Im September musste die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) wieder einmal diverse Finanzmarktteilnehmer verwarnen und Ermittlungen einleiten. Besonders häufig ging es um Bankgeschäfte oder Finanzdienstleistungen ohne die dafür nötige Erlaubnis nach deutschem Kreditwesengesetz (KWG) oder Wertpapierinstitutsgesetz (WpIG). Auch gegen Betrug mit Whatsapp-Gruppen und unter falschem Namen schritten die Finanzaufseher ein.

Hier kommt der Überblick:

Warnung vor Whatsapp-Angeboten

Immer öfter werden unseriöse Angebote in Whatsapp-Gruppen veröffentlicht. Häufig nutzen die Betrüger die Namen bekannter Unternehmen. Dabei sei der Ablauf meist ähnlich, schreibt die Bafin auf ihrer Website. Zusammengefasst läuft der Betrug meist wie folgt ab:

  • In Werbeanzeigen in sozialen Medien wird mit kostenlosen Aktientipps geworben, Verbraucher werden aufgefordert, Whatsapp-Gruppen beizutreten.
  • In den Gruppen teilen vermeintliche Experten ihr Wissen und empfehlen bestimmte Anlagemodelle oder Aktien, oft gibt es zusätzlich Seminare.
  • Meist wird dann ein Finanzinvestitionssystem vorgestellt, mit dem sich hohe Gewinne erzielen lassen sollen. Anleger werden aufgefordert sich über eine Online-Handelsbörse oder App anzumelden und dort zu handeln. Das Geld wird dabei meist über ein ausländisches Konto oder Kryptowerte eingezahlt.
  • In der Regel erhöhen die Betreiber dann den Druck auf Anleger, weitere Einzahlungen zu leisten. Manchmal gibt es zunächst kleinere Auszahlungen, um Vertrauen aufzubauen. 
  • Im weiteren Verlauf sind Auszahlungen dann jedoch an Bedingungen geknüpft oder nicht mehr möglich. Schließlich sind die vermeintlichen Experten nicht mehr erreichbar und das investierte Geld ist weg.

Im Namen von MFS Investment Management tritt ein angeblicher Mitarbeiter – David A. Falco – in Whatsapp-Gruppen und -Chats an Anleger heran. Er empfiehlt den Kauf verschiedener Finanzinstrumente und Kryptowährungen, die sich angeblich über die App MFSDMA handeln lassen. Die Angebote stammen jedoch nicht von dem Asset Manager, warnt die Bafin. 

Ähnlich steht es um Whatsapp-Gruppen, die angeblich von State Street Investment Management unter der früheren Firmierung State Street Global Advisors (SSGA) betrieben werden. Es wird fälschlicherweise behauptet, die Chats würden von dem Mitarbeiter Michael J. Solecki und seiner angeblichen Assistentin Talia König geleitet. Zwar gibt es bei State Street Investment Management einen Mitarbeiter mit diesem Namen, er hat jedoch mit den Whatsapp-Gruppen nichts zu tun.

Auch unter dem Namen GS Force wenden sich vermeintliche Betrüger per Whatsapp an Anleger. Die Gruppen tragen laut Bafin die Namen „Portfolio Lerngruppe“, „E1 Porftolio Lerngruppe“, „Wertinvestitionskreis VIP-E05“, „VIP-Gruppe“ und „VIP-A11 Vermögenswachstumsplan“. Bei den Mitgliedern wird dafür geworben, über die GS-Force-App mit Finanzprodukten zu handeln. Die Bafin weist darauf hin, dass die Betreiber nicht von der Finanzaufsicht beaufsichtigt werden und nicht – wie teilweise behauptet – mit der Goldman Sachs Bank Europe SE und der Goldman Sachs International Bank Zweigniederlassung Frankfurt in Verbindung stehen.

