In Europa steigen die Gehälter der Vorstandschefs – doch Deutschland bleibt auffällig zurückhaltend. Im Dax kletterte die mittlere gewährte Vergütung der Unternehmenslenker 2025 nur um rund 2 Prozent auf etwa 6,8 Millionen Euro. Das zeigt die Studie „Executive Compensation in 2026“ des Datenanbieters Diligent Market Intelligence, die DAS INVESTMENT vorab vorlag.
Damit liegt Deutschland bei der mittleren Vergütung gleichauf mit Frankreich: Dort erhielten die Chefs der im Cac 40 notierten Konzerne nach einem Anstieg von fast 14 Prozent im Mittel ebenfalls 6,8 Millionen Euro. Deutlich kräftiger fiel das Plus in Großbritannien aus. Im FTSE 100 legte die mittlere Vergütung um 16 Prozent auf 6,1 Millionen britische Pfund (etwa 7,1 Millionen Euro) zu.
Großbritannien setzt auf variable Bausteine
Britische Unternehmen gestalten ihre Vergütungspakete zunehmend flexibler. Langfristige variable Bestandteile machten 2025 mehr als 54 Prozent der mittleren Vergütung im FTSE 100 aus, nach gut 52 Prozent im Jahr zuvor. Zentrale Kontrollmechanismen behalten die Unternehmen laut der Studie dabei bei.
Dirk Pfefferle, der bei Diligent die Region DACH verantwortet, ordnet die Entwicklung ein. „Der deutsche Markt steht zunehmend unter internationalem Wettbewerbsdruck“, sagt er. Die Struktur der deutschen Pakete sei weiterhin von einem hohen Anteil an Fixgehalt und einer starken Ausrichtung auf nachhaltige Unternehmensziele geprägt. Entscheidend sei, dass Unternehmen ihre Vergütungsentscheidungen transparent kommunizierten und klar an die langfristige Wertschöpfung koppelten.
Die USA setzen die Maßstäbe
Den Takt bei den gezahlten Gehältern geben weiterhin die USA vor. Im S&P 500 stieg die mittlere gewährte Vergütung 2025 um mehr als 8 Prozent auf 18,2 Millionen US-Dollar (etwa 16,1 Millionen Euro). Im breiter gefassten Russell 3000 lag das Plus bei gut 2 Prozent, die mittlere Vergütung erreichte 7,4 Millionen US-Dollar (etwa 6,5 Millionen Euro).
„Dieser Anstieg wurde vor allem durch erfolgsabhängige Aktienvergütungen und andere aktienbasierte Vergütungskomponenten vorangetrieben“, sagt Josh Black, Chefredakteur von Diligent Market Intelligence. Zugleich hätten beide Indizes eine starke Gesamtrendite für die Aktionäre verzeichnet. Der weltweite Wettbewerb um qualifizierte Führungskräfte nehme weiter zu.
Teurer werden vor allem die Wechsel an der Spitze. Die Antrittsprämien für neu berufene Vorstandschefs im S&P 500 erreichten 2025 mit durchschnittlich 3,7 Millionen US-Dollar den höchsten Stand seit sechs Jahren – nach 3 Millionen im Jahr 2024 und 2,4 Millionen 2023. Auch die Abfindungen für ausscheidende Chefs stiegen, im Schnitt auf 6,8 Millionen US-Dollar. Hintergrund ist eine hohe Fluktuation: 2025 zählte der Index 67 Wechsel, 29 Prozent mehr als 2023. Bis Ende Juni 2026 hatten bereits fast 40 Vorstandschefs ihren Posten geräumt.
Investoren schauen genauer hin
Für Anleger rückt zugleich die Kontrolle der Vergütung stärker in den Blick. In den USA könnte eine von der Börsenaufsicht SEC vorgeschlagene Reform die verpflichtende Abstimmung der Aktionäre über die Vorstandsvergütung („Say on Pay“) für bis zu 80 Prozent der börsennotierten Unternehmen entfallen lassen. Bei Abfindungen im Zuge von Übernahmen – den sogenannten „Golden Parachutes“ – wächst der Widerstand: Die Zustimmung der Investoren sank im ersten Halbjahr 2026 auf gut 77 Prozent, nach rund 84 Prozent ein Jahr zuvor.
In Deutschland fiel das Votum zuletzt gelassener aus. Die Zustimmung zu den Vergütungsberichten im Dax lag im laufenden Jahr bei knapp 90 Prozent.

