Chris Bullock

Chris Bullock

„Von einer Blase bei Corporates kann keine Rede sein“

Chris Bullock ist Manager des Henderson Euro Corporate Bond Fund (WKN: A0YB5J).

Das laufende Jahr unterscheidet sich an den Kapitalmärkten vom vergangenen Jahr bislang in einem zentralen Punkt: Die Risikoneigung der Anleger hat deutlich zugenommen.

Eine von vielen Beobachtern erwartete große Rotation von Renten in Aktien wird es 2013 dennoch nicht geben. Insbesondere institutionelle Anleger bevorzugen weiter Zinspapiere – und in diesem Segment vor allem Unternehmensanleihen, denn Staatstitel bieten kaum noch attraktive Renditen oder bergen wegen sich häufender Abstufungen durch die Ratingagenturen mehr und mehr unkalkulierbare Risiken.

Weil der Run auf Corporates schon eine ganze Weile anhält und deren Kurse in die Höhe treibt, argwöhnen manche Anleger bereits eine Blasenbildung. Davon kann jedoch keine Rede sein: Die derzeit mit Unternehmensanleihen erzielbaren Renditen entschädigen Anleger immer noch adäquat für die vergleichsweise niedrigen Ausfallquoten. Angesichts der Liquiditätsüberschüsse, die viele Emittenten gegenwärtig verzeichnen, dürften die Quoten noch längere Zeit niedrig bleiben.

Dem anhaltenden Zufluss von Anlagekapital steht zudem ein Nettorückgang des Volumens ausstehender Anleihen gegenüber, der hauptsächlich auf den anhaltenden Schuldenabbau im Bankensektor zurückgeht.

>>Vergrößern


Aktive Manager gesucht

Nachdem sich der breite Markt für Unternehmensanleihen im Jahr 2012 sehr gut entwickelt hat, dürfte 2013 eher eine aktive Anlagestrategie zum Erfolg führen. Das Alpha wird somit stark an Bedeutung gewinnen.

Beispiele gibt es bereits genug: So sind bei fremdfinanzierten Übernahmeofferten – etwa bei Dell oder Heinz in den USA – Summen im Spiel, die man sich im vergangenen Jahr oder im Jahr davor gar nicht hätte vorstellen können. Entsprechende Spekulationen ranken sich auch um Kabel Deutschland und um das britische Telekommunikationsunternehmen Everything Everywhere.

Das zeigt, dass der Markt für Überraschungen gut ist – ein Grund mehr für die Annahme, dass gezieltes Stock- beziehungsweise Bondpicking in diesem Jahr einen großen Unterschied machen wird.

Weil angesichts der ungelösten Euro-Krise weiter viel Unsicherheit im Spiel ist, haben wir im Henderson Euro Corporate Bond Fund jüngst wieder eine defensivere Haltung eingenommen. So gewichten wir Unternehmensanleihen aus den Peripheriestaaten ebenso unter wie unbesicherte vorrangige Bankanleihen.

In einzelnen Bereichen eröffnen sich allerdings durchaus neue Chancen, besonders bei den BBB-Ratings und im Hochzins-Segment. Beispiele sind eine bis 2018 laufende Anleihe von Goodman Logistics, die derzeit eine Rendite von 3,1 Prozent aufweist, oder ein vier Jahre länger laufendes Papier von GKN mit 4,5 Prozent. Eine von dem australischen Energiekonzern Santos begebene Euro-Anleihe kommt – wenn sie erwartungsgemäß im September 2017 gekündigt wird – sogar auf 4,6 Prozent.    

>>Vergrößern


Über die Fondsgesellschaft: Die in London ansässige Gesellschaft, deren Wurzeln bis ins Jahr 1934 zurückreichen, verwaltet derzeit mit 270 Investment-Profis weltweit mehr als 80 Milliarden Euro. Zu ihren Kunden gehören neben Einzelanlegern auch Privatbanken, Versicherungen, Pensionskassen und staatliche Organe.

Die Produktpalette reicht von Aktien und Anleihen über Immobilien bis hin zu alternativen Produkten wie Private Equity und Hedgefonds. Chris Bullock managt zusammen mit Stephen Thariyan den 2012 mit einem Sauren Golden Award ausgezeichneten Henderson Euro Corporate Bond Fund.  

Mehr zum Thema
„Die Zypernkrise ließ den Brasilianischen Real aufwerten“ Telos-Rating: AA+ für DJE Renten Global Wie Sie im Jahr 2013 noch gute Erträge bei Unternehmensanleihen erzielen können