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Wachtendorf-Kolumne Altersvorsorge im Marshmallow-Test

Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS
Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS
Von  | ehem. Redakteur
Aktualisiert am:

Man mag von Deutschlands größtem Finanzvertrieb halten, was man will, aber ein von der DVAG über viele Jahre hinweg verwendeter Slogan zum Thema Altersvorsorge lässt sich in seiner Einprägsamkeit kaum toppen: „Heute schon an morgen denken.“ Die Fähigkeit, genau dies zu tun und die eigenen Impulse entsprechend zu kontrollieren, gilt als wichtige Voraussetzung für persönlichen Erfolg – dokumentiert unter anderem durch den mit seinem Marshmallow-Test berühmt gewordenen US-Psychologen Walter Mischel.

In Mischels Test mussten Kinder im Alter von vier Jahren eine gewisse Zeitspanne vor einer Süßigkeit ausharren, ohne diese anzurühren. Gelang ihnen das, wurden sie für ihre Ausdauer mit einer weiteren Süßigkeit belohnt. Für Vorsorge-Sparer geht es im Prinzip um dasselbe: Nur wer der Verlockung widersteht, das auf dem Konto frei verfügbare Geld für die schnelle Befriedigung der eigenen Bedürfnisse auszugeben, schafft sich – belohnt durch Zins und Zinseszins – mit der Zeit ein ausreichend hohes Polster für das Alter.

Was aber, wenn die Belohnung plötzlich wegfällt? Der Impuls, das bislang angesparte Geld abzuheben und für Urlaub, schnelle Autos und andere schöne Dinge des Lebens zu verwenden, wächst mit jedem weiteren Tag, den die Notenbanken an ihrer Nullzinspolitik festhalten. Da können auch 40-Jährige schon mal schwach werden, selbst wenn sie genau wissen, dass sie sich langfristig damit keinen Gefallen tun.

Vermutlich hilft nur, mit mentalen Tricks zu arbeiten. So wie es einige Kinder in Mischels Test taten, indem sie seiner Anregung folgten, in dem Marshmallow statt einer Leckerei einfach einen Wattebausch zu sehen. Oder – aus dem Blickwinkel eines Diabetikers – etwas Schädliches, Gift für den eigenen Körper.

Über Jahre hinweg mühsam angespartes Kapital mit Gift in Verbindung zu bringen, dürfte allen Verrücktheiten der aktuellen Geldpolitik zum Trotz schwerfallen. Bei der versprochenen Belohnung fürs Durchhalten könnte es allerdings gelingen. Wer permanent vor Augen hat, dass ein Zins etwas Negatives ist, öffnet sich früher oder später dem Gedanken, dass Geld auch auf andere Art und Weise Kinder bekommt – durch Dividenden und Kursgewinne etwa. Viel Erfolg!

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