Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS

Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS

Wachtendorf-Kolumne

Anleger-Service: Einfach mal mitdenken

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Manch neuer Leser von DER FONDS wird sich vielleicht wundern, warum in der Rubrik 100 Fonds-Klassiker bei den Schwellenländer-Angeboten der Comgest Growth Emerging Markets gesetzt ist, nicht aber der deutlich ältere und bekanntere Comgest Magellan. Ganz einfach: Die Anlagepolitik in beiden Fonds ist identisch, und anders als für den nach französischem Recht aufgelegten Magellan gibt es für den Luxemburger Comgest Growth Emerging Markets auch eine ausschüttende Anteilsklasse. Diese wiederum erspart deutschen Anlegern unter Umständen Stress mit ihrem Finanzamt, denn die Versteuerung von Erträgen ausländischer thesaurierender Investmentfonds ist nicht frei von Tücke.

Comgest gehört zu den Gesellschaften, die beizeiten auf das spezielle Steuer-Handicap deutscher Anleger reagiert haben. Andere Anbieter – Stichwort M&G Optimal Income – brauchten dafür deutlich länger, und wiederum andere scheinen bis heute nicht recht zu begreifen, wo das Problem eigentlich liegt. Anders lässt sich kaum erklären, dass es für diverse im Ausland aufgelegte Klassiker wie den Métropole Sélection, den UBAM Neuberger Berman US Equity Value oder den Lilux Rent bis heute keine ausschüttende Tranche gibt.

Manche Gesellschaften wie Nordea oder Valueinvest haben zwar mittlerweile nachgebessert, thesaurieren bislang aber bei einigen Fonds auch in der ausschüttenden Variante einen Großteil der Erträge. Mit Verlaub, das nützt dem deutschen Anleger überhaupt nichts. Immer wieder ärgerlich ist auch, wenn es von einem zum Kauf erkorenen Auslandsfonds zwar eine ausschüttende Anteilsklasse gibt, diese aber im Gegensatz zur thesaurierenden Tranche bei gängigen Fonds-Plattformen wie der Fondsdepotbank nicht gelistet ist. Drei Beispiele, stellvertretend für viele andere: Nordea Norwegian Kroner Reserve, Main First Emerging Markets Corporate Bond Fund Balanced, JPM Brazil Equity.

Es ist nicht immer leicht, einem deutschen Anleger alles recht zu machen. Noch leichter als im beschriebenen Fall ginge es allerdings wirklich kaum.

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