Jérôme Pfund, Gründer und Chef von Sectoral Asset Management

Jérôme Pfund, Gründer und Chef von Sectoral Asset Management

Wachstumstreiber der Pharma-Industrie

"Ohne Generika hätten 90 Prozent der Chinesen keine Medikamente"

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Laut Aussage des Reports „Global Outlook for Medicines Through 2018“ des Marktforschungsinstituts IMS for Healthcare Informatics werden die Ausgaben für Generikamedikamente bis 2017 weltweit auf jährlich mehr als 400 Milliarden US-Dollar anwachsen. Dies wiederum entspricht einer jährlichen Steigerungsrate von rund 10 Prozent seit 2012. Nach Schätzungen der IMS-Experten wird dabei der Anteil der Generika am Gesamtmarkt für Medikamente innerhalb von nur fünf Jahren von rund 27 Prozent im Jahr 2012 auf geschätzte 36 Prozent im Jahr 2017 klettern.

Wachsende Nachfrage nach Gesundheitsprodukten in Schwellenländern

Die Gründe für dieses Wachstum sind vielfältig. Einer davon ist die wachsende Nachfrage nach Gesundheitsprodukten und -dienstleistungen in den Emerging Markets. Allein für China, das schon heute zu den drei größten Märkten für Gesundheit zählt, rechnen Experten mit einem jährlichen Wachstum von durchschnittlich mehr als 12 Prozent bis 2018. Gerade die dortige Mittelschicht profitiert von Einkommenssteigerungen und wachsendem Wohlstand. Viele Menschen zieht es in die Großstädte. Doch diese Veränderungen haben ihren Preis: Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder Herzleiden sind auf dem Vormarsch, was auch dem ungesunderen Lebensstil geschuldet ist. Anders als in westlichen Industrienationen stellen Nachahmerprodukte in den Schwellenländern häufig den einzigen Zugang zu medizinischer Versorgung dar.

Gäbe es beispielsweise in China keine Generika, bliebe 90 Prozent der Chinesen der Zugang zu Medikamenten verwehrt. Nach Angaben des IMS Institute for Healthcare Informatics sind lediglich noch 10 Prozent der in China verabreichten Medikamente Markenprodukte. In seinem Ausblick bis 2017 geht das Institut davon aus, dass in zwei Jahren mehr als 60 Prozent der medizinischen Ausgaben in den Schwellenländern auf Generika entfallen werden.  

Hohes Einsparpotenzial bei Gesundheitskosten durch verstärkten Generikaeinsatz

Das Wachstum des Generikamarktes wird jedoch noch anderweitig befeuert. Anstehende Gesundheitsreformen – vor allem in westlichen Industrienationen – werden zugunsten einer höheren Nutzungsrate von Generika ausfallen. Die günstigeren Preise von Generika bergen enormes Einsparpotential für Regierungen und Krankenkassen in Hinblick auf deren Gesundheitsausgaben. Und diese explodieren aufgrund der demographischen Entwicklung. Industrieländer wie Frankreich, Italien oder auch Japan haben beim Einsatz von Generika sehr großen Nachholbedarf. In Japan beispielsweise, einem Land mit einer vergleichsweise überalterten Bevölkerung, liegt die Nutzungsrate von Generika noch unter 40 Prozent.

In Deutschland  hingegen ist sie mit knapp 80 Prozent deutlich höher. Hierzulande wurden in der Vergangenheit unter anderem durch gesundheitspolitische Einschnitte und Anreizsysteme für Ärzte die Weichen gestellt, auch wenn das Potenzial noch nicht gänzlich ausgeschöpft sein dürfte. So geht der Verband ProGenerika davon aus, dass die gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland durch den verstärkten Einsatz von Generika 2,3 Milliarden Euro allein in diesem Jahr einsparen könnten.

Auslaufender Patentschutz in Milliardenhöhe bei biologischen Markenmedikamenten

Generikaproduzenten erschließen sich zudem mit dem Feld der komplexen Moleküle und Biosimilars –das sind pharmazeutisch hergestellte Generika –neue Märkte. Während diese Geschäftsfelder bis vor wenigen Jahren noch ausschließlich den großen, global agierenden Biotechfirmen vorbehalten waren, verbuchen kleinere, auf Nischen fixierte Spezialpharmafirmen mit ersten Zulassungen in den USA und Europa wichtige Erfolge. Darüber hinaus werden zahlreiche biologische Markenmedikamente bis 2020 ihren Patentschutz verlieren. Beispielhaft sei Herceptin von Roche erwähnt, das bei Brust- und Magenkrebs zum Einsatz kommt und dessen Patent noch dieses Jahr ausläuft. Der kombinierte Marktwert biologischer Medikamente mit auslaufendem Patentschutz in Europa und den USA beträgt fast 70 Milliarden US-Dollar.

Die Summe der genannten Treiber sorgt bei den Akteuren für erhebliche Marktdynamik. Jüngstes Beispiel hierfür ist die Ankündigung der israelischen Ratiopharm-Mutter Teva im Frühjahr dieses Jahres, den amerikanischen Konkurrenten Mylan für 40 Milliarden US-Dollar schlucken zu wollen. Gleichzeitig strebt Mylan danach, die irische Firma Perrigo zu übernehmen. Für Anleger bedeuten solche Entwicklungen ausgesprochen interessante Gewinnmöglichkeiten.

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