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Schlimme Finger im Juli 2023 Vor diesen Finanzdienstleistern warnt aktuell die Bafin

Bitcoin-Automat
Bitcoin-Automat: Im Juli musste die Bafin unter anderem bei einer Firma eingreifen, die in Deutschland ohne Erlaubnis Krypto-Automaten aufgestellt hat. | Foto: Jessica Hunold/Christoph Fröhlich mit Canva

Im Juli musste die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) wieder einmal diverse Finanzmarktteilnehmer verwarnen und Ermittlungen einleiten. Besonders häufig ging es um Bankgeschäfte oder Finanzdienstleistungen ohne die dafür nötige Erlaubnis nach deutschem Kreditwesengesetz (KWG) oder Wertpapierinstitutsgesetz (WpIG). Auch gegen ein vermeintlich lukratives Jobangebot sowie Betrugsversuche in Namen falscher Behörden schritten die Finanzaufseher ein. Hier kommt der Überblick:

Vorsicht, dubioses Jobangebot

Immer wieder weist die Bafin auf vermeintlich lukrative Jobangebote von dubiosen Anbietern hin. Oft verwenden die Betrüger dafür unberechtigterweise die Namen existierender Unternehmen – so auch in diesem Fall.

So sucht angeblich Oleander Capital Management GmbH aus Frankfurt am Main eine „Administrative Fachkraft im Home-Office“. Wie die Bafin klarstellt, stammt das Stellenangebot nicht von der genannten Firma, es handele sich um Identitätsdiebstahl. Die Tätigkeit bestehe darin, unter eigenem Namen ein Handelskonto einzurichten, die dort eingehenden Gelder in Bitcoin umzuwandeln und an andere Konten weiterzuleiten, schreibt die Finanzaufsicht. Es sei davon auszugehen, dass das Geld von Personen stamme, die Opfer krimineller Handlungen geworden seien.

 

Wer ein solches Jobangebot annimmt, warnt die Bafin, helfe nicht nur Betrügern, sondern mache sich auch selbst strafbar. Zudem könnten die Betrugsopfer gegen Helfer Rückzahlungsansprüche geltend machen. Für den Transfer von Geldern wird in Deutschland eine Erlaubnis der Finanzaufsicht benötigt. Um ein legales Geschäftsmodell vorzutäuschen, werde häufig eine „Anmeldung des privaten Kontos bei der Bafin“ in Aussicht gestellt. Bei der Finanzaufsicht könnten jedoch keine privaten Konten angemeldet werden, stellt die Bafin klar. Das gelte ebenso für das Finanzamt.

Finanzgeschäfte unter falschem Namen

Um zu verschleiern, dass ihnen die Erlaubnis für Finanzgeschäfte fehlt, nutzen Betrüger häufig die Namen bestehender Unternehmen. Unter dieser falschen Identität werden dann vermeintliche Finanzangebote unterbreitet. Teilweise kopieren Kriminelle dafür ganze Internetseiten – im vergangenen Jahr war etwa der Maklerpool Netfonds von einem solchen Betrugsfall betroffen.

In diesem Monat traf es in Deutschland gleich zwei bekannte Finanzdienstleister. So ermittelt die Bafin gegen die bislang unbekannten Betreiber der Website bethmann-finance.online, die Bankkonten und Kredite anbieten. Die Betrüger geben sich als Institut Bethmann Finance mit Sitz in München aus, haben aber nichts mit der von der Bafin beaufsichtigten Bethmann Bank zu tun, stellt die Finanzaufsicht klar. Es handele sich um Identitätsmissbrauch.

Auch der Name der Plattform Weltsparen vom Finanzdienstleister Raisin wurde jüngst von Betrügern genutzt, um Bankgeschäfte anzubieten. Die Bafin warnt in diesem Zusammenhang vor der Schneider Anlagenberatung. Die Täter bieten per E-Mail von der Adresse [email protected] Finanzdienstleistungen an – eine Erlaubnis dafür hat das Unternehmen aber nicht. Ebenso besteht keine Verbindung zur Raisin Bank und zu Weltsparen.

 

Eine Verbindung zum im lettischen Riga ansässigen Zahlungsdienstleister WestStein Ltd. wollen Betrüger suggerieren, die unter dem Namen Weststein Bank AG hierzulande Finanzdienstleistungen anbieten. Auf der Webseite financial-weststein.com gibt das Unternehmen an, als vollwertige europäische Onlinebank von der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bafin beaufsichtigt zu werden. Das sei jedoch nicht richtig, schreibt die Finanzaufsicht. Dem vermeintlichen Institut fehlt die Lizenz.

Aufsichtsbehörden warnen vor Betrugsversuchen

Betrüger verwenden immer wieder den Namen der Bafin, um Verbraucher zu kontaktieren und etwa Rechnungen zu versenden. Auch andere Aufsichtsbehörden sind betroffen. So warnte im Juli die europäische Wertpapieraufsichtsbehörde Esma vor dem Missbrauch ihres Namens und Logos auf gefälschten Websites. Häufig würden gezielt Anleger angesprochen, die bereits finanzielle Verluste durch Anlagebetrug erlitten hätten, schreibt die Behörde auf ihrer Website.

