Constanze Hintze

Constanze Hintze

Von Statistiken und Störchen: Finanzdienstleisterin über die Frauenquote

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Schade. Es wird dann doch nichts mit der Quote. Denn eine wissenschaftliche Studie beweist: Ein größerer Frauenanteil in Unternehmensvorständen leistet der Zockerei Vorschub. Und das möchte selbst Frau von der Leyen nicht. Oder haben wir da was missverstanden?

Jetzt wissen wir es aus seriöser Quelle. Die Deutsche Bundesbank hat eine Studie in Auftrag gegeben, die unter anderem herausfinden sollte, wie sich ein höherer Frauenanteil in Bankvorständen auswirkt. Das Ergebnis überrascht: Die Risikofreude der Unternehmen steigt. Zwar nur marginal, sagt die Studie. Aber es gibt ja bislang auch nur wenige weibliche Vorstände. Gott sei Dank, sagt da mancher. Denn: Was soll erst passieren, wenn die Damen noch mehr Plätze an den Konferenztischen erobern? Eine richtig schlimme Finanzkrise womöglich.

Der Zusammenhang Frauen-Risikofreude ist genauso evident wie Störche-Geburtenrate

Es ist ja auch toll, wie einflussreich wir sind, wenn man uns nur den kleinen Finger gibt. Kaum gesellt sich eine Frau zu zwei, vier oder sechs Männern, schon wird riskanter investiert. Setzt sich da eine aggressive Minderheit handtaschenschwingend durch – oder beeinträchtigt gar die Anwesenheit einer Frau die Ratio der Herren? Möchten diese sie womöglich mit ein paar PS mehr beeindrucken? Wer weiß, ob nicht sogar Finanzberatung von Frauen durch Frauen das Risiko potenziert?

Man muss nur eins und eins zusammenzählen, und fertig ist eine aussagekräftige Studie: In Gegenden, in denen mehr Störche nisten, bekommen die Frauen deutlich mehr Kinder. Ergo: Der Storch bringt die Babys. Je mehr Ampeln pro Quadratkilometer, desto mehr Unfälle. Ergo: Weg mit dem Rotlicht! Je weniger Ampeln, desto höher die Geburtenrate. Ergo ...?

Na gut, auf dem Land gibt’s weniger Verkehr und weniger Straßen, traditionell größere Familien sowie mehr storchenfreundliche Kirchtürme und Tümpel. Als Frau sehe ich eben alles zu kompliziert.

Immer mehr Männer schätzen die „weibliche“ Perspektive bei der Finanzberatung

Statistiken lügen nicht. Ich habe auch welche. Nach Studien einer großen Bank haben die Depots von Frauen in den extremen Turbulenzen der letzten Jahre deutlich geringere Verluste eingefahren als jene der Männer. In meinen 25 Jahren Erfahrung im Finanzwesen habe ich Frauen generell viel besonnener und weniger risikobegeistert als Männer erlebt. In meiner täglichen Arbeit muss ich sie jedenfalls kaum je bremsen, sondern eher ermutigen, mal etwas mehr zu wagen, um bessere Renditen zu ermöglichen.

Wir bei Svea Kuschel + Kolleginnen bieten Finanzdienstleistungen von Frauen für Frauen. Unsere Beratung setzt auf Verständlichkeit und ein vernünftiges Verhältnis von Chancen und Risiken. Interessanterweise schätzen immer mehr Männer diese „weibliche“ Perspektive. Die Zahl unser weiblichen und männlichen Kunden wächst – und unser Unternehmen auch. Aus anfänglich drei Mitarbeiterinnen wurden inzwischen 13. Auch über die Krisenjahre hinweg hatte dieses Frauen-geführte Finanzunternehmen immer grundsolide Bilanzkennziffern und positive Ergebnisse.

Bei Hypo Real Estate, IKB, BayernLB, WestLB oder Q-Cells hatten Männer das Sagen. Müller Brot dagegen soll jetzt von einer Frau gerettet werden. Dazu passt übrigens eine andere Studie, die dieselben Wissenschaftler vor kurzem veröffentlicht haben. Sie stellen darin eine Tendenz fest, dass in Banken gerne gerade dann die schwierigeren Jobs an Frauen vergeben werden, sobald ein Institut in Schwierigkeiten gerät. Nicht vorher. Da kann man jetzt grübeln, warum: Als Sündenböcke, weil sie eben doch überlegter zu Werke gehen – und/oder weil man sich halt daran gewöhnt hat, dass Frauen hinter den Jungs aufräumen müssen?


Zur Person:
Constanze Hintze ist Finanzberaterin und Geschäftsführerin von „Svea Kuschel + Kolleginnen, Finanzdienstleistungen für Frauen“ (www.svea-kuschel.de). Ihr jüngstes Buch „Vermögensplanung und Altersvorsorge für Frauen“ ist 2011 im Münchner Kösel-Verlag erschienen.

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