Aktualisiert am 08.09.2017 - 12:23 UhrLesedauer: 4 Minuten

Wachtendorf-Kolumne Die gefühlten Risiken von Aktienfonds – und die echten

Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS
Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS

Sommer 2016: Die Welt scheint aus den Fugen zu geraten. IS-Terror in Frankreich, in der fränkischen Provinz und wer weiß, wo demnächst noch überall. Staatsterror in der Türkei. Ein amerikanischer Präsidentschaftskandidat, der Hass auf Minderheiten zum Programm erhebt. Ein auseinanderbrechendes Europa, das in Teilen schon bald von vielen kleinen Donald Trumps regiert werden könnte. In einem solchen Umfeld auch nur einen einzigen Euro in Aktienfonds investieren? Gott bewahre!

Wer so denkt, sollte einen Moment innehalten und die Uhr 15 Jahre zurückdrehen. Sommer 2001: Eskalation über Eskalation im Nahost-Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Straßenschlachten zwischen Polizei und 100.000 angereisten Globalisierungsgegnern auf dem G8-Gipfel in Genua. Rassenkrawalle im englischen Bradford. Akute Kriegsgefahr zwischen den verfeindeten Atommächten Indien und Pakistan. Dazu Weltbörsen, die massiv unter den Nachwehen des zusammengebrochenen New-Economy-Booms leiden. Mutige Anleger, die sich davon nicht schrecken lassen, müssen sich zudem nur wenige Wochen später fest anschnallen, als die Kamikaze-Flieger des Osama bin Laden das World Trade Center in Schutt und Asche legen.

Vor diesem Hintergrund lohnt es sich durchaus, einmal zu schauen, was aus ausgewählten Aktienfonds-Investments des Sommers 2001 geworden ist. Und siehe da: Auf europäische und deutsche Aktien ausgerichtete Produkte schafften Wertzuwächse von bis zu 425 Prozent (Threadneedle European Smaller Companies) beziehungsweise 402 Prozent (Allianz Nebenwerte Deutschland). Das entspricht einer durchschnittlichen Rendite von 11,8 respektive 11,4 Prozent pro Jahr. Der Schwellenländer-Klassiker Magellan brachte 10,8 Prozent pro Jahr, ein weltweit breit gestreutes Produkt wie der Flossbach von Storch Global Equity immerhin noch 6,5 Prozent.

Es hätte allerdings auch bedeutend schlechter laufen können. Der Anteilspreis des Deka-Lux Europa etwa notiert heute 22 Prozent niedriger als vor 15 Jahren, der Metzler Wachstum International verlor im selben Zeitraum 16 Prozent. Ganz zu schweigen von Exoten wie dem Blackrock New Energy (minus 49 Prozent) oder Rohrkrepierern wie dem DAC-Fonds UI, der von seinen Anbietern bereits Jahre vor der gesetzten Ziellinie aus dem Rennen genommen wurde.

Die Beispiele zeigen: Das größte Risiko in einer immer unsicherer anmutenden Welt ist es nicht, in Aktienfonds zu investieren. Sondern das falsche Produkt zu erwischen. Auf den ersten Blick ein starkes Argument für Index-Investments, was auch der seit Jahren anhaltende Run auf ETFs dokumentiert. Aber auf den zweiten? Mit einem ETF auf den MSCI World war seit 2001 auf Euro-Basis lediglich ein Plus von 3,4 Prozent pro Jahr drin, beim Dax sieht es mit 3,6 Prozent nicht viel besser aus. Und der schlechteste Aktienfonds über die vergangenen 15 Jahre ist ein Index-Tracker: der I-Shares Euro Stocks Banks mit einem Minus von knapp 53 Prozent.

Die Furcht vor Aktienfonds zu überwinden ist das eine, gut gemanagte auszuwählen das andere. Aber beides lohnt sich.

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