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Henning Schmidt (Gastautor)Lesedauer: 5 Minuten

Der Praxisfall Vorsorgen ohne Zuckerbrause

Flasche leer
Flasche leer: Manche Anleger wollen keine Aktien altbekannter Zuckerbrause-Hersteller im Depot haben. | Foto: Krisztian Matyas / Unsplash

Der Fall

Lisa Bergmann (30) schreibt ihre Promotion an einer norddeutschen Universität. Sie ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin angestellt und möchte mit der Altersvorsorge beginnen. Dafür steht zunächst ein monatliches Budget von 300 Euro zur Verfügung. Als Ökonomin weiß sie, dass der Begriff Nachhaltigkeit nicht nur Ökologie, Soziales und Unternehmensführung umfasst, sondern ganz allgemein weit gefasst und oft subjektiv geprägt ist. Wie vielen jungen Menschen sind ihr Indexfonds bekannt – allerdings hat sie kein Interesse, sich allein um ihre Altersvorsorge zu kümmern.

Grafik vergrößern (Illustration: Freepik/www.flaticon.com, pch.vector/Freepik)

Der Vorschlag

Die Rentenlücke zu berechnen ergibt bei Frau Bergmann aktuell keinen Sinn, da sich ihre berufliche Situation nach der Promotion noch verändert. Der Schwerpunkt unserer Beratung liegt also nicht in Finanzmathematik, sondern einer möglichst echten Nachhaltigkeit.

Beim MSCI World SRI, dem um Nachhaltigkeitskriterien bereinigten kleinen Bruder des größeren MSCI World, fallen ihr direkt verschiedene Unternehmen ins Auge. Über Microsoft und Procter & Gamble kann man diskutieren, über die Zuckerbrausenhersteller Pepsi und Coca-Cola möchte die Kundin das aber nicht. Sie findet beide Unternehmen wenig nachhaltig. In den USA laufen Klagen aufgrund ihrer Mitverantwortung für die grassierende Adipositas-Seuche. Es zeichnet sich somit ab, dass dort sogar gewisse Anlagerisiken schlummern könnten. Zuletzt hatte Fußballstar Cristiano Ronaldo für Aufsehen gesorgt, als er während einer Pressekonferenz der Fußball-Europameisterschaft Getränkeflaschen von Coca-Cola wegräumte und eine Wasserflasche nach vorne schob. Die Aktie sackte daraufhin an der Börse ab und verlor zwischenzeitlich einen Gegenwert von 4 Milliarden Dollar.

>>>Alle Praxisfälle im Überblick finden Sie hier

Für unsere Kundin gilt: Unternehmen müssen handverlesen sein, am aktiven Fondsmanagement führt deshalb kein Weg vorbei. Auch der Hinweis auf höhere Verwaltungsgebühren auf Fondsebene lässt die Kundin nicht zweifeln.

Da es um eine Altersvorsorge geht und die lange Laufzeit von deutlich über 30 Jahren zu berücksichtigen ist, wählen wir eine fondsgebundene Rentenversicherung und nutzen somit die Besteuerung nach dem Halbeinkünfteverfahren am Ende der Laufzeit als Vorteil gegenüber der Abgeltungssteuer bei einer reinen Depotanlage. Bei den Angeboten haben wir zwei Anbieter im Fokus. Zum einen die Condor Versicherung aus dem genossenschaftlichen Bereich. Sie bietet eine insgesamt sehr umfassende Fondsauswahl, hat vergleichsweise niedrige Kosten und verzichtet auf intransparente Gebühren.

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