachdem Finanzminister Gianis Varoufakis Pläne für einen Umtausch einiger Schulden gegen neue Papiere skizzierte.

“Die politische Rhetorik ist konstruktiver als von den meisten befürchtet”, sagte Espen Furnes vom Vermögensverwalter Storebrand Asset Management in Oslo. Zwar drohten ausländischen Besitzern griechischer Aktien im Fall eines Euro-Austritts des Landes Verluste, doch “diese Risiken haben sich etwas reduziert”, sagte er.

Wetten auf einen Rückgang des börsennotierten Global X FTSE Greece 20 ETF sind auf 8,3 Prozent der ausstehenden Aktien gefallen, wie Markit-Daten zeigen - deutlich unter den 20 Prozent vom Dezember. Im Januar flossen dem Fonds 43,8 Millioinen Dollar zu, soviel wie zuletzt im vergangenen März. Der Zufluss entspricht nach von Bloomberg zusammengestellten Daten rund einem Drittel des Marktwerts des ETF.

Der Optimismus schwappte am Dienstag auf alle Peripheriemärkte in Europa über. In Spanien stieg der IBEX 35 Index und in Italien der FTSE MIB Index um jeweils mehr als 2,5 Prozent. Der Stoxx Europe 600 legte 0,8 Prozent zu und steuerte auf ein 7-Jahres-Hoch zu.

“Die Risiken sind weniger hoch, nachdem die Regierung nach der Wahl ihre radikalen Forderungen nach einem Schuldenschnitt fallen ließ”, sagte Thanassis Drogossis, Leiter Aktienhandel bei Pantelakis Securities in Athen. “Ich bin sicher, dass Griechenland in den nächsten Monaten eine Vereinbarung erzielen wird, auch wenn der Weg dahin holprig sein könnte.”

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