Henning Vöpel ist Direktor und Mitglied der Geschäftsführung von Hamburgisches Weltwirtschaftsinstitut

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Von „fat tails“ und „Fed tales“

US-Geldpolitik vor der Zinswende

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Das vergangene Woche veröffentlichte Protokoll der letzten Fed-Sitzung gibt sogar Hinweise auf eine etwas schnellere Zinswende als erwartet. Der erste Zinsschritt dürfte nun zur Mitte des kommenden Jahres anstehen.

Die US-Wirtschaft gibt Anlass hierfür: Die Arbeitslosigkeit ist in den USA auf rund 5 Prozent zurückgegangen. Der ehemalige Fed-Chef Bernanke hatte für die Zinswende eine Zielmarke von 6 bis 6,5 Prozent vorgegeben. Die ist nun schon deutlich unterboten, was seine Nachfolgerin Janet Yellen wohl zu der Wende bewegen wird.

Hierin zeigt sich der große Vorteil der Fed gegenüber der EZB: Sie kann sich in einer großen Volkswirtschaft wie den USA eher als andere Zentralbanken um das interne Gleichgewicht, also um Einkommen und Beschäftigung, kümmern.

Auch die US-Finanzmärkte funktionieren anders: Sie sind einerseits anfälliger für große Krisen, andererseits kann die Fed diese viel wirksamer bekämpfen. Die Geschichte der US-Geldpolitik ist daher eine Geschichte von fat tails und von Fed tales, von großen Finanzkrisen und ihrer wirksamen Bekämpfung.

Die EZB ist davon ein gutes Stück entfernt. Aber ihre Aufgabe ist auch ungleich schwieriger: In einem nicht-optimalen Währungsraum wie der Eurozone gibt es nicht DAS interne Gleichgewicht, sondern viele ganz unterschiedliche. Die EZB läuft daher Gefahr, permanent „wandernde Blasen“ im Euroraum zu erzeugen.

Die EZB wird daher weiter vorsichtiger agieren und noch weit bis in 2016 expansiv ausgerichtet bleiben. Die Entkopplung von Fed und EZB dürfte eines der beherrschenden Themen des kommenden Jahres auf den internationalen Finanzmärkten werden.

Die Fed steht kurz vor der Zinswende. Mitte 2015 dürfte der erste Zinsschritt erfolgen. Einmal mehr hat die Fed erfolgreich eine große Krise bekämpft. Die EZB wird noch mindestens zwei Jahre expansiv ausgerichtet bleiben. Damit entkoppelt sich der Euroraum von den USA.

Zurzeit sieht der Internationale Währungsfonds auf den internationalen Finanzmärkten viele Risiken der Weltwirtschaft nicht hinreichend bepreist. Mit einer unerwartet schnellen und kräftigen US-Zinswende dürften sich die Risikoprämien wieder stärker ausprägen – womöglich mit Folgen für den Euroraum. 

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