Die Angst vor Altersarmut eröffnet Finanzberatern potenziell noch enormes Geschäftspotenzial: 61 Prozent der 18- bis 60-Jährigen in Deutschland sorgen sich um ihre finanzielle Zukunft im Alter, doch nur 13 Prozent fühlen sich gut informiert, und lediglich jeder Fünfte ließ sich in den vergangenen zwei Jahren professionell beraten. Das zeigt der aktuelle „Altersvorsorge Monitor 2025“ des Marktforschungsunternehmens Nordlight Research und des Instituts Wirtschaft und Gesellschaft (IWG), für den 2.026 Bundesbürger befragt wurden.
Während 62 Prozent der Deutschen es für wichtig halten, sich zur Altersvorsorge beraten zu lassen, klafft eine große Lücke zwischen Bedarf und tatsächlicher Inanspruchnahme professioneller Hilfe. Nur fünf Prozent der Befragten gehen davon aus, bereits ausreichend für das Alter vorgesorgt zu haben – ein deutliches Signal auch für ungedeckten Beratungsbedarf.
Altersvorsorge: Überforderung und Angst
Die Studie verdeutlicht ein paradoxes Bild: Während 95 Prozent der Menschen in Deutschland die Notwendigkeit privater Altersvorsorge anerkennen und 80 Prozent diese als sehr wichtiges Sparziel betrachten, machen die Studienautoren Ängste und Überforderung dafür verantwortlich, dass viele das Thema verdrängten oder davor zurückschreckten.
Dabei wäre der Vorsorgebedarf enorm: Nach eigener Einschätzung müssten die Befragten monatlich im Mittel 280 Euro mehr an Sparbeträgen zurücklegen, als sie es bisher tun, um ihren gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten. Besonders bedroht sehen die Bundesbürger ihre Altersvorsorge durch stark steigende Lebenshaltungskosten (56 Prozent) und die Inflation (52 Prozent).
Drei Zielgruppen für Finanzberater
Interessant für die Finanzbranche: Die Forscher identifizierten drei verschiedene Altersvorsorgetypen mit unterschiedlichen Hintergründen und Bedürfnissen:
Zuversichtlich-Planende (41 Prozent): Diese Gruppe ist jünger, überwiegend männlich und finanziell gut ausgestattet. Sie steht meist am Anfang der Vorsorgeplanung, zeigt hohes Engagement, könnte mehr investieren und dabei auch etwas riskieren.
Konservativ-Vorsorgende (25 Prozent): Eher ältere Personen, zu gleichen Teilen Frauen und Männer, die bereits aktiv vorsorgen. Sie gehen pflichtbewusst vor, sind aber wenig an Altersvorsorgethemen interessiert.
Überfordert-Ängstliche (34 Prozent): Meist mittleren Alters und mehrheitlich Frauen. Für sie ist Altersvorsorge ein Schmerz-Thema, das durch Komplexität überfordert. Ihre finanziellen Möglichkeiten sind stark beschränkt.
Aufklärung und Transparenz gewünscht
Insgesamt wäre es Verbrauchern besonders wichtig, transparent über Vor- und Nachteile einzelner Vorsorgeprodukte aufgeklärt zu werden, ermittelten die Studienautoren. Auch wünschten sie sich konkret solche Anlaufstellen für Informationen und Beratung zur Altersvorsorge, die nicht interessengeleitet seien, sondern auf unabhängiger Basis agierten. Ebenso gewünscht wäre, das Thema Altersvorsorge schon im Schulunterricht vermittelt zu bekommen. Drei von vier Verbrauchern würden sich mehr staatliche Unterstützung bei eigenen Anstrengungen zur Altersvorsorge wünschen.
Die erheblichen Informationsdefizite, die die Studie zutage fördert, bieten Finanzberatern potenziell viele Chancen: So gaben nur elf Prozent der Befragten an, sich mit Themen der Altersvorsorge gut auszukennen. Mehr als jeder Dritte sieht sich dagegen ausdrücklich als nicht kompetent an – weitgehend unabhängig vom Alter. Diese Wissenslücken spiegeln sich auch im Umgang mit der gesetzlichen Rente wider: Rund 40 Prozent der Befragten können sich nur rudimentär oder gar nicht an Informationen aus ihrer letzten Renteninformation erinnern, wie die Studie aufdeckt.
Neben der gesetzlichen Rente, die nur 21 Prozent für ausreichend halten, setzen hiesige Verbraucher auf verschiedene Vorsorgelösungen: Am häufigsten nannten die Befragten Ersparnisse auf dem Konto und selbst abgeschlossene Spar- und Anlageprodukte. 41 Prozent nutzen betriebliche Altersvorsorge – allerdings meist auf Initiative des Arbeitgebers. 15 Prozent planen mit Immobilien für ihre Altersvorsorge.
Altersvorsorge: Externe Hilfe gefragt
„Im Ganzen wirken die von den Bundesbürgern bisher getroffenen Maßnahmen zur Altersvorsorge wenig koordiniert und proaktiv“, findet Torsten Melles, Geschäftsführer bei Nordlight Research. Seine Beobachtung darf der Finanzvertrieb getrost als Appell verstehen: „Zugleich ist der Ruf nach mehr externer Unterstützung sehr stark ausgeprägt.“
Besonders ausgeprägt ist die Angst vor Altersarmut laut der Studie bei Frauen – mit 67 Prozent gegenüber 55 Prozent bei Männern. Auch jüngere Menschen unter 40 Jahren (65 Prozent) sorgen sich stärker als die 40- bis 60-Jährigen (57 Prozent).
„Anbieter von Altersvorsorgeprodukten sowie politisch Verantwortliche sollten unterschiedliche Voraussetzungen und Bedarfe in der Bevölkerung differenzierter als bisher adressieren“, sagt Hans Melchiors, Direktor beim Institut Wirtschaft und Gesellschaft. Beide sollten gemeinsam den weit verbreiteten Ängsten vor Altersarmut mit „konstruktiven Lösungsangeboten“ begegnen – eine Aufgabe, bei der auch Finanzberater eine Schlüsselrolle spielen können.