Auch die italienische Wertpapieraufsicht Consob hatte bereits vor Missbrauch ihres Namens und Logos gewarnt. Neben der Consob werden auf den Websites lawfinancial.info und lawfinancial.com auch die Logos der Esma und der britischen Aufsicht FCA unzulässig abgebildet. Ziel der Betrüger sei, Verbraucher zu täuschen und zu Geldzahlungen zu bewegen. 

Auf der nächsten Seite: Bitcoin-Automaten ohne Erlaubnis aufgestellt und exorbitante Gewinne, die es nicht gibt – gegen diese Finanzdienstleister ging die Bafin im Juli vor.

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Finanzdienstleistungen ohne Erlaubnis

Um in Deutschland Bankgeschäfte zu betreiben, benötigen Unternehmen eine Erlaubnis der Bafin. Immer wieder bieten Firmen ohne Zulassung Geldanlage-Produkte im Internet an. Die Finanzaufsicht, das Bundeskriminalamt und die Landeskriminalämter raten, bei Finanzdienstleistungen im Internet äußerst vorsichtig zu sein und vorab gründlich zu recherchieren, um Betrugsversuche rechtzeitig zu erkennen. Oft fehlen auf kriminellen Internetseiten etwa Angaben zum Firmensitz und Impressum. Ob ein Unternehmen von der Bafin zugelassen ist, lässt sich in der Unternehmensdatenbank der Finanzaufsicht nachschauen.

In diesem Monat hat die Bafin Ermittlungen gegen folgende Firmen aufgenommen, die Finanzdienstleistungen ohne Erlaubnis angeboten haben:

  • Bitcoin Bank Breaker, Betreiber der Website bitcoin-bankbreaker.com
  • Vision FX Limited, Betreiber der Website visionfx365.com
  • Profit Builder, Betreiber von the-profitbuild.com
  • Bit Index AI, Betreiber der Website bitindexai.de
  • Kreditbnpay, Betreiber der Website kreditbnpay.com, mit angeblichem Geschäftssitz in Berlin
  • ECB Management Ltd., Betreiber der Website ecbmarkets.com, mit angeblichem Sitz in Wien
  • Limbo Finance, Betreiber der Website limbofinance.ltd
  • Online Windows LLC, Betreiber der Website zh1capital.com, mit angeblichem Firmensitz auf der Karibikinsel St. Vincent und die Grenadinen
  • Betreiber der nahezu identischen Websites fivatrade.com und elitesharebroker.com
  • Finanzen-Krypto, Betreiber von finanzen-krypto.de, angeblich mit Sitz in Berlin
  • Betreiber der Website coinpark.one
  • Prolific Trades Limited, Betreiber von prolifictrades.com, der auf seiner Website fälschlicherweise behauptet, über eine Bafin-Lizenz zu verfügen
  • Nexus LLC, Betreiber der inhaltlich identischen Websites onecapital.company und investpoint.pro
  • Impex Trader BVBA, Betreiber der Website fastimpex24.com
  • Tierra500 (vormals Tierra Group Ltd.), Betreiber von tierra500.com
  • Deutscher-Link, Betreiber der Website deutscher-link.com
  • Wealth Kasse, Betreiber von wealthkasse.com
  • Betreiber der identischen Website crypto106.com, crypto128.com, crypto178.com und crypto198.com
  • RoniryPro, Betreiber der Website ronirypro.co, mit angeblichem Geschäftssitz im Ungarn
  • Axiancefx, Betreiber von axiancefx.net
  • Betreiber der Website Revolt211.online, mit angeblichem Geschäftssitz in Dombühl
  • Mbl Markets, Betreiber von mblmarkets10.com
  • FCU Investments LTD, Betreiber der Website commerzwelt.com
  • Monecor Limited, Betreiber der Website monecorlimitedeu.com, mit angeblichem Sitz in Frankfurt am Main
  • GFE Management Ltd., Betreiber von gfemarket.com
  • Betreiber der Website krypto-finanzen.com
  • BPT-Bank AG, Betreiber der Websites bpt24h.com und successpluss.com, der Kredite gegen Gebühr anbietet
  • Betreiber der Websites webtrader.webdepot-trade.com, web-appdepot.com und privateacc211.com
  • die angeblich in Putlitz ansässige TECHvandens GmbH, alias Blue Star, die unerlaubt Gelder von Kunden annimmt und an Dritte weiterleitet
  • Pop in Trading LTD, Betreiber der Website easytradex.cc, der fälschlicherweise behauptet, eine Lizenz der britischen Finanzmarktaufsicht FCA zu besitzen
  • GStyx Group bzw. STYXTrade Group, Betreiber von styx-trade.com
  • Betreiber der nahezu identischen Websites blockpros.net und refundmentsfx.net

Einen besonders kuriosen Fall eines Finanzdienstleister, der ohne Erlaubnis handelt, gab es im Juli mit Bloomrich Crypto Limited. Die Firma mit angeblichem Geschäftssitz in London hat in Deutschland ohne Genehmigung Bitcoin-Automaten aufgestellt, über die Verbraucher mit der Kryptowährung handeln können. Damit betreibt das Unternehmen unerlaubten Eigenhandel, heißt es von der Bafin. Die aufgestellten Automaten müssten „unverzüglich“ außer Betrieb gesetzt und entfernt werden.

