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Börsenhändler in New York Foto: imago images / Xinhua

Ausblick 2021

Vorsicht vor zu hohen Erwartungen

An den Börsenkursen ist es abzulesen: Die Märkte blicken mit großem Optimismus auf 2021. Vor allem die Fortschritte bei den Covid-19-Impfstoffen wecken Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zur Normalität. Eine lockere Geldpolitik und fiskalpolitische Stimuli sollen den Weg für die weitere wirtschaftliche Erholung ebnen. Andrew McCaffery, Global CIO Asset Management bei Fidelity, betrachtet diese enorme Zuversicht jedoch mit Vorsicht und fragt sich, ob die Realität die hohen Erwartungen tatsächlich erfüllen kann.

So sieht er etwa das Risiko einer erneuten Rezession in den USA, wenn schärfere Restriktionen nötig werden, um das Virus in den Griff zu bekommen, und die Fortsetzung der staatlichen Hilfsprogramme weiter auf sich warten lässt. Zudem werden zukünftige Hilfsprogramme wohl geringer ausfallen, als die Demokraten anstreben, da die Republikaner voraussichtlich die Mehrheit im Senat behalten. Wie schon 2020 wird auch im kommenden Jahr die Rolle der Finanz- und Geldpolitik beim Verhindern eines wirtschaftlichen Zusammenbruchs durch die Pandemie und deren Folgen nicht nur in den USA, sondern weltweit ein wichtiges Thema sein.

Schulden, Schulden, Schulden

Direkt daraus ergibt sich eine weitere zentrale Thematik für 2021: Wie lässt sich die zunehmende Verschuldung vieler Staaten bewältigen? „Anders als in der globalen Finanzkrise 2008, als sich die Regierungen auf die Geldpolitik verließen, hat sich während der Lockdown-Phase im Frühjahr 2020 die Fiskalpolitik als wichtigere Stütze der Volkswirtschaften erwiesen“, erläutert Salman Ahmed. Der Global Head of Macro and Strategic Asset Allocation bei Fidelity rechnet in den kommenden Monaten mit weiteren fiskalpolitischen Anreizen.

„Tatsächlich hat der Internationale Währungsfonds die entwickelten Volkswirtschaften aufgefordert, die niedrigen Zinsen zu nutzen, um sich für eine Konjunkturunterstützung weiter stark zu verschulden. Und das angesichts der Tatsache, dass die bisherige Ausgabenfreude die Staatsverschuldung der Industrieländer bereits über das Niveau nach dem Zweiten Weltkrieg hinaus hat steigen lassen“, so Ahmed. Mittelfristig werde die wirtschaftliche Erholung davon abhängen, wie gut man mit der gestiegenen Verschuldung zurechtkommt und welchen Weg die Länder einschlagen, um zu einer tragfähigeren Verschuldungsquote zu kommen.

Teure Aktien und Schwankungsgefahr

Ein drittes Thema, das nach Erwartungen von Fidelity die Investoren 2021 beschäftigen wird, sind die zum Teil hohen Aktienbewertungen und die Gefahr von Korrekturen. „Die Bewertungen einiger US-Mega-Caps scheinen der Realität völlig entrückt. Sollten die Unternehmensgewinne 2020 und 2021 die aktuellen Erwartungen nicht erfüllen, sind diese Aktien sehr anfällig. Und jede Korrektur würde signifikante Auswirkungen auf den breiten Markt haben“, so McCaffery. Auch Rotationen von Sektoren respektive von zyklischen und nicht-zyklischen Werten seien zu erwarten. „Unsicherheiten über Impfstoffe, staatliche Anreize und das Gewinnwachstum von Unternehmen könnten die Kurse 2021 stark schwanken lassen“, warnt der Fidelity-CIO. Investoren sollten daher 2021 sehr aufmerksam sein und schnell agieren können – auch um Einstiegschancen zu nutzen. „Denn: Wo es eine Krise gibt, gibt es auch Chancen“, weiß McCaffery.

Tech-Titel mit vernünftigeren Bewertungen

Auch wenn Aktien 2021 viel Feingefühl und Wendigkeit von Investoren erfordern werden, so haben sie auch weiterhin ihren Charme: „Trotz der Dividendenkürzungen in einigen Sektoren liefern Aktien immer noch laufende Erträge von 2 bis 3 Prozent, was in einem Nullzinsumfeld sehr willkommen ist“, beobachtet Romain Boscher, globaler CIO für Aktien bei Fidelity. Mit dem lang erwarteten Comeback der Value-Titel rechnet er auch für 2021 nicht. Allerdings sieht Boscher reichlich gut versteckte Value-Chancen am Markt, man muss nur richtig suchen. Bei Wachstumstiteln bevorzugt er Mid und Large Caps gegenüber den Mega Caps. „Auch wenn Sektoren wie Technologie zunächst teuer erscheinen, finden wir gute Qualitätstitel, die von einer wirtschaftlichen Erholung profitieren sollten“, so Boscher. Und außerhalb der USA, etwa in Japan und Deutschland, gebe es diese auch noch zu vernünftigeren Bewertungen.

ESG nimmt weiter an Fahrt auf

Ein Trend aus 2020 dürfte seiner Ansicht nach 2021 anhalten und sich sogar beschleunigen: Die Berücksichtigung von ökologischen, sozialen und Governance-Kriterien bei der Unternehmensanalyse. Die Investmentexperten von Fidelity – und auch andere Studien – haben aufgezeigt, dass im Corona-Crash im Frühjahr 2020 Unternehmen mit hohem ESG-Rating überdurchschnittlich gut performt haben. Zur besseren Bewertung von Risiken gehören ESG-Kriterien bei vielen Investoren mittlerweile zum Standard. Aber auch Chancen lassen sich mit dem erweiterten Blick besser erkennen. „2021 wird das Thema ESG an Fahrt aufnehmen, vor allem da mit dem Regierungswechsel in den USA der Klimawandel auf der Agenda nach oben rückt“, so Boscher. Das betrifft nicht nur den Aktienbereich, sondern alle Asset-Klassen.

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