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Tangotänzer in Buenos Aires: Anleger gehen von einer Staatspleite Argentiniens aus. | © Getty Images

Nach Vorwahlen in Argentinien Anleger fürchten Staatspleite

Fast alle argentinischen Staatsanleihen handeln mittlerweile zwischen 40 und 50 Cent pro Dollar. Das deutet darauf hin, dass diejenigen, die jetzt verkaufen, einen Zahlungsausfall für unvermeidlich halten und weit unterdurchschnittliche Erlöse erwarten. Unserer Meinung nach zeigen die derzeitigen Anleihekurse jedoch kein objektives Bild der Situation. Die Tatsache, dass Anleihen wahllos auf der ganzen Linie in mehr oder weniger der gleichen Größenordnung gefallen sind, deutet auf einen ineffizienten und panischen Markt hin.

Bei Lokalwährungsanleihen sind inflationsgeschützte Anleihen interessant, da Anleger hier derzeit eine hohe Wahrscheinlichkeit von Zahlungsausfällen und Kapitalkontrollen einpreisen und sich so vor Inflation schützen. Wir glauben jedoch, dass Argentinien wenig Interesse daran hat, seinen Zahlungsverpflichtungen in Lokalwährung nicht nachzukommen. Die lokalen inflationsgeschützten Anleihen werden hauptsächlich von der staatlichen Sozialversicherungsinstitution und den lokalen Banken gehalten. Es gibt keinen Grund für die argentinische Regierung, ihrer eigenen Investorenbasis zu schaden. Darüber hinaus sollte der Inflationsschutz den größten Teil der zukünftigen Währungsabwertung kompensieren, da diese sich maßgeblich auf die Inflation auswirkt.

Die Auswirkungen auf Unternehmen in Argentinien sind ungewiss, allerdings nicht entmutigend. Genauso wie Staatsanleihen sind auch Unternehmensanleihen gefallen, jedoch weniger stark. Für die weitere Entwicklung sind folgende Punkte wichtig:

  • Die meisten argentinischen Unternehmen weisen nur einen geringen Verschuldungsgrad auf. Zum einen, weil sie bis 2015 vom Kapitalmarkt ausgeschlossen waren, zum anderen, weil sie Schulden vermeiden. Es gibt also keinen Grund für einen Zahlungsausfall, es sei denn, die Regierung führt Kapitalkontrollen ein.
  • Eine Ausnahme davon bilden Versorgungsunternehmen. Sie haben zwar mehr Schulden als argentinische Unternehmen im Allgemeinen. Die Regierung hat jedoch keinen Grund, die Verträge der Stromerzeuger nicht zu bedienen. Das Negativbeispiel Venezuelas mit sozialen Unruhen aufgrund eines Mangels an essentiellen Gütern und Dienstleistungen wird dies sicherstellen. Das Tempo und Ausmaß der Neubewertung argentinischer Anleihen ist unseres Wissens beispiellos, so dass die Venezuela-Analogie verständlich ist. Wir glauben allerdings, dass die Märkte etwas zu weit gegangen sind. Um es deutlich zu sagen: Argentinien ist nicht Venezuela.
  • Die meisten Eurobond-Emittenten sind seit vielen Jahren im Geschäft, einige von ihnen seit mehreren Jahrzehnten, und sie haben die vielen wirtschaftlichen Herausforderungen, denen Argentinien in der Vergangenheit gegenüberstand, gemeistert. Sie machen immer noch Geschäfte. Unserer Ansicht nach dürften viele große Unternehmen einen konfliktfreien Ansatz gegenüber jeder neuen Regierung verfolgen und dafür einen angemessenen Schutz erhalten.
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