Im Krankenhaus: Zielke Research stellt der PKV ein sehr gutes Zeugnis aus. | © Pixabay Foto: Pixabay

"Vor dem Tsunami"

Kündigungswelle bei Lebensversicherern erwartet


Den Lebensversicherungen dürfte eine Kündigungswelle bevorstehen, so lautet das Fazit der Versicherungsstudie 2020 des Aachener Analysehauses Zielke Research Consult. Viele Menschen wie beispielsweise Kulturschaffende würden flüssige Mittel benötigen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern und hätten kein Geld mehr für die Versicherung übrig, begründen die Studienautoren. Sie empfehlen Versicherern stärker auf die Beleihung zu setzen, um so Zinsgewinne und Überschussbeteiligungen des Kunden soweit möglich zu sichern.


Versicherer sollten ihren Kunden zeigen, dass es sich lohnt, die Versicherung zu halten“, so Zielke Research. Hierzu gehöre auch sich an den sogenannten ESG-Kriterien (Environmental Social Governance, also umweltfreundlich, sozial, ethisch) zu orientieren und mit nachhaltigem Wirtschaften zu werben.


Außerdem empfehlen die Forscher, die Investmentspolitik zu ändern und die Aktienquote zu erhöhen. „Nur eine höhere Aktienquote kann den Lebensversichern aus der Misere helfen“. In Österreich beträgt der Anteil der Aktien am Anlagekapital 15 Prozent. „Hätten die deutschen Versicherer ähnlich wie die Österreicher gehandelt, hätten sie heute keine Probleme, ihre Garantieversprechen einzuhalten“, erklärt Zielke-Research-Chef Carsten Zielke.


Die PKV ist solvent


Den privaten Krankenversicherern (PKV) stellen die Forscher in der Corona-Pandemie ein hervorragendes Zeugnis aus. Dass Deutschland rein rechnerisch 33,9 Intensivbetten pro 100 000 Einwohner hat, habe zur weltweit niedrigsten Todesfallrate beigetragen. „Ohne den Anteil der PKV von 22 Prozent am Gesamtvolumen wäre an diese Bettenkapazität nicht zu denken gewesen, liegt das OECD-Mittel bei nur 15,9 Betten (Italien 8,6)“, schreiben die Forscher. Deshalb seien die regelmäßig auftauchenden Diskussionen um eine „Bürgerversicherung“ nicht zielführend.


Die PKV ist laut Studie solvent. „Allerdings ist die hauptsächlich auf Staatsanleihen fußende Anlagepolitik bei vielen Versicherungen zu konservativ“, schreiben die Forscher und empfehlen auch hier einen höheren Aktienanteil.


Eine Möglichkeit der Kostensenkung sei zudem aktives Gesundheitsmanagement, beispielsweise Videos und Tipps zu Sport, Ernährung und anderen gesundheitsfördernden Maßnahmen. „In diesem Bereich hat sich besonders die Allianz gesteigert“.

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