Besonders dreist geht ein Anbieter namens S Broker vor, der über Whatsapp-Gruppen, die Handels-App Sbroke PRO und die Website stocks.sbroker-pro.com agiert. Das Unternehmen S Broker AG & Co. KG gibt es wirklich. Teils werden sogar Namen von tatsächlichen Mitarbeitern genannt, die mit dem Angebot nichts zu tun haben. Die Betrüger gehen aber noch weiter: Ihr Anlageangebot werde persönlich von Thorsten Pötzsch, Exekutivdirektor der Bafin, empfohlen, heißt es. Das trifft selbstverständlich nicht zu. 

Weitere ähnliche Fälle:

  • Die Bafin warnt unter anderem vor verschiedenen Whatsapp-Gruppen, die von der Firma ZKTrade Pro betrieben werden – darunter „F99-DAX Chancen verändern die Zukunft“ und „(B1)DAX Chancen verändern die Zukunft“. Die unbekannten Betreiber fordern in den Chats Verbraucher auf, über die App ZKTrade Pro Finanzprodukte zu handeln. 
  • Nordstern Kapitalmanagement GmbH Ltd. wirbt auf der Website nordfunding.com sowie in Whatsapp-Gruppen wie „WertPioniere 021“ oder „Marktimpulse VIP“ für den Kauf von Finanzinstrumenten und Kryptowährungen.
  • Für die App „C-Rax MAX“ („CryptoraX“), über die sich Finanzprodukte handeln lassen, wird in Whatsapp-Gruppen mit den Namen „Shenkman Börsenforum“ und „Shenkman Börsenforum-52“ geworben. Das Angebot stammt nicht, wie angegeben, von Shenkman Capital Management, stellt die Bafin klar.
  • Die Bafin warnt vor Whatsapp-Gruppen der Enable Business Academy, in denen für die Apps TG TradeX und TG TradePlus geworben wird – darunter „Aktienmarkt Insights DE 777“ und „VIPX605-Ressourcen-Linkseite-Enable“. Die Gruppen werden angeblich von Herrn Professor Joris Tann geleitet. Ob diese Person wirklich existiert, sei fraglich. Auch über die Website enblinvest.com tritt das Unternehmen auf.
  • Das vermeintlich amerikanischen Unternehmens Vyntor Global Group Ltd wendet sich in Whatsapp-Gruppen und -Chats an Anleger in Deutschland. Verbraucher werden dazu verleitet, sich in App-Stores die App VYNTOR herunterzuladen, um darüber mit Aktien zu handeln. Den unbekannten Betreibern werden auch die Webseiten www.vyntor.com, www.vyntor.net und www.vyntor-service.com zugeordnet.
  • Die Bafin warnt zudem vor Whatsapp-Gruppen, die vorgeblich von dem amerikanischen Unternehmen Bergstein Solutions LLC betriebenen werden. Die unbekannten Betreiber fordern darin Anleger auf, über die App „BergsteinSolution“ und die Website daadacr.com Finanzprodukte zu handeln. Ein Unternehmen mit diesem Namen existiert tatsächlich, es hat mit dem Angebot jedoch nichts zu tun.
  • Vorsicht ist auch bei den Whatsapp-Gruppen „Aktienmarkt Gold Investment Exchange Group“, „Chatroom für Anlagestrategien“, „Kapitalwachstums-Austauschgruppe“ und „Börsen-Navigator“ geboten, über die die App ADT-IATOP angeboten wird. Die Gruppen werden angeblich von der Advent International Group betrieben, auch eine Bafin-ID wird genannt. Es handele sich jedoch um Identitätsdiebstahl.
  • Gleiches gilt für Whatsapp-Gruppen, die angeblich von von der CAM Alternatives GmbH bzw. der AltamarCAM Partners Gruppe betrieben werden – auch dies ein Identitätsdiebstahl. Die Gruppenmitglieder können angeblich über ein CAM-Institutskonto am vorbörslichen Aktienhandel teilnehmen. Dazu wird die APP ATMac genutzt. 
  • Ein weiterer Fall sind Whatsapp-Gruppen und Chats mit Anlagemepfehlungen, die angeblich von Balyasny Asset Management betrieben und von dessen Geschäftsführer Dmitry Balyasny und seiner Assistentin Anna Smith geleitet werden. Die Angebote stammen nicht von dem genannten Unternehmen.
  • Über diverse Whatsapp-Gruppen tritt auch die angebliche Stiftung CFIEE Council for International Economic Education an Anleger heran. Die Existenz von Professor Andreas Graf und Professor Steffan Albrecht, die diese Gruppen leiten, sei fraglich, heißt es von der Bafin. Die Gruppenmitglieder können angeblich über eine Krypto-Börse unter www.coinvitax.live und die APPs Coinvitax-Ex und CoinvitaX handeln.
  • Auch Eisberg Capital Partners (ECP) wirbt über den Messengerdienst für den Kauf von Finanzinstrumenten und Kryptowährungen sowie für sogenanntes Daytrading in der App FCRM Exchange. Die Chats werden von Benedikt Bergmann und seiner Assistentin Leona geleitet – vermutlich keine real existierenden Personen. 
  • Die Betreiber der Whatsapp-Gruppe „Mutige Vordenker28“ und der Telegram-Gruppe „VIP Strategieraum“ geben sich als David Flinn von Bain Capital aus und empfehlen unter anderem die App BainESG. Es handelt sich um doppelten Identitätsdiebstahl: Flinn, der Managing Director bei Bain Capital ist, sowie seine Firma haben mit dem Angebot nichts zu tun.
  • Die Bafin warnt vor Nutzung der App PBMC und Angeboten von HIG Investment Management, für die unter anderen in der Whatsapp-Gruppe „Deutsch-Amerikanischer Handelsclub A85“ geworben wird. Die Bafin hat Zweifel, dass das Unternehmen tatsächlich existiert, gleiches gilt für die Moderatoren der Gruppen, die als Lisa Bergmann, Claudia Richter oder David Kraft auftreten.
  • Gleiches gilt für die Whatsapp-Gruppe „BWA Club für Vermögensaufbau V7“, die angeblich von Herrn Professor Alex Smith geleitet wird. Die Person existiert vermutlich nicht. Betreiber der Gruppe ist vorgeblich Bridgewater Associates – wahrscheinlich ein Identitätsdiebstahl.

