Jeff Hochmann von Fidelity

Jeff Hochmann von Fidelity

„Vor der Jahresendrally kommt erst eine Korrektur“

Jeff Hochman ist Leiter der Technischen Analyse bei der Fondsgesellschaft Fidelity Worldwide Investment.

Die Wirtschaftsdaten und Nachrichten der vergangenen Tage waren nicht besonders ermutigend. Im Kontrast zur allgemein zurückhaltenden Stimmung steht aber die tatsächliche Wertentwicklung der Aktienmärkte.

Weltweit liegen die meisten Aktienmärkte seit Jahresanfang im Plus, viele sogar mit zweistelligen Gewinnzuwächsen. US-amerikanische und britische Aktienindizes haben kürzlich sogar historische Höchststände erreicht, wenn man den Gewinn inklusive wiederangelegter Dividenden betrachtet.

Dennoch ist das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für viele Aktienmärkte im historischen Vergleich günstig: Es liegt aktuell im niedrigen zweistelligen Bereich, zum Beispiel bei 10,7 in Großbritannien oder 11,7 in den Schwellenländern. Allerdings waren die Bewertungen in den jüngsten Korrekturphasen noch niedriger.

Das dürfte viele Anleger noch auf die nächste Korrektur warten lassen. Charttechnisch zeichnet sich für den Herbst eine mögliche Korrektur ab, gefolgt von einer erneuten Rally bis zum Jahresende.

Die Sicht, dass eine kurzfristige Verkaufswelle bevorsteht, wird aktuell auch von den meisten die Investorenstimmung messenden Indikatoren unterstützt. So steht der Chicago Board Options Exchange Market Volatility Index, kurz VIX, derzeit bei ungefähr 15 Punkten.

Ein so niedriger Wert könnte darauf hindeuten, dass die Investoren zu zuversichtlich sind. Das kann wiederum dazu führen, dass die Volatilität zumindest kurzfristig zunimmt, bevor sie sich wieder stabilisiert.

Wenn der Markt im Herbst zwischen 5 und 10 Prozent verlieren sollte, böte sich aus meiner Sicht eine gute Kaufgelegenheit. Auf dem Niveau erwarte ich einen Widerstand und auf Sicht von fünf bis zehn Jahren hervorragende Wertzuwachschancen.

Renditen sicherer Staatsanleihen haben ihren Boden erreicht

Die Ängste um die Eurozone haben in den vergangenen Monaten für riesige Zuflüsse in vermeintlich sichere Staatsanleihen wie Bundesanleihen gesorgt und deren Renditen entsprechend gedrückt. Langsam sieht es aber so aus, als hätten diese teils negativen Renditen ihre Talsohle erreicht.

Langfristig und mit Blick auf historische Mittelwerte werden auch die Renditen der Anleihen bonitätsstarker Staaten wieder ansteigen. Das nicht zuletzt auch, weil der Nimbus von deutschen und US-Staatsanleihen als sichere Häfen langsam verblasst.

Kurzfristig würden weitere quantitative Lockerungsmaßnahmen ihre Renditen zwar niedrig halten. Sie dürften den jetzigen Tiefpunkt aber nicht mehr unterschreiten. Und es ist meiner Meinung nach unwahrscheinlich, dass sie in den nächsten zwölf Monaten so niedrig bleiben.

Ben Bernanke hat am Freitag ja schon die Möglichkeit weiterer Anleihenkäufe durch die Fed in Aussicht gestellt. Nun wird es spannend, ob und welche konkreten Programme Mario Draghi am Donnerstag und der Fed-Vorstand in zwei Wochen vorstellen werden.

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