EZB-Gebäude in Frankfurt am Main Foto: imago images/Sven Simon

Zur jüngsten Sitzung der EZB

„Nichts müssen Aktionäre weniger fürchten als die Zentralbank“

Auf ihrer jüngsten Sitzung hat die EZB zwar ihre Inflationsprognosen erhöht. Restriktionen bleiben aber aus. Denn das Wachstum der Eurozone fällt verhalten aus. Ohnehin wird die Inflation nach Auslaufen der konjunkturellen Nachholeffekte ab 2022 wieder nachgeben. Und schließlich sind der Notenbank wegen der Überschuldung Europas die Hände gebunden. Schon die zuletzt gestiegenen Anleiherenditen bereiten ihr Sorge. Das heißt, EZB und Aktien bleiben ziemlich beste Freunde.

Zunächst fällt die Eurozone in die Rezession zurück

Laut EZB ist die Erholung der Euro-Konjunktur Winter-Lockdown- und Impfdebakel-bedingt ins Stottern geraten. Dabei kann die robuste Entwicklung der Industrie die Moll-Stimmung im Dienstleistungssektor nicht kompensieren. Ein Double Dip – Rückfall in die Rezession – mit Unternehmenspleiten und höherer Arbeitslosigkeit wird sich trotz staatlicher Auffangleistungen im 1. Quartal 2021 nicht verhindern lassen. Zwar rechnet die EZB in diesem Jahr mit einem Wachstum von 4,0 und 2022 mit 4,1 Prozent. Dafür sind aber vor allem Nachholeffekte verantwortlich.

Grafik 1: Einkaufsmanagerindices Verarbeitendes und Dienstleistungsgewerbe Eurozone

Die EZB schaut über den Inflationsberg hinweg

Vor diesem schwachen Konjunkturhintergrund misst die EZB dem jüngsten Inflationsanstieg keine besondere Bedeutung bei. Schon gar nicht sieht sie die Gefahr einer nachhaltigen Inflationierung aufgrund einer sich selbst verstärkenden Spirale aus steigenden Löhnen und Preisen. Im Gegenteil, sie geht von einem Rückgang der Inflation nach Abebben der Nachholeffekte aus. Trotz Anhebung für 2021 (1,5 nach zuvor 1,0 Prozent) und 2022 (1,2 nach zuvor 1,1 Prozent) bleibt ihr Inflationsausblick nüchtern. 2023 geht sie weiter von unveränderten Preissteigerungen von 1,4 Prozent aus.

Die EZB will die Leitzinsen so lange auf ihrem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau belassen, bis sich eine Preissteigerung von durchschnittlich 2 Prozent einstellt. „Durchschnittlich“ heißt dabei, dass nach langem Unterschreiten auch ein vorübergehendes Überschießen oberhalb von zwei Prozent zu keiner Restriktion führt, sondern toleriert wird. Damit sind vor 2024, wenn überhaupt, Zinssteigerungen ausgeschlossen.

Und so vollzieht die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen den Auftrieb der Inflationserwartungen trotz historisch engem Gleichlauf nicht eins zu eins nach.

Grafik 2: Inflationserwartungen Eurozone und Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen

EZB - Das Allheilmittel gegen jeden europäischen Schmerz

Schon den jüngsten, wenn auch vergleichsweise geringen Renditeanstieg bei Staatsanleihen der Eurozone betrachtet die EZB mit Argwohn. Deswegen wird die EZB im Rahmen des PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) im nächsten Quartal zunächst deutlich mehr Anleihen aufkaufen (sog. front-loading), nachdem sie sich zu Jahresbeginn vergleichsweise zurückgehalten hat. Dabei gestaltet sie die Ankäufe flexibel. Verstärkt kommen die Staatspapiere aus dem Euro-Süden in den Genuss von mehr Liquidität.

Mehr zum Thema
ANZEIGEFlossbach von Storch zur ZentralbankenpolitikDie große Geldflut Robert Halver über InflationsängsteGold kämpft gegen die Zinswende EZB-Sitzung„Langatmig und teils nur schwer nachzuvollziehen“