Silvester-Feuerwerk: Vor dem Jahreswechsel machen an den Finanzmärkten Szenarioanalysen die Runde. | © Getty Images

Vor dem Jahreswechsel

Vermögensverwalter warnt vor Szenarioanalysen

Wer kennt sie nicht? Szenarioanalysen mit einem Best-Case, Worst-Case und Main-Case, die mit den dazugehörenden Prognosen und Eintrittswahrscheinlichkeiten angereichert werden. So sehen sich Anleger zum Jahreswechsel in Strategiegesprächen häufig mit einem Hauptszenario konfrontiert, bei dem die Eintrittswahrscheinlichkeit laut den Analyseabteilungen der Finanzinstitute am höchsten ist.

Nicht selten wird dies dann mit Grafiken garniert, die die Finanzmarktentwicklung fürs kommende Jahr für die drei Szenarien hypothetisch veranschaulichen. Doch was sollen Anleger damit anfangen?

Was hilft einem Anleger die Aussage, dass der DAX im Hauptszenario, das über eine Eintrittswahrscheinlichkeit von atemberaubenden 60 Prozent verfügt, am Jahresende 2020 auf 14.000 Punkte prognostiziert wird? Ein Schelm, der Böses dabei denkt, wenn das Worst-Case-Szenario in solchen Analysen regelmäßig mit der geringsten Eintrittswahrscheinlichkeit präsentiert wird.

Szenarioanalysen stammen aus der Betriebswirtschaftslehre

Dabei ist klar, warum derartige Szenarioanalysen gut ankommen: Einerseits sind Szenarioanalysen ein wichtiges Instrument aus der Betriebswirtschaftslehre, die Entscheider dabei unterstützen sollen, sich mit künftigen Entwicklungen analytisch auseinanderzusetzen. Vor allem werden Entscheidungen dadurch rationalisiert und nachvollziehbar.

Darüber hinaus lässt sich auf der Basis von Szenarioanalysen auch Risikomanagement ableiten, welches für das Controlling von Entscheidungen im Management-Regelkreis für die wichtigen Rückkoppelungen sorgt. Andererseits gieren alle Anleger danach, zukünftige Entwicklungen kalkulierbar zu machen. Durch Szenarioanalysen werden von Unsicherheit geprägte, zukünftige Entwicklungen planbarer als ohne.

Gefährlich werden Szenarioanalysen allerdings dann, wenn sie falsch eingesetzt werden. So können durch ausgefeilte mathematische Konzepte, wie beispielsweise bei der Value-At-Risk-Methode, Ausfallwahrscheinlickeiten mittels Konfidenzniveaus heruntergerechnet werden, um so Sicherheit zu suggerieren: Wie existenzbedrohend ein Restrisiko von 5 Prozent in der Realität werden kann, weiß man spätestens seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers.

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