Vorsicht, betrügerisches Jobangebot

Immer wieder weist die Bafin auf vermeintlich lukrative Jobangebote von dubiosen Anbietern hin. Im September warnt die Finanzaufsicht vor Jobs unter anderem als „Support (m/w/d) für Handelssysteme – im Home Office“, die über die Website axl-staking.de angeboten werden. Diese Stellenangebote stammen nicht – wie angegeben – von der in Berlin ansässigen Standard Data GmbH. Die Tätigkeit bestehe darin, auf den eigenen Namen ein Konto zu eröffnen und es für Einzahlungen, den Erwerb von Kryptowerten und deren Weiterleitung zur Verfügung zu stellen.

Die Finanzaufseher haben bereits mehrfach davor gewarnt, auf solche Angebote einzugehen. Wer in Deutschland Zahlungsdienste sowie Kryptowerte-Dienstleistungen anbietet, benötigt dazu die Erlaubnis der Bafin – diese fehlt Firmen, die solche Jobangebote unterbreiten, in der Regel. Das Geld, das weitergeleitet werden soll, stamme zudem vermutlich von Personen, die Opfer krimineller Handlungen geworden sind.

Wer auf ein solches Angebot eingeht, macht sich strafbar. Zudem könnten die Personen, von denen das Geld ursprünglich stammt, Rückzahlungsansprüche geltend machen. Eine weitere Gefahr: Auch die persönlichen Daten der Bewerber könnten für kriminelle Zwecke missbraucht werden. Wer auf ein solches Jobangebot stößt, sollte die Polizei einschalten.