Marc-Oliver Lux

Marc-Oliver Lux

Von wegen sicher: Vermögensverwalter über Bankeinlagen

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Den Privatanlegern wird mit Zypern plastisch vor Augen geführt, dass Sparbücher sowie Tages- und Festgelder - des Deutschen liebste Anlagevehikel - mitnichten sichere Geldanlagen sind. Zypern hat gezeigt: In der Not geht es auch ans Sparbuch. Alles über der EU-Einlagensicherung von 100 000 Euro soll einkassiert werden.

Klar, Deutschland ist nicht Zypern. Aber auch die deutschen Sparer würden bei einer Notlage bluten müssen – trotz aller Einlagensicherung, trotz aller Beteuerungen von Kanzlerin Angela Merkel, dass die Sparbücher sicher sind. Geben wir uns keiner Illusion hin!

Aber wie kann das sein? Den wenigsten Anlegern ist bewusst, dass Einlagen (auf Giro-/Spar-/Festgeld-/Tagesgeld-Konten) bei der Bank immer einen Kredit darstellen. Wie bei jedem Kredit erhält der Sparer dafür Zinsen und einen Rückzahlungsanspruch. So weit so gut.
Insofern gibt es im Prinzip an einer Beteiligung von Sparern an einer Bankpleite auch nichts zu beanstanden.

Denn wenn Anleger Kreditinstituten Geld leihen, sind sie nichts anderes als Gläubiger, die wie in jedem Unternehmen bei einer Insolvenz bluten müssen. Für das Risiko bekommen sie den Sparzins als Prämie bezahlt. Und die Bank kann auf der anderen Seite den Kredit aus den Spargeldern für ihr Geschäft nutzen und damit einen Profit erzielen. Je wackeliger die Bank, desto höher muss logischerweise der gebotene Sparzins sein.

Nur deshalb konnte eine Kaupthing Bank vor ihrer Pleite noch 4 Prozent Zinsen pro Jahr bieten bei einem Zinsniveau, das bereits deutlich darunter lag. Es war nur ein Signal für die bereits miserable Refinanzierungssituation der Bank und nicht, weil die Bank ihren Kunden etwas Gutes tun wollte. Geld bei der Bank ist daher immer nur solange sicher, wie die Bank solvent bleibt. Anleger, die der isländischen Kaupthing Bank Geld anvertraut hatten, hatten lediglich Glück, dass sie trotzdem voll entschädigt wurden.

Zwar gibt es in Deutschland neben dem gesetzlichen Einlagenschutz auch die zusätzliche Absicherung in den Verbünden der Sparkassen, Volksbanken und privaten Banken. Durch die Intention der EU eine einheitliche Einlagensicherung für alle Länder einzuführen, werden die nationalen Sicherungssysteme jedoch an Bedeutung verlieren.

Heute ist der Kunde bei deutschen Banken noch besser gestellt - auch wenn das System im Ernstfall wohl nicht voll belastbar wäre. In Zukunft werden 100000 Euro die Grenze zwischen relativer Sicherheit und Totalverlust-Risiko darstellen.

Bis zu dieser Grenze macht der Schutz des Kleinsparers durch den Staat bzw. am Ende durch den Steuerzahler jedoch auch Sinn. Denn das Sparbuch ist eine Basisabsicherung für die Bürger. Sie benötigen das Geld, um in unerwarteten, schwierigen Lebenssituationen nicht in Probleme zu geraten.

Sparen ist außerdem wichtig im Sinne der Volkswirtschaft, im Sinne der Unternehmen, die sich Geld leihen müssen. Besser situierte Sparer müssen mit den Risiken am Markt leben und können sich nicht der Verantwortung entziehen, sich über die richtige Geldanlage Gedanken zu machen.

Unser Rat:

Anleger sollten den Fall Zypern zum Anlass nehmen, ihre Investmentpolitik zu durchleuchten. Was gibt es für Alternativen zu Sparbuch, Tages- und Festgeld? Da Bankeinlagen mit Minizinsen nicht so sicher sind, wie sie scheinen, sollten Anleger ihre Anlagen konsequent breiter streuen, insbesondere auf andere liquide Anlageklassen.

Wertpapiere sind dafür prädestiniert. Sie werden im Insolvenzfall vom Vermögen einer Bank ausgesondert (sofern es sich nicht gerade um Bankanleihen desselbigen Instituts handelt).


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