Thomas Wüst ist Geschäftsführer von der Valorvest Vermögensverwaltung in Stuttgart

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Vorsicht vor Modetrends in der Geldanlage

Produktanbieter nutzen deutsche Schwächen

Der Wunsch nach steuerlicher Optimierung, das Streben nach Sicherheit und der Schutz vor Inflation sind Anlageziele, die in der deutschen Anlegerkultur besonders verankert sind.

Finanzprodukte, die diese Themen aufgreifen, erfreuen sich hierzulande einer besonderen Beliebtheit. In der Vergangenheit gab es aber mit solchen modisch-geprägten Investments für Investoren immer wieder ein böses Erwachen.

Generell sollten Anleger natürlich immer dann in Deckung gehen, wenn ein Produkt angeboten wird, ohne dass zuvor geprüft wurde, ob es überhaupt zur individuellen finanziellen Situation passt.

Erst nach einer intensiven Prüfung der finanziellen Lage und der Ausarbeitung einer individuellen Anlagestrategie sollten nachgelagert entsprechende Produkte ausgewählt werden. Dabei können vier Warnsignale identifiziert werden, auf die Anleger besonders achten sollten:

Warnsignal 1: Produkte, die mit den Ängsten der Anleger spielen


Das Phänomen der „German Angst“ kann von Produktentwicklern besonders gezielt ausgenutzt werden. Gerade vor dem Hintergrund der Eurokrise, lassen sich zum Beispiel sachwertorientierte Produkte mit Inflationsschutz derzeit gut vermarkten.

Aus Angst vor einer Systemkrise werden Vermögen dann oftmals einseitig, auf ein spezielles Szenario hin ausgerichtet. Wenn dann jedoch andere Szenarien eintreten, ist der Anleger dafür nicht gewappnet.

Angst ist bei der Geldanlage daher immer ein schlechter Ratgeber. Angst vernebelt den Blick für eine möglichst rationale Entscheidungsfindung im Hinblick auf eine anlegergerechte und ausgewogene Portfoliostruktur.

Warnsignal 2: Produkte, die Risiken begrenzen und Chancen nutzen

„Gier frisst Hirn“ – auch diese Erkenntnis wird von Produktentwicklern gezielt genutzt. An den Finanzmärkten gilt jedoch der eiserne Grundsatz: Chance und Risiko sind zwei Seiten ein und derselben Medaille.

Ein Finanzprodukt oder eine Dienstleistung, die dem Anleger suggeriert, gleichermaßen Chancen zu nutzen und Risiken zu reduzieren, kann nicht zuverlässig funktionieren. Wenn gewisse Sicherheitsmerkmale vorhanden sind, dann gehen diese Risikobegrenzungen eben zu Lasten der Ertragschancen.

Umgekehrt ist diese Erkenntnis aber noch wichtiger: Wenn ein Investment einem Anleger hohe Ertragschancen zugänglich macht, dann funktioniert dies nur unter Inkaufnahme eines entsprechend hohen Risikos.

Warnsignal 3: Produkte, die auf steuerliche Anreize oder staatliche Subventionen setzen

Aufgrund der hoch komplexen steuerlichen Gesetzgebung in Deutschland und der als zu hoch empfundenen Steuerbelastung,  ist man hierzulande für Produkte, die auf eine steuerliche Optimierung setzen, besonders empfänglich.

Die Inhaber von sogenannten Verlustzuweisungs- oder Abschreibungsmodellen, wie Medienfonds oder Schiffsfonds, wissen nur zu gut, dass steuerliche Verluste auch einen realen Bezug haben und eben nicht nur auf dem Papier existieren.

Darüber hinaus muss man in diesem Zusammenhang auch vor Produkten warnen, die schwerpunktmäßig auf staatliche Subventionen setzen. So haben staatliche Subventionen, wie die Abschreibung für Ostimmobilien, in der Vergangenheit immer wieder zu einer Fehlallokation des Kapitalsgeführt.

Darüber hinaus führen Subventionen regelmäßig zu höheren Kosten, die aus der erhöhten Nachfrage aufgrund der staatlichen Zuschüsse eben resultieren. Diese Risiken müssen Anleger bei solchen Investments stets einkalkulieren – auch, dass  staatliche Anreize künftig wieder wegfallen können.

Warnsignal 4: Produkte, die auf einer besonderen Investmentstory basieren

Eine schlüssige Argumentationskette hört sich gerade bei modisch-geprägten Investments immer gut an. Wer hat nicht staunend den Stories um „Seltene Erden“, dem 3D-Druck oder zu alternativen Energie- oder Antriebskonzepten gelauscht?

Das große Problem von jungen Hochtechnologien für Anleger ist jedoch, dass es sich hierbei üblicherweise zunächst um klassische Private Equity Investments handelt.

Unternehmen, die in einem frühzeitigen Stadium noch nicht über marktfähige Produkte verfügen, wenden sich im Normalfall an große Investoren, um dort das benötigte Risikokapital einzuwerben.

Werden solche Unternehmen dann an die Börse gebracht oder über entsprechende Themenprodukte einem breiten Publikum zugänglich gemacht, wurde ein Großteil der Rendite längst eingefahren.

Jeder Anleger muss sich darüber im Klaren sein, dass die schlüssige Argumentationskette eines modisch-geprägten Finanzprodukts auch am Markt längst bekannt und somit in den Börenkursen oder Anschaffungskosten bereits eingepreist ist.

Wer mit einem modisch-geprägten Investment auf Renditejagd geht, dem muss bewusst sein, dass der Modetrend auf den er setzt, in der Zukunft noch besser laufen muss, als in der Argumentationskette des Produktanbieters dargestellt. Inwieweit dies realistisch ist, sollte ein Investor immer kritisch hinterfragen.

Bei solchen Investments setzen Produktentwickler zudem oftmals das sogenannte „Backtesting“ ein. Dies resultiert aus der Erkenntnis, dass sich Finanzprodukte mit einer positiven vergangenen Wertentwicklung leichter verkaufen lassen als Anlageformen, die eine eher negative Performance aufgewiesen haben.

Anleger sollten daher bei solchen prozyklischen Investments den obligatorischen Hinweis, dass „vergangene Entwicklungen kein verlässlicher Indikator für künftige Entwicklungen“ sind, immer ernst nehmen.

Fazit: Für Anleger ist überhaupt nicht entscheidend, auf modisch-geprägte Investments zu setzen. Mit einer ausgewogenen Anlagestrategie, die möglichst optimal auf die individuellen Ziele und Bedürfnisse eines Anlegers ausgerichtet ist und unterschiedliche Szenarien berücksichtigt, werden die mittel- bis langfristigen Anlageziele auch ohne besondere Investmentstories erreicht.

Im Gegenteil: wer antizyklisch an den Finanzmärkten agiert, für den sind gerade Anlagesegmente oder Marktphasen interessant, in denen es keine populären Modetrends gibt.

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