„Wachstum von über 6 Prozent“

Aufsichtsratschef der HSBC: Deutsche Aktien trotzen China-Crash

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Für Vermögensverwalter und Finanzexperten ist China derzeit das Thema Nummer 1. Weitere Schockwellen aus China werden kommen, meint beispielsweise Frank Wieser, Vorstand von PMP Vermögensmanagement. Andreas Schmitz, deutscher Aufsichtsratschef bei der HSBC, sieht das anders. „Für die nächsten beiden Jahre sehe ich durchaus ein Wachstum um und über 6 Prozent“, erklärt der Finanzexperte im Gespräch mit dem Handelsblatt

Allerdings werde sich der Schwerpunkt der chinesischen Exporte ändern, so Schmitz weiter. „Die Autos sind geliefert, die Werke auch schon aufgebaut, jetzt geht es um die zweite Welle“, sagt er. Damit meint der HSBC-Aufsichtsratschef Branchen wie zum Beispiel die Infrastruktur. „Straßen, Gebäudetechnik, Medizintechnik, Umwelttechnik – all das braucht China, um den Lebensstandard der Menschen weiter zu verbessern.“

China-Einbrüche durch USA und Europa kompensiert

Und wie wirkt sich der China-Crash auf deutsche Banken aus? Laut Schmitz seien Banken mittelbar als Kreditgeber chinesischer Firmen betroffen. Ein möglicher Gewinnrückgang könne hier allerdings durch die USA und Europa kompensiert werden. Außerdem rechnet Schmitz ja damit, dass China demnächst wieder wachsen wird. Eine Milliarde neue Konsumenten, die man in den vergangenen Jahren in der Volksrepublik gewonnen habe, „fallen nicht einfach vom Planeten“.

Dass der Staatskapitalismus chinesischer Prägung am Ende ist glaubt Schmitz nicht. Schließlich werden in China Dinge viel schneller umgesetzt als hier, argumentiert er. „Bei uns gibt es oft eine lähmende Langsamkeit“. Des Weiteren kommen die vielkritisierten Eingriffe in die Marktwirtschaft laut Schmitz auch hierzulande vor. 

„Chinesische Anleger kaufen Aktien, weil sie blau sind“

In Sachen Aktienkultur habe China allerdings noch einiges zu lernen. „Manche chinesische Anleger kaufen Aktien, weil sie blau sind und das ist eine glückliche Farbe. Andere kaufen, weil eine Acht in der Aktie vorkommt und das ist eine Glückszahl“, sagt der HSBC-Experte. 

Für deutsche Anleger indes könnten chinesische Aktien ein Glücksgriff sein. „Es gibt weiter so viel Geld im Markt, dass der Börsencrash in China die Kurse hierzulande nicht dauerhaft nach unten treiben wird, auch weil die Konjunktur ja weiterläuft“, sagt Schmitz. Solange die Notenbanken da nicht umsteuern, gebe es zu Aktien wenig Alternativen.

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