Mit vermeintlich lukrativen Finanzgeschäften lockt International Business Company Boundless Limited auf den Websites gelion24.com und gelion24.info. Kunden werden auf ihren Mitgliedskonten exorbitante Gewinne angezeigt, schreibt die Bafin. Ausgezahlt wird das Geld aber nicht. Verbraucher werden hingegen zu weiteren Einzahlungen gedrängt – angeblich, um Steuern, Gebühren oder Provisionen zu begleichen. Um Seriosität vorzutäuschen, versenden die Mitarbeiter gefälschte Bescheinigungen über vermeintliche „Broker-Lizenzen“, die die Logos von europäischen Aufsichtsbehörden tragen.

Ähnlich gehen die Betreiber der Internetseiten polonix.ch und polonix.ai vor, gegen die die Finanzaufseher ebenfalls ermitteln. Das angeblich in Luxemburg ansässige Unternehmen Polonix nimmt überwiegend Zahlungen in Kryptowährungen an, die anschließend an weitere Wallet-Adressen der Betreiber weitergeleitet werden. Den Opfern werden Gutschriften und exorbitante Gewinne auf ihren Handelskonten angezeigt, zur Auszahlung der angeblichen Gewinne kommt es aber nicht. Vielmehr werden die Geschädigten zu weiteren Einzahlungen gedrängt, indem von ihnen Steuern, Gebühren oder zusätzliche Beträge wegen eines vermeintlichen Geldwäscheverdachts verlangt werden, heißt es in der Warnmeldung der Bafin.

 

Die Bafin warnt zudem vor der Website pixpalpro.com. Der Betreiber Pix Point Consulting LTD, der auf der Seite abweichend auch unter den Bezeichnungen PixPal Pro (Pix Consulting Limited) und PIXPALL LLC auftritt, bietet nach Erkenntnissen der Finanzaufsicht ohne Erlaubnis Finanz- und Wertpapierdienstleistungen an. Die Betrüger verweisen auf eine angebliche belizische Lizenz. Dabei handele es sich jedoch um eine Fälschung. Nach Erkenntnissen der Bafin könnte eine Verbindung zwischen den Websites pixpalpro.com und currentcoins.net bestehen. Letztere sei zurzeit inaktiv.

Die Betreiber der Internetseiten welta.pro und welta.org kontaktieren potenzielle Opfer telefonisch über ausländische Rufnummern, die man nicht zurückrufen kann. Die Betreiber geben auf den Websites keinen vollständigen Unternehmensnamen, keine Rechtsform und keinen Geschäftssitz an. Eine Erlaubnis, um Finanzdienstleistungen in Deutschland anzubieten, liegt laut Bafin nicht vor.

Verstoß gegen die Prospektpflicht

In Deutschland dürfen Wertpapiere – mit wenigen Ausnahmen – nicht ohne einen von der Bafin gebilligten Prospekt öffentlich angeboten werden. Die Finanzaufseher prüfen dabei, ob der Prospekt die gesetzlich geforderten Mindestangaben enthält sowie, ob der Inhalt verständlich ist und keine Widersprüche enthält. Ein Verstoß gegen die Prospektpflicht wird mit einer Geldbuße von bis zu 5 Millionen Euro beziehungsweise 3 Prozent des Gesamtumsatzes des letzten Geschäftsjahres geahndet. Anleger können in einer Datenbank online überprüfen, ob ein Prospekt bei der Bafin hinterlegt ist. Allerdings prüft die Bafin Angebote nicht auf ihre Seriosität und inhaltliche Richtigkeit.

Gegen die Prospektpflicht verstoßen haben jüngst folgende Firmen:

Die Bafin verdächtigt die Velocitas Trading OÜ, Wandelanleihen der eigenen Gesellschaft ohne den erforderlichen Prospekt in Deutschland öffentlich anzubieten. Konkret geht es dabei um Anleihen, die zu einem späteren Zeitpunkt in Aktien der Defraq Ventures AG umgewandelt werden sollen, heißt es in der Warnmeldung der Finanzaufsicht.

Auch bei der Life Forestry Switzerland AG sehen die Finanzaufseher – nicht zum ersten Mal – Anhaltspunkte für einen fehlenden Verkaufsprospekt. Das in der Schweiz ansässige Unternehmen bietet in Deutschland Vermögensanlagen unter der Bezeichnung „Premium Wood – Land Lease“ öffentlich an, mit denen Verbraucher in Teakholz investieren können. Eine Ausnahme von der Prospektpflicht sei nicht ersichtlich.

Gleiches gilt für Seidel Finance mit angeblichem Sitz in London. Die Firma vertreibt hierzulande Aktien der Ecological Technologies Ltd. – ein Prospekt liegt aber nicht vor.

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