Aktualisiert am 08.09.2017 - 12:38 UhrLesedauer: 2 Minuten

Wachtendorf-Kolumne Fondsmanager-Gipfel in Mannheim: Die Botschaft hör ich wohl …

Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS
Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS

In der Bibel wird der Begriff Armageddon gerade ein einziges Mal erwähnt, nämlich in der Offenbarung des Johannes (Kapitel 16, Vers 16). Im jüngsten, von Dachfonds-Manager Eckhard Sauren organisierten und moderierten Fondsmanager-Gipfel in Mannheim am vergangenen Mittwoch fiel er dagegen in nur 45 Minuten gleich viermal – was durchaus Symbolcharakter hat. Der in der biblischen Übersetzung als Schauplatz der endzeitlichen Entscheidungsschlacht zwischen Gut und Böse beschriebene Ort ist in den Nachwehen der weltweiten Finanzkrise geradezu zum geflügelten Wort geworden.

Festgesetzt in den Köpfen vieler Anleger hat sich dabei auch ein anderes Bild mit biblischem Hintergrund: jenes mit den sieben fetten und den sieben mageren Jahren. Nach sieben Jahren mit überwiegend steigenden Aktienkursen scheint es ganz natürlich, dass es nun eine lange und ausgeprägte Gegenbewegung geben muss, die ähnlich wie 2003 oder 2009 in einen finalen Ausverkauf mündet.

Alles Blödsinn, argumentiert Starcapital-Manager Peter E. Huber in der oben angesprochenen Runde und erntet mit seiner Einschätzung, dass die aktuelle Korrektur anders ablaufen werde als die vorangegangenen, bei seinen Mit-Diskutanten Bert Flossbach, Klaus Kaldemorgen und Bernd Ondruch durchaus Zustimmung. Auch sonst herrscht – vom Thema China einmal abgesehen – viel Konsens: Die Zinsen bleiben noch über Jahre oder sogar Jahrzehnte hinaus niedrig, mit Staatsanleihen ist nichts mehr zu verdienen, die Volatilität wird zunehmen und 2016 noch die eine oder andere gute Chance eröffnen, die man – so ein anderes geflügeltes Wort in der Runde – „opportunistisch“ nutzen müsse.

Auf den Punkt gebracht lässt sich daraus für die verbleibenden elf Monate des Jahres folgende Handlungsanweisung ableiten: Kaufe einen Strauß kurzlaufender, trotz größerer Schwierigkeiten über jeden Pleite-Verdacht erhabener Firmenanleihen, mit denen sich derzeit durchaus Renditen zwischen 6 und 11 Prozent erzielen lassen, garniere das Ganze mit einigen sorgsam ausgewählten Dividendenaktien und etwas Cash und übe Dich ansonsten in gutbezahlter Geduld. Wenn dann die anderen laut genug „Armageddon“ schreien, schreite zur Tat – überlege Dir aber genau, was Du kaufst.

Dem einen oder anderen Zuhörer mag das für 45 Minuten zu wenig gewesen sein. Wer so denkt, hat allerdings die Botschaft nicht verstanden, die in ihrer Schlichtheit fast schon so universell ist wie ein Bibelzitat. Vielleicht ist genau das der Grund, warum sich auch 2016 nur so wenige Anleger daran halten dürften.

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